Eon ist Deutschlands größter Strom- und Gas-Grundversorger.

Eon ist Deutschlands größter Strom- und Gas-Grundversorger.

Bild: © Rolf Vennenbernd/dpa

Energiekonzern Eon zieht im Rechtsstreit mit den Stadtwerken Castrop-Rauxel vor das Oberlandesgericht Hamm. Es habe dort Berufung gegen das Urteil des Landgerichts Bochum eingelegt, teilte eine Unternehmenssprecherin der ZfK mit.

Grund für die juristische Auseinandersetzung war ein umstrittenes Kundenangebot des nordrhein-westfälischen Stadtwerks im vergangenen Jahr. Angesichts hoher Großhandelspreise hatte das Unternehmen seinen rund 4000 Kunden die Option geboten, sich in die Grundversorgung des örtlichen Grundversorgers fallen zu lassen und zugleich den Stadtwerken eine Vollmacht auszustellen. (Die ZfK berichtete.)

Eon Grundversorger in Castrop-Rauxel

In diesem Fall würden die Kunden automatisch zurückwechseln, wenn die Grundversorgungspreise höher sein würden als die der Stadtwerke. Eon ist sowohl Strom- als auch Gasgrundversorger vor Ort.

Im vergangenen Jahr bot der Konzern in Castrop-Rauxel noch Grundversorgungspreise klar unter dem Branchendurchschnitt an. Im Laufe dieses Jahres musste Eon allerdings sowohl im Gas- als auch im Strombereich seine Preise erhöhen.

Eon-Klage wegen "unlauteren Wettbewerbs"

Weil in der Zwischenzeit die Großhandelspreise stark gefallen waren, konnte Castrop-Rauxel in der Folge wieder günstigere Tarife anbieten und mehr als 2000 Kunden, die die Vollmacht unterzeichnet hatten, automatisch zurückholen.

Eon verklagte die Stadtwerke Castrop-Rauxel wegen "unlauteren Wettbewerbs". (Die ZfK berichtete.) Das Landgericht Bochum wies die Klage jedoch im Juni "vollumfänglich" ab. Der Entscheidung liege im Wesentlichen die Überlegung zu Grunde, wie ein situationsangemessen aufmerksamer Durchschnittsverbraucher den Vorschlag der Stadtwerke verstehen durfte, führte ein Pressesprecher des Landgerichts Bochum aus.

Stadtwerke Castrop-Rauxel verteidigen Vorgehen

Die Kammer sei davon ausgegangen, dass der Verbraucher bei einer Kündigung eines Strom- oder Gasvertrags ein solches Schreiben mit einiger Aufmerksamkeit lese und trotz vorhandener kleinerer Unklarheiten und Unvollständigkeiten das Angebot der Stadtwerke richtig verstehe.

Die Stadtwerke Castrop-Rauxel zeigten sich mit dem Ergebnis hochzufrieden. Oberstes Ziel sei es gewesen, die eigenen Kunden möglichst günstig durch die Krise zu bringen, sagte Geschäftsführer Jens Langensiepen im Gespräch mit der ZfK. Dieses Ziel sei erreicht worden. "Am Ende hat keiner der Kunden [mit erteilter Vollmacht] mehr als 32 Cent pro kWh Strom bezahlt."

Eon: Stadtwerke-Vorgehen "unsolidarisch"

Eon dagegen halte das Vorgehen der Stadtwerke "insbesondere gegenüber unseren Bestandskunden" weiterhin für "unsolidarisch" und "wenig nachvollziehbar", teilte die Unternehmenssprecherin mit. Deshalb geht der Rechtsstreit nun weiter. (aba)

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