Emotet kann weitere Schadsoftware nachladen. Sobald es einen Computer infiziert hat, sind die Angreifer in der Lage, Zugangsdaten auszulesen und per Remote vollständig Zugriff auf das System zu erlangen.

Emotet kann weitere Schadsoftware nachladen. Sobald es einen Computer infiziert hat, sind die Angreifer in der Lage, Zugangsdaten auszulesen und per Remote vollständig Zugriff auf das System zu erlangen.

Bild: © kaptn/AdobeStock

im Zusammenhang mit der russischen Invasion in die Ukraine steigt auch in Deutschland die Sorge wegen möglicher Cyberattacken gegen kritische Infrastrukturen. „Attacken auf die digitale Infrastruktur durch kriminelle oder staatliche Organisationen bedrohen nicht nur den Wohlstand und die Sicherheit unserer Gesellschaft, sondern auch die Freiheit und Demokratie“, warnt Professor Jörn Müller-Quade vom KASTEL — Institut für Informationssicherheit und Verlässlichkeit des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).
 
Cybersicherheitsexperten wie Müller-Quade bemängeln schon lange, dass Firmen, öffentliche Einrichtungen und Institutionen nicht gut auf digitale Bedrohungen vorbereitet seien. Im Gegenteil: „Wir müssen jetzt dringend mehrstufige Sicherheitskonzepte für kritische Infrastrukturen erarbeiten, die insbesondere auch analoge Notfallpläne haben.“

Der Ausfall der Fernsteuerung tausender Windräder in der vergangenen Woche mache hellhörig. Der ganz große Angriff im Cyberkrieg könnte dennoch ausbleiben, glaubt er. „Der große Knall ist nicht immer das Ziel, insbesondere weil dieser sofort bemerkt wird und Gegenmaßnahmen auslöst.“ Tatsächlich liefen viele Angriffe im Hintergrund, etwa um Ziele ausspähen, um später größere Attacken vorzubereiten.
 
 
 


Abhängig von Herstellern aus Drittländern

Darüber hinaus bemängelt Müller-Quade vor allem die hohe Abhängigkeit Europas von Soft- und Hardware aus Herstellung in Drittländern. „Deren Schwachstellen können wir nur bedingt durchschauen, weil wir die Quellcodes nicht kennen!“ Ein Mittel, um die digitale Souveränität zu gewährleisten, sieht der Experte darin, mehr eigene stabile Software in Europa zu produzieren. Müller-Quade setzt dabei auf das Open-Source-Prinzip, also Software, deren Quellcode frei einsehbar ist, also kollektiv verändert werden kann.
 
Den Aufbau einer Cyberarmee, wie er im Zuge der geplanten 100-Milliarden-Euro-Investition in die Bundeswehr debattiert wird, sieht Müller-Quade nicht als große Priorität. „Die IT-Sicherheit muss besser werden, damit wir gar nicht erst mit großen Schäden rechnen müssen, dieser Schutz scheint mir vordringlicher als der Aufbau einer Cyberarmee. Ich würde hier im übertragenen Sinne also hauptsächlich in Festungen investieren und nicht in Kanonen. Es geht darum, dass wichtige Einrichtungen auch dann noch funktionieren, wenn IT-Systeme versagen.“

Acht von zehn Digitalunternehmen erwarten verschärfte Bedrohungslage

Die deutschen Digitalunternehmen rechnen damit, dass die Auswirkungen der Ukraine-Krise auch hierzulande zu spüren sein werden. Zwei Drittel (67 Prozent) gehen davon aus, dass sich die Bedrohungslage im Cyberraum verschärfen wird. Weitere 17 Prozent sehen sogar bereits konkrete Anzeichen dafür. Jedes dritte Unternehmen (34 Prozent) hat seine IT-Schutzmaßnahmen kurzfristig hochgefahren. Das sind Ergebnisse einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom, an der sich 100 Unternehmen der Digitalbranche beteiligt haben.

„Alle Unternehmen sollten unbedingt ihren Schutz vor Cyberangriffen prüfen und wo nötig verstärken. Es ist kein Geheimnis, dass Russland und mit staatlichen Stellen verbundene Gruppierungen über entsprechende Fähigkeiten verfügen“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. „Angesichts der dynamischen Entwicklung rund um den Krieg gegen die Ukraine sollten Unternehmen die Risiken definitiv ernst nehmen und die eigene Cyberresilienz stärken."

Jedes dritte Digital-Unternehmen verschärft seine IT-Sicherheitsmaßnahmen

Und weiter: "Zudem sollten die unverändert bestehenden Gefahren, die von Cyberkriminellen aus aller Welt ausgehen, nicht vernachlässigt werden. Vor dem Hintergrund des Ukrainekriegs werden kriminelle Trittbrettfahrer versuchen, die ‘Gunst der Stunde‘ auszunutzen und sich zum Beispiel auch als vermeintliche Helfer in der Not anbieten.“

Bislang hat jedes dritte Unternehmen aus der Digitalbranche (34 Prozent) aufgrund des Krieges seine IT-Sicherheitsmaßnahmen verschärft, weitere sieben Prozent haben das fest geplant. In drei von zehn Unternehmen (30 Prozent) wird noch darüber diskutiert – und rund jedes Vierte (23 Prozent) sieht für zusätzliche IT-Sicherheit keinen Bedarf.

Weitere Maßnahmen

Als Reaktion auf den Ukraine-Krieg hat jedes dritte Unternehmen (33 Prozent) einen Krisenstab eingerichtet oder klare Verantwortungen im Unternehmen dafür geschaffen. Dabei liegt die Verantwortung zumeist bei der Geschäftsführung oder dem Vorstand (22 Prozent), seltener bei einem anderen Unternehmensbereich (elf Prozent).

Der Digitalverband hat dazu fünf Maßnahmen zusammengestellt, die jedes Unternehmen jetzt dringend angehen sollte, um sich besser vor einem möglichen Cyberangriff zu schützen:

  1. Risiken und Auswirkungen von Cyberangriffen minimieren
  2. Verantwortlichkeiten klar definieren
  3. Beschäftigte sensibilisieren
  4. Notfallplan erstellen
  5. Informationen offizieller Stellen beobachten (sg)
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