Gas

Erdgas Südwest auf grünem Kurs

Silphien, Biogas und Photovoltaik säumen den Weg in die Zukunft. Der Energiedienstleister Erdgas Südwest will "biotark", also autark und ressourcenschonend in die Energiezukunft steuern.
26.10.2018

Gemeinsam hat das Team um Hans-Martin Flinspach, Kreisökologe und Vorsitzender der Streuobstinitiative im Stadt- und Landkreis Karlsruhe (1. von links), und Frank Dochat, Leiter des städtischen Bauhofs (1. von rechts), mit Erdgas Südwest 21 neue Bäume in Nordbaden gepflanzt.

Nachhaltigkeit, grüne Energie, Dekarbonisierung: Der Verbraucher will es, die Politik will es – die Branche muss liefern. Der Strom- und Gasanbieter Erdgas Südwest setzt schon seit vielen Jahren konsequent auf einen nachhaltigen Kurs und die stete Weiterentwicklung von Projekten im Bereich der erneuerbaren Energien. Um den Wünschen von Bundesregierung und Kunden gerecht zu werden, braucht es jedoch mehr, als nur ein paar neue Solarpanels oder Windkraftanlagen: Es braucht Ideen. Denn bis heute stellt die Speicherung erneuerbarer Energie eine große Herausforderung dar.

Biohybrid als Speicher für erneuerbare Energie

Eine der Lösungen zur Speicherung grüner Energie soll die erste Biohybrid-Speicheranlage Deutschlands werden, die Erdgas Südwest derzeit plant. Gibt es vorübergehend zu viel Strom aus erneuerbaren Energiequellen wie Photovoltaik und Windkraft, dann wird dieser sinnvoll in der Anlage genutzt: Mit dem Überschuss wird Biogas zu Biomethan aufbereitet und verflüssigt. So wird die sonst so volatile grüne Energie zeit-, orts- und infrastrukturunabhängig nutzbar gemacht. Das entstehende Bio-LNG, also flüssiges Biomethan, ist vielseitig einsetzbar. Mit dem Umstieg auf diesen Biokraftstoff zum Beispiel beim öffentlichen Personennahverkehr und kommunalen Nutzfahrzeugen oder der Binnenschifffahrt könnte der CO2-Ausstoß im Verkehrssektor kostengünstig und schnell deutlich gesenkt werden.

Biogas & Co. als Teil des Energiemix der Zukunft

Bereits vor zehn Jahren ist Erdgas Südwest ins Geschäft mit den grünen Gasen eingestiegen – mit einer modernen Biogasaufbereitungsanlage. Früh beschäftigte sich Erdgas Südwest mit alternativen Energiepflanzen. Die Silphienergie GmbH im oberschwäbischen Ostrach, an der die Erdgas Südwest GmbH zu 40 Prozent beteiligt ist, vermarktet Energie, die aus einer solchen alternativen Energiepflanze gewonnen wird: aus der Becherpflanze Durchwachsene Silphie. Unter dem Markennamen Donausilphie werden das Saatgut und die spezielle Anbautechnik von den Experten des beteiligten Energieparks Hahnennest in Zusammenarbeit mit der Metzler & Brodmann Saaten GmbH stetig weiterentwickelt. Die gelb blühende, bis zu 3,50 Meter hohe Energiepflanze eignet sich wegen ihrer Eigenschaften besonders gut für die Biogasproduktion.

Seit diesem Jahr ist die Pflanze sogar greeningfähig. Das bedeutet, dass ein landwirtschaftlicher Betrieb die Fläche, die mit der Durchwachsenen Silphie bepflanzt wird, als ökologische Vorrangfläche anrechnen lassen kann. So ist die Pflanze zum Beispiel auch auf landwirtschaftlichen Schonstreifen zugelassen. Die Durchwachsene Silphie ist auch für Kommunen interessant, weil sie für Klimaschutz, Bodenschutz und Bodenverbesserung durch Humusaufbau sowie Trinkwasserschutz durch weniger Nitratauswaschung steht. So können Ökopunkte generiert und Ausgleichsflächen geschaffen werden.

Mit dem Erwerb der BMP Greengas GmbH mit Sitz in München hat Erdgas Südwest für sich eine Ausgangslage geschaffen, um Projekte im Bereich der grünen Gase voranzubringen. Denn Biogas & Co., zu denen auch das synthetisch mit Power-to-Gas-Anlagen gewonnene SNG gehört, gewinnen an Bedeutung für das Gelingen der Energiewende.

Solarparks auf Konversionsflächen und Baggerseen

Zur Energiewende beitragen werden auch kommunale Solar-Projekte – und zwar auf ohnehin brach liegenden Flächen. Mit dem Solarpark in Malsch bei Karlsruhe hat sich beispielsweise während der vergangenen zwölf Monate auf dem Gelände einer ehemaligen Deponie gezeigt, dass die intelligente Nutzung von Konversionsflächen die Energiewende vor der eigenen Haustür in großen Schritten voranbringen kann. Ähnlich wie bei einem weiteren aktuellen Projekt: dem ersten schwimmenden Solarpark auf einem Baggersee in der Pfalz. Rund 10 000 Solarpanels werden auf speziellen Vorrichtungen auf dem Wasser schwimmen und schon bald grünen, regionalen Strom in der südpfälzischen Gemeinde Leimersheim erzeugen. Ein weiterer Baggersee in Mittelbaden wird bald ebenfalls mit Solarpanels ausgestattet. Ein visionäres Projekt – denn der Betreiber des dortigen Kieswerks will seinen gesamten Strombedarf über die Solarpanels decken und sich so unabhängig machen.

Den grünen Gedanken leben

Genau solche Projekte, die auf Autarkie abzielen, sind eine Leidenschaft für Geschäftsführer Ralf Biehl. „Die Energiewende aktiv mit umzusetzen sehen wir als unseren Auftrag an – besonders dort, wo wir arbeiten, wohnen und leben. Daher unterstützen wir die Menschen hier bei der ökologischen Energiegewinnung und schaffen damit die Voraussetzung für eine umweltfreundliche Energieversorgung der Zukunft.“

Biehl legt Wert darauf, auch seine Mitarbeiter in Projekte einzubeziehen, mit denen sich das Unternehmen jenseits des eigentlichen Kerngeschäfts in der Region engagiert: Über die Initiative Pro Natur bringt Erdgas Südwest sich in Oberschwaben und Nordbaden mit Baumpflanzaktionen, Baumschnittkursen und Umweltbildung an Schulen und Kindergärten ein. Zwei Stellen für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) wurden eigens dafür im Unternehmen geschaffen. Wildbienenhotels stehen vor den Türen in Ettlingen und Munderkingen, und mit Saatgut für Blühwiesen engagiert sich Erdgas Südwest unter der Überschrift „BlühOase“ auch für die Artenvielfalt in umliegenden Städten und Gemeinden.

Es ist das ganzheitliche grüne Konzept, das so auch nach außen sichtbar machen soll, was innerhalb der gesamten Energiebranche immer drängender zum Thema wird: Ausbau der erneuerbaren Energien und deren Speicherung, schnelle Dekarbonisierung und Konzepte für eine Zukunft, die auf fossile Brennstoffe irgendwann gänzlich verzichten kann. (Susanne Garcia)