Die Wärmepumpenbranche blickt mit einer Mischung aus Vorsicht und Zuversicht auf die kommenden Jahre. Zwar blieb das Wachstum nach dem Rekordjahr 2025 zunächst moderat, doch die nun vorliegende Branchenstudie des Bundesverbands Wärmepumpe (BWP) zeigt sowohl Risiken als auch Potenziale für einen schnellen Markthochlauf.
Die Einführung des neuen Gebäudemodernisierungsgesetzes (GMG) bildet dabei den zentralen Unsicherheitsfaktor im Wärmemarkt, insbesondere wegen widersprüchlicher Signale für fossile Heizsysteme. Jedenfalls schaffen die Eckpunkte des GMG für die Branche mehr Unsicherheit als Orientierung.
Markt bleibt geprägt von Zurückhaltung
2025 wurden rund 299.000 Wärmepumpen installiert – ein Zuwachs von 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Marktanteil liegt bei 48 Prozent im gesamten Wärmeerzeugermarkt. Auch Anfang 2026 blieb die Nachfrage stabil – aber ohne den außergewöhnlichen Wachstumsschub des Vorjahres. Dieser strukturelle Durchbruch unterstreicht die Relevanz der Technologie, heißt es beim BWP. Das stärke die Wertschöpfungskette von Industrie, Handwerk und Energieversorgern, die mittlerweile etwa 100.000 Beschäftigte umfasst. Die installierten Wärmepumpen ersetzen nach Verbandsangaben jährlich etwa 25 Terawattstunden Erdgas und Heizöl.
Trotz dieser Dynamik bleibt der Heizungsmarkt stark von Zurückhaltung geprägt, sagt BWP-Geschäftsführer Martin Sabel. Die Eckpunkte des GMG heben die bisherige 65‑Prozent‑Regel auf und erlauben den Einbau neuer Gas- und Ölheizungen – wenn auch mit wachsenden Anforderungen an klimafreundliche Brennstoffe. Für viele Eigentümer schaffe dies neue Unsicherheiten. Die Verfügbarkeit von Biogas und Bioöl sei begrenzt, was langfristig zu erheblichen Preissteigerungen führen könnte. Die Studie betont deshalb, dass das GMG ohne einen deutlichen Rückgang fossiler Heizungen und eine starke Ausweitung der Wärmepumpen kaum umsetzbar sein wird.
Als stabilisierender Faktor erweist sich dagegen aus Branchensicht die Heizungsförderung im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). 2025 flossen Fördermittel für 330.000 neue Wärmeerzeuger, darunter 288.000 Wärmepumpen. Jeder Förder-Euro löste laut Evaluierung nahezu das Vierfache an Investitionen aus.
Systemwechsel würde den Markt einbrechen lassen
Der BWP mahnt, die zugesagte Finanzierung bis mindestens 2029 zu sichern, da ein Systemwechsel oder Kürzungen zu massiven Markteinbrüchen führen würden. Eine Sensitivitätsanalyse zeigt demnach: Eine pauschale Förderung statt der bisherigen Anteilsförderung könnte kurzfristig zu einem Rückgang der Wärmepumpeninstallationen um bis zu 40 Prozent führen.
Für die kommenden Jahre beschreibt die Studie zwei deutlich unterschiedliche Entwicklungspfade. Im Business‑as‑usual‑Szenario (BAU) wird für 2026 ein Absatz von rund 330.000 Wärmepumpen erwartet – ein leichter Zuwachs um rund zehn Prozent, der jedoch weit hinter den erforderlichen Größenordnungen für Klimaziele und Energieunabhängigkeit zurückbleibt. Erst in den frühen 2030er-Jahren könnten jährlich mehr als 500.000 Geräte installiert werden.
Hauptgrund für die gedämpfte Entwicklung seien die ausbleibende Senkung der Stromsteuer, steigende Netzentgelte und ein weiterhin ungelöstes Strom‑Gas‑Preisverhältnis von etwa 3:1. "Läge das Verhältnis bei 2:1, könnten wir uns Wärmepumpenförderung komplett sparen", betont Sabel.
Im ambitionierten Zielszenario dagegen steigen die Absatzzahlen deutlich schneller. Voraussetzung wären unter anderem die Senkung staatlicher Strompreisbestandteile um rund fünf Cent pro Kilowattstunde, eine konsequente Einführung des EU‑Emissionshandels für Gebäude ab 2028 sowie klar kommunizierte Wärmepläne der Kommunen. In diesem Umfeld könnte der Absatz bereits 2027 über 550.000 Wärmepumpen liegen und bis 2030 auf 900.000 Anlagen wachsen. Damit lägen die Klimaziele im Gebäudesektor in Reichweite, und die Zahl der installierten Wärmepumpen könnte bis 2030 nahezu fünf Millionen erreichen.
Große Bedeutung misst die Studie der Planungssicherheit bei. Politische Signale, die fossile Energieträger kurzfristig entlasten oder Förderkulissen infrage stellen, führen zu Investitionsaufschub und hemmen die Modernisierung. Die Branche fordert deshalb eine verlässliche Energiepreisarchitektur, kontinuierliche Förderung und klare Aussagen zu Wärmeinfrastrukturen. Nur unter diesen Bedingungen könne die Wärmepumpe ihr wirtschaftliches und klimapolitisches Potenzial vollständig entfalten.
Belastung sogar für die Fernwärme
Und da zeigt sich, dass die Diskussion um die 65-Prozent-Regel, die sich eigentlich um fossile Heizungen dreht, auch die Fernwärme belastet. Björn Schreinermacher vom BWP berichtet über "ein ganz hohes Maß an Planungsunsicherheit" für den Bereich Großwärmepumpen. "Das Problem ist natürlich, dass jetzt überall wieder die Frage aufkommt, ob Verbraucher nicht noch einmal eine Gas- oder Ölheizung installieren – und zwar auch dort, wo die Versorger eigentlich auf Fernwärme umstellen wollen oder eigentlich das Gasnetz rückbauen wollen." Man wisse als Energieversorger nicht mehr, wo in den kommenden Jahren plötzlich neue Gas- oder Ölheizungen auftauchen und wo eher in Richtung Wärmepumpe umgestellt wird. Das könne ein ziemliches Mischmasch in den Versorgungsgebieten darstellen "und der Unsicherheitsgrad für Versorger ist mindestens genauso groß wie für unsere Branche", so Schreinermacher.






