Sehen die Süwag im Energieeinkauf und Handel gut gerüstet für die aktuellen Herausforderungen: Christopher Osgood (links) und Mario Beck von der Süwag Vertrieb AG & CO. KG.

Sehen die Süwag im Energieeinkauf und Handel gut gerüstet für die aktuellen Herausforderungen: Christopher Osgood (links) und Mario Beck von der Süwag Vertrieb AG & CO. KG.

Bild: © Süwag

Die Eon-Tochter Süwag ist trotz der deutlich gestiegenen Volatilität und der massiv gestiegenen Gaspreise weiterhin im überregionalen Vertrieb und auf dem Vergleichsportal Check24 aktiv. Auch für eine Verschärfung oder ein langes Andauern des Kriegs in Nahost sehen die Geschäftsführer der Vertrriebstochter der Süwag, Christopher Osgood und Mario Beck, das Unternehmen gut aufgestellt.

Man habe zum einen in der Energiekrise 2022/23 Strukturen in Form eines Risikokomitees geschaffen, die es erlaubten, bei entsprechenden Situationen auf solche Preistrigger wie aktuell kurzfristig zusammenzukommen und die Risiken zu evaluieren. Die langfristige Beschaffungsstrategie von zwei bis drei Jahren im Voraus habe sich damals zudem bewährt, auch die Prozesse im Kundenservice seien gut aufgestellt.

Süwag kauft aktuell weiter kleine Energiemengen ein

Laut ZFK-Informationen haben einige Energieversorger aufgrund der jüngsten Turbulenzen an den Energiemärkten den Energieeinkauf momentan ausgesetzt. Die Süwag hingegen hält an ihrer langfristigen Beschaffungsstrategie fest und kaufe die erforderlichen Energiemengen auch kleinteilig, tageweise oder wöchentlich ein, so Christopher Osgood. Darauf zu spekulieren, dass die Energiepreise günstiger werden, wolle man nicht. "Unsere Strategie ist es, die Spitzen nach oben und unten mitzunehmen, diese Preiseffekte werden sich mit der Zeit glätten", so Osgood. Auch wenn die Terminmarktpreise für 2028 und 2029 im Gas deutlich gestiegen seien, lägen sie immer noch unter den aktuellen Werten für 2027. Deshalb werde auch aktuell noch in kleinen Tranchen für die Beschaffung im Lieferjahr 2028 Energie eingekauft.

Der Energieversorger sieht in der aktuellen Marktsituation zudem Risiken und Chancen zugleich. "Wir sind auf einem Wachstumspfad, aber nicht um jeden Preis", betonte Christopher Osgood. Die Zahl der Haushaltskunden ist im vergangenen Jahr von 810.000 auf rund 845.000 angestiegen. Die Zahl der Lieferstellen im Gewerbekundenbereich konnte von 62.000 auf 71.000 gesteigert werden – ein Plus von 15 Prozent.

Stromtarife um 16 Prozent gestiegen seit Beginn des Iran-Kriegs

Neukundenpreise

Seit Ausbruch des Konflikts am Persischen Golf sind Stromtarife für Neukunden um rund 16 Prozent teurer geworden. Das aktuelle Preisniveau entspricht dem von Oktober 2025, kurz bevor die Strompreise durch einen milliardenschweren Bundeszuschuss zu sinken begannen. Das geht aus einer aktuellen Auswertung des Vergleichsportals Verivox hervor.

Ein Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden (kWh) bezahlte im Februar 2026 im bundesweiten Durchschnitt im günstigsten Stromtarif mit zwölfmonatiger Preisgarantie rund 24,2 Cent pro kWh. Aktuell liegt das günstigste Angebot im Bundesschnitt bei rund 28 Cent/kWh. Das entspricht einem Preisanstieg von rund 15,7 Prozent.

Dieser Preisanstieg sei in erster Linie auf die höheren Gaspreise seit Anfang März zurückzuführen, heißt es weiter. Zwar wurden im vergangenen Jahr nur rund 17 Prozent des in Deutschland erzeugten Stroms in Erdgaskraftwerken produziert; aufgrund des Merit-Order-Prinzips wirken Gaskraftwerke an der Strombörse jedoch häufig preissetzend, obwohl ihr Beitrag vergleichsweise gering ist. So wurde Strom, der im April 2026 geliefert wird, seit Beginn des Iran-Kriegs zeitweise um über 20 Prozent teurer.

Der durchschnittliche Strompreis für Haushaltskunden im örtlichen Grundversorgungstarif liegt laut Verivox aktuell bei rund 40 Cent pro Kilowattstunde (kWh).









Süwag hält an Strompreissenkung fest

Punkten will die Süwag in der aktuellen Marktsituation im Privatkundenbereich vor allem als verlässlicher und seriöser Anbieter und mit eigenen Servicecentern in der Region vertretener Energiedienstleister. Die Grundversorgung bezeichneten die beiden Geschäftsführer als "Stabilitätsanker für die Kunden".

Ungeachtet der in den letzten Wochen deutlich gestiegenen Gas- und. Strompreise hat das Unternehmen an der angekündigten Strompreissenkung in der Grundversorgung zum ersten März festgehalten. Der Arbeitspreis wird von derzeit 39,50 Cent pro Kilowattstunde auf 35,99 Cent gesenkt, der Grundpreis steigt im Gegenzug um zwei Euro pro Monat. Ab ersten Juni sollen auch die rund 150.000 Sondervertragskunden von Preissenkungen profitieren. Der Gaspreis soll weiter stabil gehalten, Kunden mit zeitnah auslaufenden Gasverträgen mit Preisgarantie attraktive Verlängerungsangebote unterbreitet werden.

Wir verstehen nicht, warum einzelne Marktplayer aktuell zum Wechseln aufrufen.

Kunden, die aktuell von der Grundversorgung in Sonderverträge wechseln wollten, zahlten dieselben Preise wie Bestandskunden. "Deswegen verstehen wir nicht, dass einzelne Marktplayer aktuell zum Wechseln auffordern", konnte sich Osgood eine Breitseite auf die Vergleichsportale nicht verkneifen. Einzig bundesweite Neukunden außerhalb des Stammgebiets müssten aktuell leicht höhere Preise bezahlen als vor dem Iran-Krieg.

Wachstumspotenziale bei PPAs und flexibler Beschaffung

Chancen sieht der für den Gewerbekundenvertrieb und den Handel zuständige Geschäftsführer Mario Beck aktuell auch in flexiblen Beschaffungsmodellen für gewisse Gewerbekunden. Die Süwag gehe aktuell verstärkt in den Markt für kurz- bis mittelfristige Strombezugsverträge, PPAs, rein. Passend ergänzt wird diese Strategie durch die Wachstumsziele der Erneuerbarentochter der Süwag, die bis 2030 eine Terawattstunde an Grünstrom produzieren möchte.

"Wenn die regionale erneuerbare Erzeugung noch stärker in den Markt entlassen werden soll, dann werden PPAs künftig eine noch größere Rolle spielen", ist Beck überzeugt. Der Iran-Krieg habe erneut den Fokus auf das Thema Energieabhängigkeit und Energiesicherheit gelenkt, viele Unternehmen wollten mittelfristig unabhängig von den Weltmarktpreisen sein. Hier könne man seit Beginn des Iran-Kriegs auch positive Auswirkungen für den PPA-Markt sehen.

Chancen auch im Batteriespeicher-Contracting

Es gehe dabei nicht darum, 50 bis 70 Prozent seines Gesamtbedarfs über PPAs abzudecken, sinnvoll seien im Sinn von Risikostreuung und Opportunitäten zehn bis 30 Prozent. Zusätzlich könnten Unternehmen gewisse Tranchen hinzukaufen und je nach Situation auch eine gewisse Restlast am Spotmarkt. Die Süwag bietet sowohl PPAs im Wind- als auch im Solarbereich, mit Laufzeiten zwischen zwei bis zehn Jahren. PPAs, Batteriespeicher und flexible Beschaffung seien Differenzierungsmerkmale für Geschäftskunden, so Beck.

Die Süwag ist vor kurzem auch ins Batteriespeicher-Contracting eingestiegen. "Trotz des hohen Spotpreises gibt es hier noch großes Lastverschiebungspotenzial zwischen den einzelnen Stunden", so Beck weiter. Der Energiespeicher könne sich so komplett aus der Verschiebung der Lastspitzen finanzieren.

"Potenzial für dynamische Tarife wird wachsen"

Als konkretes Beispiel für intelligentes Beschaffungsmanagement nannte Beck den Energieeinkauf für über 3200 Lieferstellen des Mittelstandspools VEA & Süwag. Zwischen 1. Juli 2024 und 30. Juni 2025 habe die Süwag in 250 kleinteiligen Tranchen mit handelstäglicher Beschaffung die Energie für das Lieferjahr 2026 beschafft. Der Beschaffungspreis lag im Schnitt bei 87 Euro pro Megawattstunde, das aktuelle Marktpreisniveau für das zweite bis vierte Quartal liege hingegen bei 109 Euro pro MWh.

Risiken durch kurzfristige Preisspitzen aufgrund der aktuellen geopolitischen Entwicklungen sieht Beck indes bei den dynamischen Tarifen. Kunden, die sich für das Thema interessierten, könnten sich aktuell in einem ersten Schritt aber auch erst einmal niedrigschwellig von der Süwag die Verbraucher im Haushalt steuern lassen. Dynamische Tarife seien momentan sicher noch ein Nischenprodukt, versicherte Beck. "Das Potenzial wird aber im Rahmen des Smart-Meter-Rollout wachsen."

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