Die Stadtwerke Pforzheim stehen im Fokus der Landeskartellbehörde. Ihnen sei ein Preisprüfungsverfahren angekündigt worden, teilte der Energieversorger am Dienstag (18.01.) mit.
Das kommunale Unternehmen hatte mit einem gesplitteten Grundversorgungstarif für Neukunden mit einem Kilowattstundenpreis beim Strom von 107,66 Cent Schlagzeilen gemacht. Das ist das 3,4-Fache dessen, was Bestandskunden bezahlen.
Verbraucherschützer alarmiert
Seit Montag gilt allerdings für Neukunden, die ab dem 17. Januar 2022 zu den Stadtwerken in die Grundversorgung kommen, ein Kilowattstundenpreis von 55,24 Cent. Dieser Tarif orientiere sich - wie der Vorgänger - am Börsenpreis, erklärte das Unternehmen. Aufgrund der Marktlage sei es möglich gewesen, die Preise wieder zu senken.
Vergangene Woche hatten die auch im Südwesten gestiegenen Strom- und Gaspreise für Neukunden Verbraucherschützer und die Landeskartellbehörde auf den Plan gerufen. Hintergrund ist, dass viele Kunden derzeit in die Ersatzversorgung aufgenommen werden müssen, etwa weil ihre Stromanbieter Lieferungen einstellen.
Rechtliche Zulässigkeit
Die Verbraucherschützer bemängeln, dass manche Anbieter seit einiger Zeit zwischen Neu- und Bestandskunden unterscheiden. Dabei müssen Neukunden oft deutlich mehr zahlen. Dies sei rechtswidrig.
Die Stadtwerke Pforzheim zeigten sich von der Ankündigung der Kartellbehörde überrascht. Schließlich hätten sich sämtliche Stadtwerke mit den gestiegenen Energiepreisen und den Insolvenzen einiger Stromanbieter befasst und hätten Lösungen für die Neukunden finden müssen.
1500 Neukunden
"Die Kartellbehörden sahen noch im Dezember auch keinen Grund, tätig zu werden", sagte ein Sprecher des Unternehmens der ZfK. Der kommunale Versorger sieht dem Verfahren aber zuversichtlich entgegen.
"Am 22. Dezember mussten wir tagesaktuell entscheiden, wie wir mit der Liefereinstellung von Stromio und gas.de umgehen. Wir mussten 1500 Neukunden aufnehmen, für die keine Energiereserven vorhanden waren", so der Sprecher weiter.
Rückwirkender Wechsel
Der Versorger orderte deshalb zu einem "sehr hohen" Tageskurs Energie nach. "Die Kalkulationsgrundlage werden wir gerne mit der Kartellbehörde teilen", sagte der Sprecher. "Wir gehen davon aus, dass uns die Behörde in unserer Argumentation folgen wird."
Zuden hätten alle Kunden die Möglichkeit erhalten, in einen deutlich günstigeren Tarif zu wechseln. Dies sei sogar rückwirkend möglich gewesen. Zudem stand es den Neukunden offen, das Angebot eines anderen Anbieters wahrzunehmen.
Gesunkene Preise
Die Preissenkungen zum Montag waren demnach schon beschlossen, bevor die Stadtwerke seitens der Kartellbehörde informiert wurden. Aufgrund der aktuellen Marktlage habe das Unternehmen die Preise senken können. (jk, mit Material der dpa)



