Nach Aussagen von Red Bull und Rauch sind für die neue Dosenfabrik Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe geplant.

Nach Aussagen von Red Bull und Rauch sind für die neue Dosenfabrik Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe geplant.

Bild: © Jan Woitas/dpa

Die Landesregierung feierte die Übernahme als Erfolgsgeschichte: Die österreichischen Unternehmen Red Bull und Rauch kauften 2023 den auf der Kippe stehende Getränkeabfüller Urstromquelle im brandenburgischen Baruth/Mark. Doch die Pläne sind umstritten.

Gegner fordern: "Unser Wasser gehört uns – stoppt Red Bull in Brandenburg". Ein Streit ums Wasser begleitete schon die Ansiedlung des E-Autobauers Tesla in Grünheide. In Baruth kündigte die Protestinitiative nun an, eine Klage zu prüfen.

Die Unternehmen Rauch und Red Bull wollen ihre Getränkeproduktion rund 50 Kilometer südlich von Berlin ausbauen und ein eigenes Dosenwerk errichten. Peter Ilk, parteiloser Bürgermeister der brandenburgischen Kleinstadt, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Jetzt steht ein bekannter Name am Hoftor und alle regen sich auf." Er sei stolz darauf, dass die Arbeitsplätze gesichert werden konnten.

Bürgerinitiative befürchtet Wasserknappheit

Eine Bürgerinitiative befürchtet, dass die Wasserknappheit im trockenen Süden Brandenburgs durch die Wasserförderung für die Getränkeindustrie zunimmt. Die Gruppe startete eine Protestpetition. Auch eine Klage einer Privatperson ist vor Monaten beim Verwaltungsgericht Potsdam eingegangen, um Auskunft über die vereinbarte Wasser-Fördermenge und den Preis zu erhalten.

Der Fruchtsäfte-Hersteller Rauch und der Energy-Drink-Produzent Red Bull sprechen von einem geplanten Produktionscampus und einer Investition in dreistelliger Millionenhöhe. Die Baugenehmigung dafür steht noch aus.

Projektkoordinator Björn Hofbauer sagte im Gespräch mit der dpa: "Ich bin zuversichtlich, dass wir demnächst die nächsten Schritte machen können." Ab Mitte 2026 sei der Baubeginn für das Aluminiumdosen-Werk geplant. Die Zahl der Mitarbeiter – derzeit seien es 240 – solle künftig auf rund 600 steigen.

Streit um den Wasserverbrauch

Den anhaltenden Protest können die Unternehmen nicht nachvollziehen. "Künftig wird nicht mehr Wasser verbraucht als zuvor bei der Brandenburger Urstromquelle", versicherte Projektkoordinator Hofbauer. Es dürften pro Tag insgesamt 7000 Kubikmeter Wasser entnommen werden – je nach Bedarf 500 für die Bevölkerung und bis zu 6500 für das Werk.

"Wir bleiben innerhalb der genehmigten Entnahmemenge und werden sie unterschreiten. Durch neue Produktionsprozesse sind wir effizienter und vermeiden zusätzlichen Frischwasserbedarf", so Hofbauer. Wie viel Wasser derzeit entnommen wird, soll nicht offengelegt werden.

"Die Verträge sind bilaterale Vereinbarungen zwischen zwei Vertragsparteien und insofern werden vertrauliche Informationen nicht öffentlich gemacht", sagte Ilk, der seit mehr als 20 Jahren Bürgermeister in Baruth mit rund 4200 Einwohnern ist.

"Die Verträge sind mehrheitlich durch die Stadtverordnetenversammlung beschlossen worden. Die vereinbarten Wassermengen sind seit Jahren stabil und werden nicht erhöht." Die Versorgung der Bevölkerung habe außerdem immer Vorrang.

Ein erhöhtes Risiko der Wasserknappheit und eine Austrocknung der Wälder sieht der Bürgermeister nicht: "Von den Hängen des Niederen Flämings fließt ein mächtiger unterirdischer Wasserstrom in das Urstromtal, welchen wir über den zweiten Grundwasserleiter für die Versorgung der Bevölkerung und der Industrie nutzen."

Das Wasser wird sozusagen aus tieferen Schichten unterhalb des oberflächennahen Grundwasservorkommens entnommen – laut Projektkoordinator Hofbauer aus einer Tiefe von mehr als 50 Metern.

Initiative prüft rechtliche Schritte

Die Initiative "Ressourcenbündnis Baruth" will das Verfahren rund um Red Bull jetzt aber juristisch prüfen lassen und ist skeptisch, ob Umweltbelange ausreichend berücksichtigt wurden. Die Industrieanlagen liegen im Wasserschutzgebiet.

Mehr als 25.000 Unterschriften für eine Petition gegen die Erweiterungspläne sind zusammengekommen. Die Protestgruppe fragt im Internet "Was geschieht in Dürrezeiten?" und fordert ein neues hydrologisches Gutachten.

Das Bündnis beklagt, dass Red Bull etwa 2,4 Millionen Kubikmeter Wasser jährlich nutzen dürfe. Für den Autobauer Tesla in Grünheide war laut Umweltbericht des Unternehmens vertraglich geregelt, dass jährlich maximal 1,8 Millionen Kubikmeter (Stand 2024) entnommen werden können.

Für den Bau des geplanten Werks für Red-Bull-Dosen müssen zudem rund 17 Hektar Kiefernforst gerodet werden. Bei Tesla hatten Umweltaktivisten einen Wald monatelang besetzt, um gegen die Abholzung zu protestieren. (dpa/hp)

Mehr zum Thema aus dem ZfK-Archiv:

Wasserversorger sieht Kompromiss im Streit mit Tesla

Mineralwasser: Konzerne und Behörden sehen Ressourcen nicht gefährdet

Landratsamt will Wasserrechte bis 2026 neu vergeben

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper