Die Angriffe auf Katars LNG-Infrastruktur sorgen für Produktionseinschränkungen.

Die Angriffe auf Katars LNG-Infrastruktur sorgen für Produktionseinschränkungen.

Bild: © Yellow Boat/Adobestock

Ein Treiber für den Gaspreisanstieg war der Angriff der israelischen Luftwaffe auf die Infrastruktur des Erdgasfelds South Pars, das als sehr bedeutende Quelle Irans gilt. Irans Raketenangriff wiederum hat die LNG-Produktionsanlagen von Katar schwer beschädigt.

Das Land gehört zu den weltweit größten Produzenten von verflüssigtem Erdgas, entsprechend deutlich fielen die Preisausschläge an der Börse in Amsterdam aus. Die Notierung des TTF-Frontmonat-Kontrakts stieg am Donnerstagmorgen um auf 72 Euro pro Megawattstunde (MWh), gab im Laufe des Tages allerdings auf zuletzt 62,5 Euro/MWh (Stand Donnerstag, 15:42 Uhr)

Deutlicher Preisanstieg am kurzen Ende

Seit Beginn der Militäroperation gegen Iran Ende Februar hat sich der Gaspreis in Europa beinahe verdoppelt. Kostete eine Megawattstunde vor dem Beginn des Konflikts an der TTF im Frontmonat-Kontrakt etwa 30 Euro, erreichte der Kontrakt aktuell zeitweise 72 Euro/MWh.

Während die Gas- und Ölpreisentwicklung im Spothandel und auch bei den Monatskontrakten eine klare Sprache sprechen, blieben die Preise am langen Ende, etwa die Jahresbänder 2027 und 2028, zunächst stabil. So reagierte der TTF-Frontjahr-Kontrakt in der ersten Woche nach einem kurzen Spike zum Auftakt mit einem moderaten Aufschlag von 2,50 Euro/MWh.

Markt reagiert nun auch am langen Ende

Seit der zweiten Woche des Konflikts steigen auch die langfristigen Terminpreise deutlicher an. Nach den Angriffen auf die LNG-Produktionsstätten und der Beinahe-Blockade der Straße von Hormus am Persischen Golf verschärft sich damit die globale Konkurrenz um die verfügbaren LNG-Mengen. Das hat Auswirkungen vor allem auf Verbraucher in Asien, die auf Lieferungen aus der Golfregion besonders angewiesen sind und zuletzt auch auf dem europäischen Markt verstärkt Gas nachfragen.

Für den Markt markieren die jüngsten Entwicklungen eine Trendwende. "Mit der jüngsten Eskalation könnte der Ausfall vielleicht sogar mehrere Monate oder länger dauern; die Marktsituation hat sich damit seit Donnerstag fundamental verändert", schreibt etwa Ganexo-Experte Joachim Endress in seinem Gastkommentar für die ZFK.

"Worst Case" für Energiemärkte

Die Beschädigung der weltgrößten LNG-Anlage "Ras Laffan" in Katar bezeichnet Enerchase-Geschäftsführer Dennis Warschewitz als ein mögliches "Worst Case für die Energiemärkte": Je nach Art der Beschädigung könnte eine Reparatur Monate bis Jahre dauern, so könnten katarische LNG-Mengen frühestens Mitte des Jahres wieder auf die Weltmärkte kommen.

Bisher sei eigentlich ein LNG-Überangebot auf dem Weltmarkt ab kommendem Jahr eingepreist. "Das wird wohl gerade korrigiert." Dazu würden vermutlich dauerhaft höhere Risikoprämien hinzukommen, weil die Straße von Hormus ja auch in Zukunft erneut blockiert werden könnte. "Bisher galt dies als undenkbar", so Warschewitz.

In Deutschland wiederum signalisierte der größte Gashändler Uniper, keine Lieferungen aus der Krisenregion zu erhalten, was ein Preisaufschlagsrisiko für seine Kunden deutlich senkt.
Die vermeintliche LNG-Verknappung bedeutet jedoch auch: Die Speicherbefüllung im Sommer wird tendenziell teurer. Darauf hat die Initiative Energien Speichern (Ines) hingewiesen.

Technisch wäre eine Wiederbefüllung der Speicher im Sommer in Höhe des Buchungsstands vom Vorjahr – das heißt 81 Prozent zum ersten November – möglich, teilte Ines Anfang der Woche mit. Die aktuellen Marktrealitäten seien jedoch andere und entsprächen nicht den theoretischen Modellannahmen der Initiative.

"Auch wenn wir das gesamte Ausmaß der Schäden vor allem in Ras Laffan noch nicht exakt abschätzen können, sind dem globalen Gasmarkt selbst im Fall eines hypothetischen sofortigen Kriegsendes kurz- bis mittelfristig substantielle Angebotsvolumina weggefallen", sagte auch Jan Brübach, Geschäftsführer von MVV Trading, auf ZFK-Anfrage. Dies strahle natürlich auch deutlich auf das lange Ende aus.

Folgen auf dem Endkundenmarkt

Bereits jetzt schlagen sich die Folgen der Krise im Endkundenmarkt nieder. Im Vertrieb werden sukzessive erste Auswirkungen spürbar. Mit den Stadtwerken Flensburg hat ein zweiter kommunaler Versorger seine überregionale Neukundenakquise eingestellt. Zum Wochenende hatten bereits die Stadtwerke Pforzheim über einen vorläufigen Stopp der bundesweiten Vertriebsaktivitäten informiert. Die Neukundenpreise für Erdgas waren laut dem Vergleichsportal Verivox derweil binnen weniger Tage (Stand 16. März) um 1,2 Cent pro Kilowattstunde gestiegen – ein Plus von 15 Prozent.

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