Dieser Artikel ist der Schlussteil einer kleinen ZfK-Sommerserie zum Thema Direktvermarktung. In diesem Rahmen wurden mehrere Grafiken, Analysen sowie eine aktualisierte Direktvermarkterliste veröffentlicht. Sie sind Direktvermarkter und wollen noch in die Listen aufgenommen werden? Dann wenden Sie sich gern an ZfK-Redakteur Andreas Baumer (a-baumer(at)zfk(dot)de).
Die Portfolios der kommunalen Direktvermarkter sind in den ersten sechs Monaten dieses Jahres überwiegend gewachsen. Das geht aus einer ZfK-Umfrage hervor, an der 21 Unternehmen mit mehrheitlich kommunalen Anteilseignern teilgenommen haben.
15 Direktvermarkter meldeten leicht bis stark steigende Mengen. Bei vier Unternehmen blieb das Portfolio im Vergleich zum Jahresanfang konstant.
MVV bleibt kommunale Nummer eins
Nicht mehr gelistet sind die Stadtwerke Osnabrück. Die Niedersachsen ziehen sich aus der Direktvermarktung zurück. (Die ZfK berichtete.) Im ZfK-Frühjahrsgespräch hatte der damalige Interims-Vorstand Stefan Grützmacher das Portfolio auf 300 MW beziffert. Im kommenden Jahr sollen es weit unter 100 MW sein.
Ganz vorne gab es keine Bewegung. Der Mannheimer Versorger MVV führt mit einem Portfolio von unverändert 4400 MW weiterhin das kommunale Direktvermarkter-Feld an. Dahinter folgen die Stadtwerke München und die Oldenburger EWE, deren Direktvermarktungsmengen leicht zulegten.
Enercity und Sachsenenergie über 1000-MW-Grenze
Mit den Regionalversorgern Enercity und Sachsenenergie schafften neuerdings gleich zwei kommunale Direktvermarkter den Sprung über die Ein-Gigawatt-Marke. Die Hannoveraner verdoppelten ihr Portfolio nahezu von 595 auf 1087 MW.
Der Großteil der nun von Enercity vermarkteten Menge entfällt auf Windkraftanlagen. Das passt auch zu den Wachstumsplänen des Versorgers, der erst im Januar 60 Windparks übernahm und seitdem zu den größten Windkraftanlangenbetreibern an Land gehört. (Die ZfK berichtete.)
Photovoltaik dominiert bei Sachsenenergie
Etwas gleichmäßiger sieht die Verteilung bei der Sachsenenergie aus (siehe Grafik unten). Insgesamt wuchs das Portfolio des Dresdener Unternehmens in den vergangenen Monaten von 987 auf 1036 MW. Mit eingerechnet sind hier auch direkt vermarktete Mengen aus den KWK-Anlagen Nossener Brücke und Reick.
Spannend dürfte werden, wie sich im zweiten Halbjahr die Verhältnisse verschieben. Sachsenenergie etwa möchte weiter wachsen. "Bei uns sind schon einige Anfragen großer Windparkprojektierer angekommen", schreibt Direktvermarktungsexperte Martin Frohs. "Zudem haben wir uns für viele Bestandskunden als verlässlicher Partner in der Krise erwiesen. Dieses Vertrauen könnte sich bei den Ausschreibungen auszahlen."
"Harter Verdrängungswettbewerb"
Mit Blick auf den Biogasmarkt spricht EWE-Direktvermarktungsexperte Henning Behrens von einem "harten Verdrängungswettbewerb". Inmitten der Energiekrise habe es eine regelrechte Wechselwelle gegeben, sagt er. "Wir gehen auch von einer weiteren Marktkonsolidierung aus."
EWE selbst vermarktet nach eigenen Angaben von deutschlandweit etwa 9600 Biogasanlagen mehr als 1400 und ist damit größter kommunaler Direktvermarkter in diesem Segment. Auch im Vergleich zu allen anderen Direktvermarktern stehen die Oldenburger weit oben und belegten zuletzt hinter Energy2Markets und Next Kraftwerke Platz drei.
EWE will "ganz klar" weiteres Wachstum
Für die kommende Vertriebssaison sieht sich EWE gut gerüstet. Das eigene Ziel sei "ganz klar" weiteres Wachstum, sagt Behrens.
"Wir wollen unseren Fahrplanbetrieb noch weiter ausbauen. Wir wollen hier noch digitaler und professioneller werden. Wir wollen auch noch stärker kurzfristig handeln können. Denn der Wert von Biogasanlagen als flexibel einsetzbare Kraftwerke wird mit fortschreitendem Erneuerbaren-Ausbau und verstärkter Volatilität weiter steigen."
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