Von Andreas Baumer
Seit vergangenem Freitag liegt die Empfehlung der Schlichtungskommission im öffentlichen Dienst (TVöD) vor. Seitdem lässt sich auch vergleichen, wie stark der Kompromiss, über den Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter am Samstag noch verhandeln werden, von anderen Einigungen abweicht.
Auf Gewerkschaftsseite wird dabei immer wieder die TG Energie genannt, nach dem der Energiekonzern Eon und der Übertragungsnetzbetreiber Tennet zahlen. Tatsächlich stehen Stadtwerke, die nach dem TV-V zahlen – dieser orientiert sich am TVöD – oftmals in Konkurrenz zu Eon und seinen vielen Tochtergesellschaften. Ein Überblick, der auf Zusammenfassungen der Vereinbarungen durch die Gewerkschaften Verdi und DBB fußt:
Wann fanden die bislang letzten Einigungen statt?
Im Dezember wurde die bislang letzte TG-Energie-Einigung erzielt. Bei TVöD und TV-V könnte nächsten Samstag eine Einigung erzielt werden. Es gilt als wahrscheinlich, dass von der Schlichtungsempfehlung nicht mehr stark abgewichen wird.
Wie stark wird das Gehalt erhöht?
Vor den TG-Energie-Verhandlungen forderte Verdi 8,5 Prozent mehr Geld, mindestens aber 350 Euro mehr. Am Ende sprangen 4,6 Prozent mehr heraus. Die geforderte einjährige Laufzeit wurde auf 13 Monate gestreckt.
Nun zu den TVöD-Verhandlungen. Hier verlangte Verdi vorab acht Prozent und mindestens 350 Euro mehr. Die Schlichter kürzten dies deutlich und streckten die Laufzeit.
Für 13 Monate ist eine Erhöhung um 3 Prozent und mindestens um 110 Euro vorgesehen. In einem zweiten Schritt sollen die Gehälter um weitere 2,8 Prozent steigen. Insgesamt wird eine Laufzeit von 27 Monaten vorgeschlagen.
Wie weit die tariflichen Gehaltssprünge in der Energiebranche bisweilen auseinandergehen, zeigt übrigens die jüngst abgeschlossene Tarifrunde für Beschäftigte des ostdeutschen Kraftwerksbetreibers Leag. Hier wurde rückwirkend zum 1. Februar eine Erhöhung von fünf Prozent durchgesetzt. Im Februar 2026 wird für weitere 10 Monate um 2,5 Prozent aufgestockt.
Zur Einordnung: Laut EU-Kommission (Stand November 2024) wird in diesem Jahr in Deutschland eine durchschnittliche Inflation von 2,4 Prozent prognostiziert. Im Folgejahr soll sie auf 2,1 Prozent sinken. Für 2027 werden 1,9 Prozent erwartet. Die Inflation könnte unter anderem wegen des Handelskriegs mit den USA wieder steigen.
Welche Ergebnisse wurden für dual Studierende und Auszubildende erzielt?
Bei den TG-Energie-Verhandlungen wurde eine Übernahmegarantie für Auszubildende und dual Studierende ausverhandelt. Bis 2029 gilt für sie die tarifliche Absicherung. Zudem wurde eine Inflationsausgleichsprämie von 900 Euro vereinbart.
Im öffentlichen Dienst soll laut Schlichtungsempfehlung die Vergütung der Auszubildenden und dual Studierenden in zwei Schritten steigen: rückwirkend zum 1. April um 75 Euro und ab dem 1. Mai 2026 um weitere 75 Euro. Die Auszubildenden und dual Studierenden sollen bei betrieblichem Bedarf unbefristet übernommen werden, wenn sie mindestens mit der Note "Befriedigend" abgeschlossen haben.
Was wurde sonst noch vereinbart?
Gewerkschaftsmitglieder bekommen in der TG Energie einen weiteren gewerkschaftlichen Freistellungstag, etwa für Bildungsveranstaltungen.
Im öffentlichen Dienst sollen laut Schlichtungsempfehlung alle Beschäftigten ab 2027 einen zusätzlichen Urlaubstag erhalten.
Außerdem soll die Jahressonderzahlung ab 2026 in allen Entgeltgruppen erhöht werden. Dabei soll es die Möglichkeit geben, diese Sonderzahlung in bis zu drei zusätzliche freie Tage umzuwandeln.
Welche Neuerungen sieht die Schlichtungsempfehlung beim Thema Arbeitszeitsouveränität vor?
Hier ein Beispiel unter mehreren: Auf betrieblicher Ebene soll ein Langzeitkonto vereinbart werden können. Das eingebrachte Wertguthaben soll etwa für Sabbaticals, eine Verringerung der Arbeitszeit, Freistellungen für Kinderbetreuungen und Pflege verwendet werden können.
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