Die letztjährige Vertriebssaison scheint sich für den Düsseldorfer Direktvermarkter Pureenergy gelohnt zu haben. Nach eigenen Angaben ist das 2018 als Partner des gleichnamigen türkischen Kurzfristhändlers gegründete Unternehmen mit einem Portfolio von 2400 Megawatt (MW) ins neue Jahr gegangen. Das sind 900 MW mehr als Anfang 2023.
Dabei sei der Wettbewerb im Vergleich zum Energiekrisenjahr 2022 wieder deutlich härter geworden, analysiert Händler Onur Fişek im ZfK-Interview. "Wir haben bei manchen Ausschreibungen Wettbewerber gesehen, die sehr aggressiv angeboten haben", sagt er. "Sie haben Preise aufgerufen, mit denen man eigentlich nur Verlust machen kann."
Direktvermarktung als Prestigesache?
Entweder habe es sich dabei um Direktvermarkter gehandelt, die noch kaum Erfahrung hätten und sich verkalkuliert hätten, vermutet Fişek. "Oder wir haben es mit Unternehmen zu tun, die ihr Geld woanders verdienen und die Direktvermarktung vor allem als Prestigesache sehen."
Pureenergy sei bei unwirtschaftlichen Tiefpreisen nicht mitgegangen, versichert er. "Wir sind vorsichtig. Wir achten darauf, dass wir Verträge abschließen, die auch nachhaltig sind."
White-Label-Dienstleister
Sein Portfolio-Wachstum führt das Unternehmen auch auf seine Schnelligkeit zurück. "Im Gegensatz zu etablierten Vermarktern, die dafür in der Regel drei Wochen benötigen, konnten wir unsere Angebote in der Regel noch am gleichen Tag erstellen."
Anfangs waren die Düsseldorfer ausschließlich als White-Label-Dienstleister tätig. Inzwischen überwiegt das eigene Direktvermarktungsportfolio. 1500 MW werden es im neuen Jahr sein. Die restlichen 900 MW bewirtschaftet Pureenergy im Auftrag von Partnern. Mit welchen Firmen das Unternehmen genau zusammenarbeitet, verriet Fişek nicht.
Fast ein Dutzend Mitarbeiter in Deutschland
Mittlerweile arbeiten nach eigenen Angaben bis zu zehn Mitarbeiter in Düsseldorf für Pureenergy. Darunter befinden sich auch branchenbekannte Namen wie Ulrich Haberland und Sebastian Schmidt, die früher beim ehemals größten Direktvermarkter Deutschlands Statkraft das Direktvermarktungsgeschäft mit aufgebaut haben.
Spezialisiert hat sich Pureenergy neben der klassischen Direktvermarktung auf PPAs. Bewirtschaftet werden insbesondere Windkraftanlagen. Wachsen möchte das Unternehmen bei der Grünstrom-Belieferung von Gewerbe- und Geschäftskunden. Auch Stadtwerke sollen verstärkt zur Zielgruppe gehören.
Trumpf Intraday-Handel
Als einen seiner Trümpfe sieht Pureenergy seine Expertise im Intraday-Handel. Dieser wird von der Partnergesellschaft in Istanbul gesteuert. Dort arbeiten rund 40 Beschäftigte.
Für das Lieferjahr 2024 hat Pureenergy nach eigenen Angaben Bürgschaften in Höhe von 25 Millionen Euro für Anlagenbetreiber zur Verfügung gestellt. Nichtsdestotrotz sind die finanziellen Spielräume des Unternehmens deutlich geringer als die mancher in Großkonzerne eingebundenen Konkurrenten.
Kauf durch Ölriesen nicht vorstellbar
Kooperationen mit anderen Marktakteuren schließt Fişek deshalb nicht grundsätzlich aus. Immerhin benötigt auch Pureenergy Kapital, um in der Direktvermarktung wachsen und längerfristige Verträge anbieten zu können.
Einen Kauf durch einen Ölriesen, wie dies im Falle der Konkurrenten Quadra Energy und Next Kraftwerke geschehen ist, kann er sich allerdings nicht vorstellen.
"Nicht nur wirtschaftlicher Aspekt wichtig"
"Wir wollen auf eigenen Beinen stehen", erklärt er. "Wir bevorzugen Partnerschaften, die Synergieeffekte schaffen, in denen auch die andere Partei etwas einbringt."
Zudem würde der Einstieg eines Ölkonzerns bei einem Direktvermarkter nicht bei allen Anlagenbetreibern gut ankommen, sagt Fişek. "Die letzten Monate haben gezeigt, dass dies für Anlagenbetreiber ein Kündigungsgrund sein kann. Für sie ist nicht nur der wirtschaftliche Aspekt wichtig." (aba)
Hinweis: Die ZfK hat ihre Direktvermarktungsumfrage 2024 gestartet. Ihr Unternehmen vermarktet in Deutschland erneuerbare Energien und möchte teilnehmen? Dann melden Sie sich gern bei unserem zuständigen ZfK-Redakteur Andreas Baumer telefonisch unter +49-160-903-494-85 oder per Mail an a-baumer@zfk.de.
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