Für den Wuppertaler Stadtwerkechef Markus Hilkenbach ist es "absolut notwendig und unerlässlich", auch Kommunalunternehmen als systemrelevant einzustufen und in Notlagen unter den Schutz des Staates zu stellen.
"Aus meiner Sicht es völlig eindeutig, dass Stadtwerke dazu gehören", sagte er bei einer Pressekonferenz. Es sei nicht auszudenken, was passiere, wenn eine Kettenreaktion einsetze und Vorlieferanten sowie Letztversorger insolvent gingen. Dieser volkswirtschaftliche Effekt wäre nur schwer einzufangen.
Debatte um KfW-Kredite
Hintergrund sind andauernde Debatten, inwiefern auch Stadtwerke Anspruch auf umfassende staatliche Hilfsmaßnahmen haben sollten, falls sie angesichts extrem hoher und schwankender Strom- und Gaspreise im Großhandel in Not geraten sollten. Dabei soll es um einen erleichterten Zugang zu KfW-Krediten bis hin zu einem möglichen Insolvenzmoratorium für Energieversorger gehen.
Anfang April hatte die Bundesregierung bereits ein umfassendes Hilfspaket für deutsche Unternehmen vorgestellt, das auch Energieversorger umfasste. Das Paket sieht unter anderem ein Kreditprogramm über die staatliche Förderbank KfW sowie Energiekostenzuschüsse für Firmen vor. (Die ZfK berichtete.)
VKU-Chef: Auch Stadtwerke in Summe "systemrelevant"
Schon damals mahnte VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing an, auch Stadtwerke ohne Hürden teilhaben zu lassen. "In der Summe sind sie ebenfalls systemrelevant", kommentierte er.
Im Energiesektor ist das Paket vor allem für große Vorlieferanten gedacht, die durch anhaltend hohe Großhandelspreise und damit verbundene hohe Sicherheitsleistungen, sogenannte Margin Calls, schnell in finanzielle Engpässe geraten könnten. Zuvor hatten bereits Gashändler von Uniper bis VNG KfW-Kredite in Milliardenhöhe als Liquiditätsstütze für künftige Unwägbarkeiten erhalten.
Grundversorger-Pleiten erwartet
Dabei bekommen auch immer mehr Stadtwerke die Folgen der massiven Preissteigerungen zu spüren. Wie aus einer Benchmark-Analyse der Unternehmensberatung BET mit einem Dutzend Stadtwerke hervorgeht, mussten alle betrachteten Versorger ihre individuellen Kreditlinien im Herbst teils auf das Fünffache erhöhen oder gar eine Überschreitung tolerieren, um handlungsfähig zu bleiben.
In einer Umfrage der Unternehmensberatung EY unter 100 Stadtwerken gaben zudem knapp 50 Prozent der Befragten an, in den nächsten fünf Jahren einen Anstieg von Insolvenzen bei Energieversorgern zu erwarten, die auch Grundversorger sind.
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Hilkenbach: WSW finanziell gut aufgestellt
Die Wuppertaler Stadtwerke selbst sieht Hilkenbach liquiditätsmäßig im Moment gut aufgestellt. Zwar schloss der Kommunalkonzern das vergangene Geschäftsjahr mit einem Verlust von 3,7 Mio. ab, was der Manager hauptsächlich auf den coronabedingt schwächelnden öffentlichen Nahverkehr zurückführte. (Mehr zur Bilanz der Wuppertaler Stadtwerke lesen Sie hier.)
Für die kommenden Jahre allerdings plant der Stadtwerkechef mit schwarzen Zahlen. (aba)



