EnBW-Vorstand Georg Stamatelopoulos

EnBW-Vorstand Georg Stamatelopoulos

Bild: © Catrin Moritz/EnBW

Die  Debatten über die Energiewende haben sich verändert. Es gibt Herausforderungen und Bedarf für Korrekturen, konstatierte der EnBW-Vorstandsvorsitzende Georg Stamatelopoulos bei der Bilanzpressekonferenz.  Letztere betreffen nicht das Ziel der Energietransformation, sondern die einzelnen Schritte dahin. Das wichtigste Diskussionsthema sei aktuell die Bezahlbarkeit von Energie. Er plädiert deshalb dafür, dass die Branche wo möglich Kosten einsparen müsse, eine entsprechende Studie hierzu will das Unternehmen kommende Woche vorstellen. 

Ausbaupläne für Schnellladesäulen-Netz werden redimensioniert

"Wir können Freileitungen bauen statt Erdkabel. EnBW baut an jeden Photovoltaik-Park einen Speicher und reduziert so Kosten für den Netzanschluss. Mit unseren Pumpspeicherkraftwerken und disponiblen Kraftwerken optimieren wir das Gesamtsystem", verdeutlichte der EnBW-Chef. 

Ein weiterer Hebel für Kosteneinsparungen sei der Stromverbrauch, hier werde bis 2045 in etwa eine Verdopplung erwartet in Deutschland von 500 auf rund 1100 Terawattstunden. "Wir beobachten aber, dass die da hinter liegenden Treiber, die Elektrifizierung der Wärme, der Mobilität oder der Aufbau von Rechenzentren eher nur leicht steigt respektive teils rückläufig sind." Deshalb müsse man darüber diskutieren, ob man vorab in Infrastruktur investiere und weitere Kosten verursache oder auf ein Schritttempo wechsle und künftig synchron und im Einklang mit dem Ausbau dieser Verbraucher mache.

Aus dieser Überlegung heraus, passt das Unternehmen seine Ausbaupläne für Schnellladestationen an den Hochlauf der Elektromobilität an. Der Energiekonzern betreibt mit mehr als 6000 Ladepunkten das größte Schnellladenetz Deutschlands. Da sich die Nachfrage nach E-Autos, vor allem durch den abrupten Wegfall der Kaufprämie verlangsamt hat, wurde das Ausbauziel von rund 30000 Schnellladepunkten bis zum Jahr 2030 auf mehr als 20000 angepasst. 

"Aktuell sind die Ladesäulen bundesweit im Schnitt nur zu 15 Prozent ausgelastet, wir investieren in eine Technologie, die aktuell zu 85 Prozent unausgelastet ist", so der EnBW-Chef. Bei der jetzt vorgenommenen Anpassung handelt es sich laut Unternehmensangaben lediglich um eine zeitliche Verschiebung. Am langfristigen Trend zur batterieelektrischen Mobilität ändere dies nichts. Das Unternehmen investiert jährlich weiterhin rund 200 Milllionen Euro in den Ausbau, um auch bei einem schnelleren Fahrzeughochlauf flexibel agieren zu können.

EnBW plant drei neue Gaskraftwerke bis Ende 2026

Auch zum Thema Gas- und Reservekraftwerke bezog Stamatelopoulos Stellenung. Als "extrem ambitioniert" bezeichnete er den geplanten Zubau neuer Gaskraftwerke im Umfang von 20 Gigawatt (GW) bis 2030. In der Politik sei der Ausdruck "extrem ambitioniert" eigentlich ein Synonym für "unmöglich", so der Energiemanager.  Aber auch wenn man bis 2030 nur sieben oder zehn Gigawatt an zusätzlicher Gaskraftwerksleistung neu gebaut habe, sei das mehr als heute.

"Wichtig ist, dass wir endlich diese Ausschreibungen terminieren und  es in diesem Jahr schaffen, die ersten Auktionen zu starten", appellierte er an die Politik. Dies sei auch als Signal an die Hersteller von Gasturbinen und wasserstofffähigen Gasturbinen wichtig. In den USA etwa boome die Nachfrage durch den Bau von Rechenzentren regelrecht.

Von der aktuell im Bau befindlichen neuen Gaskraftwerkskapazität von drei Gigawatt entfalle rund die Hälfte auf EnBW. Der Konzern will bis Ende 2026 drei neue wasserstofffähige Gaskraftwerke in Betrieb nehmen. Man habe zudem die Ambition, bei den künftigen Ausschreibungen mitzumachen. "Diese Ambition ist auch durch die Lage der EnBW und die Engpässe im Netz gerechtfertigt." 

Skepsis bei Rückkehr von Reservekraftwerken in den Strommarkt

Man wisse, dass Anlagen im Süden netzdienlich sein werden für ganz Deutschland. Sie würden auch das gesamte Redispatchaufkommen und die damit verbundenen Kosten reduzieren. Zwischen Union und SPD ist ein Zubau von bis zu 20 GW bis 2030 offenbar beschlossene Sachen, ebenso der Vorzug bestehender Kraftwerksstandorte. Dies geht aus dem Sondierungspapier der Arbeitsgruppe "Klima und Energie" hervor"

Laut dem Papier sollen künftig Reservekraftwerke nicht nur zur Vermeidung von Versorgungsengpässen zum Einsatz kommen, sondern auch zur Stabilisierung des Strompreises. EnBW hat aktuell rund zehn Kohlekraftwerke in der Netzreserve, weitere Stilllegungen sind geplant. Stamatelopoulos bewertet die Berliner Gedankenspiele mit Skepsis. Eine Rückkehr der betroffenen Anlagen an den Strommarkt sei aktuell unwirtschaftlich. 

Wenn diese künftig weiter laufen sollten, benötige das Unternehmen einen angemessenen Ausgleich. Ein weiteres Hindernis ist aber auch, dass der Energieversorger sich bis 2035 verpflichtet hat, klimaneutral sein. Dieses Ziel ist zertifiziert bei der Science Based Targets initiative (SBTI) und diese Zielerreichung ist in starkem Maße an die auf grünen Anleihen beruhende Finanzierung des Unternehmens gekoppelt. "Das müsste die Politik auch berücksichtigen. Wer wäre dann verantwortlich für die zusätzlichen CO2-Emissionen, wenn die Reserveanlagen in Betrieb genommen würden, um die Strompreise zu stabilisieren?"

Skepsis bei Wirtschaftlichkeit von CCS-Technologie

Mögliches grünes Licht aus Berlin für das Abscheiden und Speichern und Kohlendioxid an Kraftwerksanlagen sieht der Energiemanager eher verhalten. Die Konzentration von CO2 bei Gaskrafwerken im Vergleich zu Kohlekraftwerken sei vergleichsweise gering, deshalb werde eine CCS-Anlage dort tendenziell eher immer überdimensioniert und damit "nicht so wirtschaftlich" sein. Das alles sei letztlich eine Frage des Vergleichs mit den Kosten für Wasserstoff. Prinzipiell sei man aber auch für diese Technologie offen.

(Einen weiteren Artikel zum Jahresabschluss und der geplanten Kapitalerhöhung von EnBW finden Sie hier.)

Mehr zu dem Thema aus dem ZfK-Archiv:

Neuer Energiekurs: Wo sich Union und SPD einig sind – und wo sie noch streiten

Reservekraftwerke als Strompreisbremse: Eine gute Idee?

Chefs von Eon und RWE sehen riesige Einsparpotenziale bei weiterer Energiewende

EnBW steigert Investitionen deutlich

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper