Aufgrund der sinkenden Marktpreise werde EnBW ergebnistechnisch im laufenden Jahr nicht an das Niveau von 2023 herankommen, sagte der neue EnBW-Chef Georg Stamatelopoulos bei der Vorstellung der Bilanzzahlen. Nach einem "außergewöhnlich guten" Adjusted Ebitda im Jahr 6,4 Mrd. Euro rechnet er für 2024 mit einem Wert zwischen 4,6 Mrd. und 5,2 Mrd. Euro.
"Der EnBW geht es gut", sagte Stamatelopoulos, deshalb werde das Unternehmen seine Investitionen in die Umsetzung der Energiewende in den kommenden Jahren nochmals deutlich erhöhen. Im Jahr 2023 investierte das Unternehmen etwa fünf Mrd. Euro und damit um 56 Prozent mehr als 2022.
Viel Geld aus diesem Betrag nimmt EnBW für den Bau wasserstofffähiger, flexibel einsetzbarer Gaskraftwerke in die Hand. Davon befinden sich seit kurzem drei Anlagen in der Bauphase. Bis 2026 sollen diese wasserstofffähigen Gaskraftwerke dann in Betrieb gehen. Diese seien kein Teil der von der Bundesregierung angekündigten Kraftwerksstrategie. Sie würden sowohl Strom als auch Wärme liefern und können "nicht nur wenige Betriebsstunden im Einsatz sein", so Stamatelopoulos.
"10.000 MW besser als nichts"
Mit großem Interesse beobachte sein Unternehmen auch die Genehmigungsfortschritte der Kraftwerksstrategie in Brüssel. Die EU sei "dort überraschend weit", sagte der EnBW-Chef mit Verweis auf Quellen in der Bundesregierung. Es stimme ihn optimistisch, dass Ausschreibungen noch in diesem Jahr anlaufen werden. Im Kern findet er die bisherigen Ansätze gut. Die bereits angekündigten 6.500 MW für Süddeutschland sowie die Regionalität als Ausschreibungskriterium seien zu begrüßen. Die geplante auszuschreibende Kraftwerkskapazität von 10.000 MW erscheint ihm zwar zu gering, sei allerdings "besser als nichts". Viele Eckpunkte der Kraftwerksstrategie seien aber noch zu schemenhaft.
Entkonsolidierung von BMP Greengas belastet Bilanz
2023 hat EnBW das operative Ergebnis um 60 Prozent auf 6,4 Mrd. Euro gesteigert. Lediglich im Geschäftsfeld "Intelligente Infrastruktur für Kundinnen und Kunden" gab es beim Adjusted Ebitda einen Rückgang um 52 Prozent auf 240 Mio. Euro. Das begründete der Konzern mit den Belastungen durch Einmaleffekte im Bereich Heimspeicher bei der Solartochter Senec sowie die Entkonsolidierung des Biomethanhändlers BMP Greengas.
Nach der Insolvenz von BMP Greengas sprang der Karlsruher Energiekonzern zur Rettung seiner "Enkeltochter" ein. Inzwischen wurde das Unternehmen bei der Leipziger VNG, ebenfalls Teil des EnBW-Konzerns, integriert. Für das Agieren der EnBW während der Krise gibt es teils heftige Kritik: viele Stadtwerke blieben auf einem hohen Schaden sitzen.
"Bis zu den extremen Marktverwerfungen durch den Krieg in der Ukraine gab es für die EnBW keine Notwendigkeit, die BMP Greengas einem gesonderten Risikomanagement zu unterziehen", hieß es auf Anfrage der ZfK. Insofern bestehe bisher kein Anlass zu bezweifeln, dass die Situation von allen Beteiligten "umfassend analysiert, treffend bewertet und die passenden Maßnahmen eingeleitet wurden". Nach der bisherigen Prüfung durch den Aufsichtsrat würden keine Anhaltspunkte für eine Pflichtverletzung bestehen, hieß es weiter.
Preiserhöhung zum 1. April
Zum 1. April erhöht der Energiekonzern seinen Strompreis um 15,9 Prozent. Das kündigte das Unternehmen bereits im Februar an. Die EnBW zählt nach eigenen Angaben über 5,5 Mio. Kunden. Für etwa zwei Drittel des Preisanstiegs sei der Wegfall der Subventionen durch die Bundesregierung verantwortlich, sagte Stamatelopoulos. "Sie können nicht erwarten, dass die EnBW eine staatliche Subventionierung ersetzt", sagte er.
Ein Drittel führte der EnBW-Chef auf die gestiegenen Beschaffungskosten zurück. Während der Energiekrise habe das Unternehmen die gestiegenen Preise nicht unmittelbar weitergegeben. Um die Sicherheit der Versorgung gewährleisten zu können, kaufe EnBW im Voraus ein und könne so Schwankungen ausgleichen. Vor diesem Hintergrund sei eine Erhöhung unvermeidbar. (am)



