Der Stromanbieter Jura Power hat turbulente Monate hinter sich. Jetzt zieht er sich vorerst aus dem Stromvertrieb zurück.

Der Stromanbieter Jura Power hat turbulente Monate hinter sich. Jetzt zieht er sich vorerst aus dem Stromvertrieb zurück.

Bild: © Desico/AdobeStock

Umstellung auf dynamische Tarife, Ausschluss aus Verteilnetzen und Ärger mit der Schlichtungsstelle. Die letzten Monate waren für den bayerischen Energieversorger Jura Power, bekannt für seine Marke Jurastrom, keine einfache Zeit. Jetzt also die nächste Wendung: Das Unternehmen mit Sitz in Neumarkt in der Oberpfalz lässt fürs Erste seinen Stromvertrieb ruhen.

Angekündigt hatte der Anbieter dies bereits am 19. Oktober auf der eigenen Website. Am 28. Februar aber ist endgültig Schluss. Dann endet auch der Bilanzkreisvertrag mit dem letzten der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber Tennet. Heißt: Jura Power kann danach keinen Strom mehr durch deutsche Netze leiten – es sei denn, es schließt neue Bilanzkreisverträge ab.

Jurastrom: Variable Tarife statt Festpreis

Jura Power war zu Beginn der Energiekrise 2021 in die Schlagzeilen geraten, weil es kurzfristig seine Festpreis- auf dynamische Tarife umgestellt hatte, also Börsenstrompreise durchreichte – und das in Zeiten enorm steigender Großhandelspreise. Das Unternehmen schrieb damals, es sei dem Wunsch vieler Kunden nach mehr Preisflexibilität und einem verbesserten Marktzugang nachgekommen. Demnach profitierten Kunden noch mehr von tagesaktuellen Strompreisen.

Tatsächlich häuften sich in der Folge auf dem Portal "Verbraucherhilfe-Stromanbieter" die Beschwerden von Jurastrom-Kunden. "Die Umstellung auf Börsenpreise war aus meiner Sicht intransparent und verbraucherunfreundlich", sagt Portalbetreiber Matthias Moeschler. "Zudem teilten mir Kunden mit, dass sie bei Widerspruch gegen die Vertragsänderung von einem Anwalt zur Zahlung aufgefordert wurden und der Kundenservice nicht mehr erreichbar gewesen sein soll."

Ausschluss aus Verteilnetzen

Im Laufe des Jahres 2022 bestätigten dann fünf große Verteilnetzbetreiber – die Eon-Töchter Westenergie und Bayernwerk sowie N-Ergie, Netz Leipzig und Dortmunder Netz –, Jura Power wegen Nichterfüllung von Zahlungsverpflichtungen zumindest zeitweise aus ihren Netzen ausgeschlossen zu haben. Betroffene Kunden fielen in der Folge in die Ersatzversorgung der örtlichen Grundversorger.

Jura Power wehrte sich im Falle von N-Ergie und Bayernwerk auf seiner Website und unterstellte beiden Netzbetreibern, ihre Monopolstellung zu missbrauchen. (Die ZfK berichtete.) Des Weiteren schrieb der Versorger: "Wir dürfen darauf verweisen, dass unser Unternehmen weiterhin bei über 400 Netzbetreiber in ganz Deutschland Kunden beliefert und diese Regionen lediglich einen geringen Bruchteil unserer Kunden betrifft."

Jura Power stellt Stromvertrieb ein

Knapp zwei Monate später gab Jura Power bekannt, seinen Stromvertrieb vorübergehend einzustellen. "Aufgrund unserer umfangreichen Produktanpassung und einer damit verbundenen Systemumstellung und Umstrukturierung unseres Services pausiert unsere Belieferung von Letztverbrauchern mit Strom vorübergehend", hieß es.

"Wir hätten lieber eine reibungslose Umstellung für unsere wertgeschätzten Kunden vollzogen, doch in dynamischen Zeiten des Energiemarktes und eines in der Branche vorhandenen Fachkräftemangels verzögert sich diese Umstellung."

Jurastrom: Ärger mit Schlichtungsstelle

Der Kundenärger ging aber weiter. So waren noch Mitte Januar bei der Schlichtungsstelle Energie etwa 400 Schlichtungsverfahren anhängig, wie aus einer E-Mail hervorgeht, die der ZfK vorliegt. Jura Power bestätigte den Erhalt der Nachricht.

Gegenstand der Verfahren waren zumeist Zweifel an der Richtigkeit der Abschlussrechnung. Diese sei "auf Ihrer Seite offenbar mit erheblichen Problemen verbunden", rügte die Schlichtungsstelle den Versorger. Erschwerend komme hinzu, dass Jura Power offenbar in Fällen, in denen Kunden aus Unternehmenssicht Nachzahlungen zu leisten hätten, entsprechende Forderungen anwaltlich geltend mache, "ohne sich um das anhängige Schlichtungsverfahren zu kümmern." Darin liege "eine erneute gravierende Missachtung des Schlichtungssystems".

Jura Power verteidigt sich

Jura Power verteidigte sein Vorgehen auf ZfK-Nachfrage. "Nicht nur Verbraucher haben mit steigenden Energiekosten zu kämpfen, sondern auch Versorger mit zunehmenden Zahlungsausfällen" auf Kundenseite.

"Da sich unser Unternehmen in einem sogenannten Massengeschäft befindet, waren wir aus Gründen der Effektivität dazu gezwungen, die Abläufe der [Forderungseintreibung] auszulagern und zu standardisieren. Dennoch haben wir immer wieder auch individuelle Lösungen mit Kunden gefunden und werden uns auch weiter darum bemühen."

Fokus auf Smart Meter

Jura Power beharrt darauf, den Stromvertrieb nur vorübergehend einzustellen. Eine Beendigung der Liefertätigkeit lag der Bundesnetzagentur Ende Januar nicht vor und wurde auch seitdem nicht bekannt.

Vielmehr plant der Versorger, seine Vertriebsaktivität Ende dieses Jahres wieder aufzunehmen. " Neu geplant ist eine Zusammenarbeit mit einem Unternehmen für Smart-Meter und Smart-Home-Produkte, welches die passende Hardware zu unserem Tarif bereitstellt", schreibt Jura Power auf ZfK-Anfrage. "So können Kunden in optimaler Weise von den wechselnden Börsenpreisen profitieren."

Jura Power: Jahresabschluss 2021 liegt noch nicht vor

Wie Jura Power bislang finanziell durch die Energiekrise kam, lässt sich übrigens nicht im Bundesanzeiger nachlesen. Der Geschäftsbericht für das Jahr 2021 liegt noch nicht vor.

Aus dem Geschäftsbericht für das Jahr 2020 geht dagegen hervor, dass Jura Power zum Zeitpunkt der Berichtserstellung "buchmäßig überschuldet" gewesen sei. "Dies bedeutet jedoch nicht notwendig, dass auch eine Überschuldung im insolvenzrechtlichen Sinne vorliegt." Der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag betrug demnach Ende 2020 knapp 2,4 Mio. Euro. (aba)

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