Die Debatte um die Gebäudeenergiegesetz schlägt sich auch in den Kundenwünschen des Oldenburger Regionalversorgers EWE nieder. Es sei eine "sehr hohe Verunsicherung" spürbar, sagte Vorstandsvorsitzender Stefan Dohler im Gespräch mit der ZfK.
"Nach der ursprünglichen Ankündigung, den Neubau fossiler Heizungen ab 2024 zu verbieten, wollten plötzlich ganz viele noch eine Gasheizung haben." Zugleich sei die Nachfrage nach privaten Photovoltaik-Anlagen zurückgegangen.
Aus für Erdgas-Mietheizungen
"Offenbar dachten sich einige Kunden: Wenn auf mich eine so große Investition wie die in eine Wärmepumpe zukommen könnte, dann halte ich mich woanders lieber zurück. Das war auch im Markt ablesbar."
EWE selbst hat sich entschieden, von Juli an keine Erdgas-Mietheizungen mehr anzubieten. Stattdessen setzt der Konzern auf den Vertrieb von Wärmepumpen. (Die ZfK berichtete.) Diese können Kunden nicht nur kaufen, sondern auch per Contracting-Modell mieten. "Da wird sich der Markt jetzt schnell entwickeln", sagte Dohler.
Weniger Rückstände im Kundenservice
Große Kopfzerbrechen bereiteten EWE in den vergangenen Monaten Probleme im Kundenservice. Diese zu beheben, habe weiterhin "absolute Priorität", erklärte der Manager. Bei regulären Online- und Telefonanfragen sei das Unternehmen schon länger wieder gut erreichbar, erläuterte er.
Bei komplexeren Anliegen sei der Rückstand im Vergleich zum Sommer 2022 mehr als halbiert worden und nähere sich dem Zielniveau.
Probleme bei Preisbremsen-Umsetzung
Die Umsetzung staatlicher Vorgaben, allen voran die Preisbremsen, stellten auch EWE vor große Herausforderungen. Wo es zu Rückständen beim Versenden der Jahresschlussrechnungen gekommen sei, habe man für die Folgemonate die Abschläge ausgesetzt, sagte Dohler.
Es gebe aber nur noch wenige Kunden, die noch immer keine Abschlussrechnungen für das Jahr 2022 erhalten hätten. Spätestens nach diesem Sommer dürfte wieder der Normalzustand einkehren, prognostizierte er.
Security vor EWE-Shops
Seine Mitarbeiter nahm Dohler dabei in Schutz. "Die Kolleginnen und Kollegen haben einen Riesenjob gemacht. Dabei hatten sie es nicht leicht: Teils mussten sie sich beschimpfen lassen, teils mussten wir sogar Security vor unsere Shops stellen."
Als einer der größten Grundversorger der Republik verzeichnete EWE im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben einen Kundenzuwachs im sechsstelligen Bereich. Seit einigen Monaten hat sich der Markt aber wieder gedreht, was auch der Oldenburger Versorger zunehmend spürt.
"Wechselraten wieder deutlich höher"
"Die Wechselraten sind wieder deutlich höher", sagte Dohler. "Das war leider erwartbar." Kritisch sieht er, dass es die Regularien zulassen, in schlechten Zeiten "in die Hängematte des Grundversorgers" zu gehen, um sich dann in besseren Zeiten wieder zu verabschieden.
"Dass das zu Lasten der Bestandkunden geht, finde ich unanständig, auch wenn dies aus Sicht der Wechsler nachvollziehbar ist."
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