Netzentgelte wurden durch Bezuschussung gesenkt. Die Bundesregierung ging davon aus, dass ein Haushalt in etwa 100 Euro im Jahr bei den Stromkosten einsparen würde.

Netzentgelte wurden durch Bezuschussung gesenkt. Die Bundesregierung ging davon aus, dass ein Haushalt in etwa 100 Euro im Jahr bei den Stromkosten einsparen würde.

Bild: ©  blende11.photo/Adobe Stock

Die angekündigte Entlastung durch gesenkte Netzentgelte kommt bei privaten Haushalten nur begrenzt an. Das zeigt eine Untersuchung des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV). Die Bundesregierung hatte mit 100 Euro pro Haushalt im Jahr gerechnet – aber die tatsächliche Einsparung liegt laut Verband lediglich bei 56 Euro im Durchschnitt.  

VZBV-Vorständin Ramona Pop fand deutliche Worte: "Die Bundesregierung kommt ihren eigenen Zusagen nicht nach. Für die meisten Haushalte bleibt die versprochene Entlastung beim Strom ein leeres Versprechen."  

Die Kostenersparnis ist laut dem Bericht regional sehr unterschiedlich: In Rostock liegt sie demzufolge etwa bei 18 Euro im Jahr, aber in Mainz bei 109 Euro. Durch einen Bundeszuschuss von 6,5 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) wurden die Übertragungsnetzentgelte für Verbraucher:innen sowie für Gewerbe- und Industriekund:innen gesenkt. 

Stromsteuer-Senkung mit weiterer Maßnahme kombinieren  

Der Verbraucherschutzverband fordert die Senkung der Stromstreuer auf das nach Europarecht zulässige Mindestmaß von 0,1 Cent pro Kilowattstunde. Bei einem Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden könne so eine Ersparnis von rund 68 Euro erreicht werden: von 71,75 Euro auf 3,50 Euro. Außerdem fielen dadurch die regionalen Unterschiede weg und alle Haushalte hätten die gleiche Kostenersparnis. 

Zusätzlich fordern die Verbraucherschützer:innen auch eine Senkung der Strompreisumlagen. Die Aufschläge, die zum Beispiel die besondere Netznutzung und die Offshore-Netzumlage umfassen, bezifferten sich für Haushalte auf rund 103 Euro im Jahr und seien 2026 im Vergleich zum Vorjahr um elf Prozent gestiegen.  

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Laut dem Verband könnte selbst eine Kombination von bezuschussten Netzentgelten und einer Stromsteuer-Senkung nicht den im Koalitionsvertrag vereinbarten Entlastungsbetrag in Höhe von fünf Cent pro Kilowattstunde erreichen. Da durch den Krieg im Iran zu befürchten sei, dass die Strompreise weiter ansteigen, sollten die Strompreisumlagen "spürbar" gesenkt werden, und zwar anhand des Maßstabs aus dem Koalitionsvertrag. 

Druck auf die Bundesregierung wächst 

Die Bundesregierung steckt nun in einem Dilemma: Trotz der Ankündigung im Koalitionsvertrag, die Stromsteuer pauschal zu senken, wurde sie bisher aus haushalterischen Gründen nicht umgesetzt. Für das laufende Jahr erwartet die Bundesregierung Einnahmen aus der Stromsteuer von sieben Milliarden Euro. Diese werden zurzeit für Zuschüsse zur gesetzlichen Rente verwendet. Bei einer Stromsteuer-Senkung müsste dafür Ersatz gefunden werden. 

Die "Bild" hatte berichtet, dass es in der Bundesregierung mittlerweile deutliche Sympathien gebe für eine allgemeine Senkung der Stromsteuer. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erwäge die Prüfung dieser Option.  

Die Energiepreisspitzen infolge des Kriegs im Iran belasten die Verbraucher:innen zunehmend. Um diese Bürde zu verringern, hatte die EU-Kommission den Mitgliedstaaten empfohlen, die Stromsteuer zu senken. Bundesrat und die Energieminister:innen der Länder drängen auch auf eine Senkung der Stromsteuer.  

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Reduzierte Netzentgelte: Bevorteilung der Industrie 

Für das produzierende Gewerbe sowie die Land- und Forstwirtschaft wurde die Stromsteuer bereits gesenkt; auf 0,05 Cent pro Kilowattstunde. Gegenüber Verbraucher:innen ist die Industrie also im Vorteil – auch bei der Bezuschussung der Netzentgelte: Laut der Untersuchung des Verbraucherzentrale Bundesverbandes erhielt sie eine durchschnittliche Reduzierung von 25 Prozent, wohingegen die Reduzierung für Haushalte bei lediglich 15 Prozent liegt. 

Dass besonders stromintensive Industriebetriebe von der Bezuschussung der Netzentgelte profitieren, hatte der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) bereits im vergangenen Jahr beanstandet: "Durch diesen Fokus auf die Übertragungsnetze drohen mittelständische Unternehmen und private Haushalte in vielen Regionen leer auszugehen. Von den Zuschüssen werden sie nicht oder kaum profitieren." Der VKU hatte zu diesem Zeitpunkt schon eine Kombination aus Umlagen- und Netzentgeltsenkung gefordert, wie jetzt auch der VZBV. 

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Diese ungleiche Verteilung der Entlastungen waren der Bundesregierung durchaus bewusst. Das Bundesfinanzministerium hatte bestätigt, dass es auch in den nächsten Jahren eine Entlastung mit einem Volumen von 6,5 Milliarden Euro für die Stromkund:innen geben soll, hieß es aus Kreisen des Bundesfinanzministeriums. Dies werde möglicherweise auch anteilig über andere Umlagen erfolgen. 

Methodik der VZBV-Untersuchung 

Für ihre Analyse hat der Verbraucherzentrale Bundesverband die Entgeltübersichten von 25 Netzbetreibern ausgewertet, inklusive der zehn größten Niederspannungsnetze, "die schätzungsweise 46 Prozent der gesamten Niederspannungsstromkreislänge abdecken". Zusätzlich hat der VZBV die Stromnetzbetreiber der am dichtesten besiedelten Städte pro Bundesland einbezogen.  

Die Datenerhebung erfolgte im Zeitraum 25. bis 27. Februar 2026. Grundlage war ein Musterhaushalt mit 3500 Kilowattstunden pro Jahr, und bei Industriekunden "eine Abnahme von 24 Gigawattstunden mit 6000 Jahresbenutzungsstunden". 

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