Der Füllstand in Deutschlands Gasspeichern ging diese Woche nur noch gering nach oben. Am Mittwoch kamen 0,05 Prozentpunkte oder rund 120 GWh netto dazu.
Dabei standen Einspeicherungen von 500 GWh Ausspeicherungen von 380 TWh gegenüber. Die Ausspeichermengen entsprachen dem höchsten Wert seit 21. Juli, als Speichergroßkunde Uniper wegen unternehmerischer Zwänge im großen Stil ausspeisen musste.
95-Prozent-Ziel
Insgesamt sind die deutschen Speicher derzeit im Schnitt zu gut 91 Prozent gefüllt. Das 85-Prozent-Speicherziel für den 1. Oktober wurde schon Wochen zuvor erreicht.
Ob die für den 1. November vorgegebenen 95 Prozent hingegen erfüllt werden können, sieht der Gasspeicherverband Ines skeptisch. "Die steigenden Gasverbräuche aufgrund fallender Temperaturen reduzieren zunehmend die Einspeichermöglichkeiten", sagte Sebastian Bleschke, Geschäftsführer des Speicherbetreiberverbandes Initiative Energien Speichern (Ines).
Rehden und Wolfersberg
Für die Speicher Rehden in Niedersachsen und Wolfersberg in Bayern sei absehbar, dass zum Stichtag die 95 Prozent nicht erreicht werden könnten. "Um höhere Füllstände sicherzustellen, hätte THE als alleiniger Nutzer dieser Speicher die zur Verfügung gestellten technischen Einspeichermöglichkeiten schon in den vergangenen Monaten stärker ausnutzen müssen."
Rehden wies Mitte der Woche einen Füllstand von 77 Prozent auf, Wolfersberg lag bei 81 Prozent. Bei beiden Anlagen handelt es sich um Porenspeicher, die sich langsamer befüllen lassen als Kavernenspeicher.
Unsicherheiten bei LNG und Gasverbrauch
Die insgesamt hohen Füllstände bedeuten für Bleschke noch keine Entwarnung für den Winter. "Aufgrund der weiterhin stark reduzierten Importmöglichkeiten für Gas muss davon ausgegangen werden, dass die Gasspeicher im Winter bereits früher als sonst und deutlich stärker zur Versorgung eingesetzt werden."
Ob die Reserven ausreichten, werde stark davon abhängen, in welchem Umfang private Haushalte ihren Verbrauch senken würden und Flüssigerdgas importiert werden könne. "Damit steht und fällt letztlich auch die Möglichkeit, die Füllstandsvorgabe von 40 Prozent am 1. Februar 2023 einhalten zu können."
"März kann sehr kalt werden"
Dabei hält Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, das Februar-Ziel für zentral. "Erstens kann es auch im Februar und März noch sehr kalt werden und zweitens müssen die Speicher für den Winter 2023/2024 auch wieder aufgefüllt werden", sagte er.
"Das kann schwieriger werden angesichts der dann fehlenden russischen Gasmengen, die uns in diesem Sommer bei der Befüllung der Speicher noch sehr geholfen haben."
"Keine ausreichenden Marktsignale"
Besorgt äußerte sich auf der Gas-Jahrestagung des Handelsblatts auch Catherine Gras, Geschäftsführerin des Speicherbetreibers Storengy Deutschland. Mit Blick auf die Gaspreise für Sommer 2023 und Winter 2023/24 mahnte sie, dass der Markt "keine ausreichenden Signale" für eine Wiederbefüllung geben werde.
Sie schlug vor, das Speicheranreizprodukt SSBO, anders als dieses Jahr, schon deutlich früher als Mai oder Juni anzubieten. Einspeicherungen durch den Marktgebietsverantwortlichen THE sollten lediglich als "allerletzte Möglichkeit" in Betracht gezogen werden.
THE im Fokus
THE-Geschäftsführer Torsten Frank hatte sich daraufhin offen gezeigt, SSBO-Auktionen vorzuziehen, plädierte aber dafür, erst den Verlauf dieses Winters abzuwarten. Zugleich sagte er, dass sein Unternehmen "nicht scharf darauf" sei, auch im nächsten Jahr wieder so viel Gas einzuspeichern wie diesen Sommer.
Im Auftrag der Bundesregierung hatte THE die Befüllung mehrerer Gasspeicher wie Rehden, Wolfersberg, aber auch Peißen und Jemgum übernommen, die zum damaligen Zeitpunkt die Speicherziele nicht mehr anderweitig zu erfüllen drohten.
Preistreiber THE
Massive THE-Gaseinkäufe hatten im Sommer wesentlich dazu beigetragen, dass die Gas-Großhandelspreise auf schwindelerregende Höhen kletterten. Ende August kostete eine Megawattstunde Gas am niederländischen Handelspunkt TTF bis zu 350 Euro. Zum Vergleich: Am Freitag lag der Kurs bei 189 Euro pro MWh. (aba/dpa)



