Die Schlagzeile hat es in sich: Iberdrola, der spanische Energieriese, analysiere mit der US-Bank JP Morgan den Kauf der deutschen RWE, um seine Führungsposition auf dem [globalen] Erneuerbaren-Markt zu festigen, hieß es am Dienstag auf der Website des spanischen Nachrichtenmediums "Ok Diario".
Zitiert werden anonyme Quellen, die sich mit der Situation auskennen sollen.
Analystenmeinung eingeholt
Kurz darauf legte dieselbe Zeitung nach. Demnach sollen Analysten der Banken Santander und Morgan Stanley eine solche Operation für "sehr positiv" befunden haben.
"RWE wandelt sich rapide von einem auf Kohle und Kernkraft fokussierten Unternehmen hin zum Erneuerbaren-Geschäft", wird Santander zitiert. "Deswegen glauben wir, dass [das Unternehmen] ein attraktives Kaufobjekt für große integrierte Versorger und große Ölkonzerne sein könnte."
Iberdrola dementiert
Zugleich würde ein Kauf von RWE durch Iberdrola "finanzielle, politische und regulatorische Hindernisse" mit sich bringen. Doch ist die Information überhaupt korrekt?
Die ZfK fragte bei Iberdrola nach, erhielt aber bis zum Donnerstagabend keine Antwort. Gegenüber der Zeitung "Ok Diario" soll ein Unternehmenssprecher dagegen bestritten haben, dass der spanische Konzern einen RWE-Kauf erwäge. Ein RWE-Sprecher teilte mit, dass sein Unternehmen grundsätzlich keine Stellung zu Gerüchten nehme.
Iberdrola mehr als doppelt so viel wert wie RWE
Tatsächlich stieg in Spanien kaum ein Medium auf die "Ok Diario"-Nachricht ein – wohl auch weil die 2015 gegründete Onlinezeitung nicht überall als hundertprozentig glaubwürdig gilt. Die Nachrichtenagentur Reuters meldete lediglich, dass Iberdrola auch ihr gegenüber mögliche RWE-Kaufpläne dementiert habe.
Rein größenmäßig könnte ein RWE-Erwerb durch Iberdrola durchaus Sinn ergeben, schreibt die Deutsche Nachrichtenagentur dpa. Demnach kommt der deutsche Konzern derzeit auf einen Börsenwert von fast 31 Mrd. Euro und der spanische Konkurrent auf etwa 76 Mrd. Euro.
RWE-Anteilseigner
Nach letztem Stand befanden sich schätzungsweise 87 Prozent der RWE-Aktien im Eigentum institutioneller Investoren und 13 Prozent in Privatbesitz.
Größter Anteilseigner war mit neun Prozent die Qatar Holding, der Staatsfonds des Emirats Katar. Am Essener Konzern ist zudem beispielsweise der Dortmunder Stadtwerkekonzern DSW21 beteiligt.
Greenpeace stichelte schon 2021
Dass RWE als potenzieller Übernahmekandidat gelte, hatte übrigens die Umweltschutzorganisation Greenpeace bereits vor zwei Jahren geschrieben. Im internationalen Geschäft mit erneuerbaren Energien sei der Konzern "lediglich ein mittelgroßer Newcomer", hieß es da. (Die ZfK berichtete.)
Der damalige RWE-Chef Rolf Schmitz nahm dies gelassen. "Wir machen unseren Stiefel weiter", konterte er. (aba)
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