Die Gasversorgung Süddeutschland (GVS) hat drei Wettbewerber aus der Branche dazu gewonnen, bei ihrer Idee einer Ausschreibungsplattform namens "Tender365" mitzumachen. Dies sagte GVS-Chef Michael Rimmler in der gedruckten ZfK-Ausgabe, die am Montag erscheint.
Große Strom- und Gaslieferanten digitalisieren derzeit mit unterschiedlichem Tempo ihr Stadtwerke- und Industriegeschäft in Kundenportalen. Der Vorteil für die Stadtwerke ist, dass sie ständig von ihrem Lieferanten einen marktnahen Preis erfragen und abschließen können, auch für Nichtstandardlieferungen, und die Geschäfte mehr oder weniger digital mit geringen Personalkosten angebahnt und abgewickelt werden.
Künftige Konkurrenz zu Enmacc
Der Nachteil ist allerdings, dass auf diesen Portalen immer nur der betreffende Vorlieferant Mengen anbietet. Seine Wettbewerber dürfen oder wollen nicht auf das Portal.
Diesen Nachteil hat die wagniskapitalfinanzierte Plattform für bilateralen Strom- und Gashandel, Enmacc, nicht. Sie hat Dutzende Anbieter und Nachfrager angezogen. Die GVS aber ist der Meinung, es solle eine Lösung "von der Branche für die Branche" geben. Das ist das Projekt "Tender 365".
"Wir nehmen Minderheitenposition bewusst in Kauf"
GVS-Chef Rimmler sagte der ZfK wörtlich: "Wir starten den Livebetrieb von »Tender365« nach Prüfung durch das Kartellamt; zunächst – aus heutiger Sicht – mit voraussichtlich vier Gesellschaftern." Wer die anderen Branchengrößen außer der GVS sind, verriet er wegen der laufenden amtlichen Prüfung nicht.
Abteilungsleiter Helmut Kusterer ergänzte, in einem nicht näher bezeichneten Zeitfenster würden dazustoßende Branchenunternehmen noch wie Gründungsgesellschafter behandelt. Die GVS habe im Sinne des Plattformgedankens bewusst in Kauf genommen, zum Minderheitsgesellschafter zu werden. Sie habe auch keine goldene Stimme. (geo)



