Wichtige Kooperationsvereinbarung mit der Göttinger Wohnungswirtschaft: Die Verantwortlichen der Stadtwerke und der Wohnungswirtschaft mit dem Kaufmännischen und dem Technischen Vorstand der Stadtwerke Göttingen, Frank Wiegelmann (rechts) und Gerd Rappenecker (Dritter von rechts).

Wichtige Kooperationsvereinbarung mit der Göttinger Wohnungswirtschaft: Die Verantwortlichen der Stadtwerke und der Wohnungswirtschaft mit dem Kaufmännischen und dem Technischen Vorstand der Stadtwerke Göttingen, Frank Wiegelmann (rechts) und Gerd Rappenecker (Dritter von rechts).

Bild: © Stadtwerke Göttingen

Von Hans-Peter Hoeren

Wichtiger Durchbruch für die Stadtwerke Göttingen: Der Kommunalversorger hat gemeinsam mit der „sozial-orientierten Wohnungswirtschaft“ in der niedersächsischen Universitätsstadt einen Kooperationsvertrag geschlossen. Dieser bildet die Grundlage, um künftig große Bestände der Wohnungsunternehmen in Göttingen mit regionaler Wärme versorgen zu können, heißt es einer Pressemitteilung. Zu den Kooperationspartnern zählen die Wohnungsgenossenschaft Göttingen, die Städtische Wohnungsbau, die Volksheimstätte und das Studierendenwerk Göttingen.

"Diese Vereinbarung ist ein zentraler Baustein für unsere Fernwärme-Ausbaustrategie. Sie ermöglicht uns eine verbesserte Planbarkeit – sowohl beim Netzausbau als auch bei der Weiterentwicklung unseres Erzeugungsportfolios", erklärte Frank Wiegelmann, der Kaufmännische Vorstand der Stadtwerke Göttingen auf ZfK-Anfrage.

Gemeinsamer Entwicklungspfad zur Dekarbonisierung

Die größte Herausforderung habe darin gelegen, ein Preismodell zu entwickeln, das die Interessen der sozial orientierten Wohnungswirtschaft mit den Anforderungen an einen wirtschaftlichen Betrieb der Stadtwerke in Einklang bringe. "Hinzu kam die Erarbeitung eines gemeinsamen Entwicklungspfads zur Dekarbonisierung. Dabei mussten wir Meilensteine definieren mit klaren Zielen für die zukünftige Entwicklung des Primärenergiefaktors als auch für die spezifischen Emissionsfaktoren", so Wiegelmann weiter. Herausfordernd seien auch die Festlegung von Abrechnungsmodalitäten und Informationspflichten gewesen, die allen Kundenansprüchen genügen.

Der Vereinbarung vorausgegangen war ein Jahr intensiver Verhandlungen. Nun kann das Fernwärmenetz der Stadtwerke weiter ausgebaut werden. Die Göttinger Stadtwerke gewinnen an fünf Standorten Wärme aus einem Mix aus regionalem Rohbiogas, Biomethan, Biomasse, industrieller Abwärme und aus Erdgas. Durch diese Flexibilität soll eine zuverlässige Versorgung mit stetig wachsendem erneuerbaren Anteil gewährleistet werden.

PV-Freiflächenpark in Betrieb genommen

Die Wohnungsunternehmen haben das Ziel, die CO2-Emissionen der Wärmeversorgung ihrer Wohnungsbestände signifikant zu senken. Die Stadtwerke verpflichten sich dabei, mit einer klaren Dekarbonisierungs-Strategie und festgelegten Meilensteinen zur kontinuierlichen Reduktion von klimaschädlichem CO2 aus fossiler Herkunft. Durch die Nutzung der Fernwärme können sich die Wohnungsunternehmen auch bei Sanierung und Neubau mit einem niedrigen Primärenergiefaktor beim baulichen Wärmeschutz entlasten.

Die Stadtwerke wollen den Anteil erneuerbarer Energien bis 2045 auf nahezu 100 Prozent steigern. Erst vor kurzem hatte der Kommunalversorger den interkommunalen Photovoltaik-Freiflächenpark in Deiderode in Betrieb genommen. Auf 28 Hektar wurden dort in den letzten Monate 46.000 Solarpaneele installiert, die jährlich bis zu 31,5 Mio. kWh erneuerbaren Strom in das vorgelagerte Netz einspeisen werden.

Der strategische Fokus der Stadtwerke Göttingen liegt auf einem weitreichenden Ausbauprogramm in den Geschäftsfeldern erneuerbare Stromerzeugung und Fernwärme. Bis 2030 wird das Unternehmen im dreistelligen Millionenbereich in Photovoltaik-Freiflächenparks, Windkraftanlagen, die Erzeugung und den Ausbau regenerativer Fernwärme, klimafreundliche Mobilität sowie Energielösungen für Gewerbe- und Privatkunden investieren.

"Dringender Handlungsbedarf beim KWKG"

Der Fernwärmeausbau stellt das kommunale Unternehmen dabei angesichts aktuell schwieriger Rahmenbedingungen vor immense Herausforderungen und ist alles andere als ein Selbstläufer. "Mit dem Auslaufen des KWKG Ende 2026 fällt ein zentrales Förderinstrument für den Netzausbau weg, und eine zeitnahe Verlängerung ist aus heutiger Sicht unwahrscheinlich – obwohl dringender Handlungsbedarf besteht", betont Vorstand Wiegelmann.

Zudem fehle eine notwendige Reform der Wärmelieferverordnung, insbesondere in Bezug auf die Vorgaben zur Kostenneutralität bei der verbrauchsabhängigen Nebenkostenabrechnung. Darüber hinaus steige der bürokratische Aufwand durch eine Vielzahl neuer Rechtsvorschriften (GEG, CO2-KostAuftG, FFVAV, Preisgleitklauseln) kontinuierlich an. "Die Neufassung der AVBFernwärmeV liegt aufgrund der politischen Entwicklungen derzeit auf Eis und sorgt damit für Verunsicherung und fehlende Planungssicherheit.“

-----------------------------------

Einen weiteren umfassenden Artikel zum Thema Fernwärmeausbau und der Notwendigkeit der Anpassung der Preisgleitklauseln an die sich verändernde Erzeugungsstruktur aus Ludwigshafen finden Sie in der aktuellen Printausgabe der ZfK. Zum Abo geht es hier.

Mehr zu den den Stadtwerken Göttingen und zum Thema Fernwärmeausbau aus dem ZfK-Archiv:

Energieregion Göttingen: EAM und Stadtwerke gehen neue Wege beim Erneuerbaren-Ausbau

"Fast alle Fernwärme-Preisklauseln werden in den nächsten Jahren umgestellt"

Darf man noch Wärmewende sagen?

Wärmewende: MVV plant grüne Fernwärme ohne Gasnetze






 


Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper