Mit Spannung schaut die Energiebranche auf die Preisrunde für 2025. Der Wettbewerb ist intensiv und viele Stadtwerke haben im vergangenen Jahr aufgrund vergleichsweise hoher Portfoliopreise einen Wettbewerbsnachteil gegenüber Energiediscountern gehabt. Die Billiganbieter konnten sich nach dem Abflauen der jüngsten Energiekrise vergleichsweise günstig eindecken, viele Versorger mit langfristiger Beschaffungsstrategie hatten größere Teilmengen zu sehr hohen Preisen in den Vorjahren eingekauft.
Auch wenn noch keine endgültigen Energiepreise für das kommende Jahre kommuniziert wurden, haben bereits einige Energieversorger erste Preistendenzen veröffentlicht. Die Oldenburger EWE etwa wird voraussichtlich die Strom- und Gaspreise in der Grundversorgung um mindestens zehn Prozent senken, heißt es in einer Mitteilung. Exakte Werte für neue Preise werde man aber erst Mitte Dezember bekanntgeben können.
Rückläufige Beschaffungskosten
Oliver Bolay, Geschäftsführer von EWE Vertrieb begründet den Preissenkungspielraum vornehmlich mit den gesunkenen Beschaffungskosten. Diese sind auch beim Strom rückläufig. Im Gegensatz zu den Netzentgelten für Erdgas seien die Stromnetzentgelte ebenfalls gesunken. Unsicherheit bestehe hier aber noch in den genauen Werten, da die Netzentgelte erst vorläufig gemeldet werden. Ende letzten Jahres hatten sich zum Beispiel die Stromnetzentgelte kurzfristig erhöht, da eine staatliche Förderung gestrichen wurde.
EWE-Sondervertragskunden (mit Preisgarantien) haben Bolay zufolge bereits in den letzten Monaten spürbare Entlastungen erfahren. Ob sich das über den Jahreswechsel weiter fortsetze, werde derzeit noch bewertet.
In Nürnberg wird Strom und Gas günstiger, in Köln der Strom
Die Nürnberger N-Ergie wird ihre Arbeitspreise für Strom und Erdgas zum Jahreswechsel für alle Kundinnen und Kunden senken. Auch hier hängt die Anpassung nach unten mit deutlichen Preisvorteilen an den Handelsmärkten in den vergangenen Monaten zusammen. Durch diesen Effekt kann N-Ergie zum Beispiel auch die deutlich steigenden Netzentgelte beim Gas ausgleichen, heißt es. Über die konkreten künftigen Preise werden die Kundinnen und Kunden im Laufe des Novembers informiert.
Auch die Rheinenergie in Köln hat bereits gerechnet: Kommende Woche will das Stadtwerk eine Senkung der Grundversorgungstarife für Strom zum Jahreswechsel bekanntgeben, wie das Unternehmen auf Anfrage mitteilte. Die Netznutzungsentgelte und Anpassungen von etwaigen Umlagen ab Anfang 2025 seien dabei bereits berücksichtigt. Wie groß die Preissenkung ausfällt, wurde noch nicht bekannt.
Eon ist noch im Prüfmodus
Preissenkungen haben zudem bisher einige weitere Stadtwerke angekündigt, die in Gebieten mit größerem Erneuerbaren-Anteil tätig sind, etwa die Stadtwerke Schwerin, Emden, Norden, aber auch Görlitz, Ratingen sowie Minden. Die Gasag und Sachsenenergie haben zudem bekräftigt, trotz steigender Netzentgelte und höherem CO2-Preis den Gaspreis für Strom- und Bestandskunden in 2025 stabil zu halten.
Deutschlands größter Stromversorger Eon mit rund 12 Millionen Kundinnen und Kunden rechnet noch. «Aktuell prüfen wir die Informationen der Netzbetreiber zu den Netzentgelten und Umlagen», erklärte ein Sprecher. Für eine abschließende Aussage zu konkreten Auswirkungen auf die Endkundenpreise sei es derzeit zu früh. Netzentgelte und Umlagen seien einige von mehreren Kostenbestandteilen des Strompreises für Endkundinnen und -kunden, so der Sprecher. «Für die Kalkulation werden sämtliche Kostenfaktoren berücksichtigt.»
Netzumlagen steigen ab kommendem Jahr
Die Neuregelung zur faireren Verteilung der Stromnetz-Ausbaukosten sorgt im kommenden Jahr bei allen Stromkunden generell für einen Anstieg der Netzumlagen um gut 0,9 Cent je Kilowattstunde. Dies geht aus der Veröffentlichung der neuen Umlagesätze der Übertragungsnetzbetreiber für 2025 hervor. Nach Angaben des Vergleichsportals Verivox würde dieser Anstieg bei einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden rein rechnerisch jährliche Mehrkosten von knapp 44 Euro verursachen.
"Anbieter, die sich während der Energiekrise teuer und langfristig eingedeckt haben, müssen diese Preissteigerungen wahrscheinlich direkt weitergeben, andere Versorger können flexibler reagieren", erklärte Verivox-Energieexperte Thorsten Storck. In Deutschland gab es Mitte 2023 laut Bundesnetzagentur 866 Verteilnetzbetreiber.
Lichtblick fordert weitere Reduktion der Verteil-Netzbetreiber
Das Hamburger Energieunternehmen Lichtblick nannte die Verteilung eines Teils der Energiewende-Kosten auf alle Verbraucherinnen und Verbraucher sinnvoll. Allerdings sehe man insgesamt erneut eine Steigerung der Netzkosten. «Die Finanzierung der Netze wird zu einer wachsenden Belastung für Verbraucher*innen», erklärte LichtBlick-Sprecher Ralph Kampwirth.
Er kritisierte in diesem Zusammenhang zum wiederholten Male die staatlich garantierten Renditen für Netzbetreiber als «zu hoch». Deutschland leiste sich mit seinen vielen Verteilnetzbetreibern «eine zu kleinteilige und dadurch ineffiziente und teure Struktur für die Verwaltung und den Betrieb der Netze». Er forderte eine «drastische» Reduktion der Zahl der Netzfirmen.
Neuregelung zur Verteilung der Netzausbaukosten
Die Netzentgelte sind eine Gebühr für die Nutzung der Stromnetze. Auch die Kosten für den Ausbau der jeweiligen Verteilnetze im Zuge der Energiewende werden hierüber finanziert. Dies hatte in der Vergangenheit dazu geführt, dass in Regionen mit starkem Ökostrom-Ausbau die Netzentgelte höher lagen als in anderen Regionen. Die Neuregelung sieht nun eine Verteilung der Mehrkosten auf alle Stromkunden vor.
Wie sich die Neuregelung zur Verteilung der Netzausbaukosten auf die betreffenden Regionen mit starkem Zubau an Windenergie- und Solaranlagen kostensenkend auswirkt, hatte die Bundesnetzagentur bereits vor einer Woche mitgeteilt. Bei einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden ergeben sich demnach Kostenentlastungen in Höhe von teilweise mehr als 200 Euro jährlich. Behördenpräsident Klaus Müller hatte die Lieferanten aufgefordert, diese Vorteile auch an die Kunden weiterzugeben. (hoe/dpa)
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