Das Bundesforschungsministerium macht Druck, dass eine ambitionierte nationale Wasserstrategie endlich auf den Weg kommt.

Das Bundesforschungsministerium macht Druck, dass eine ambitionierte nationale Wasserstrategie endlich auf den Weg kommt.

Bild: © Thomas/AdobeStock

Die in der Nationalen Wasserstoffstrategie gebündelten Pläne der Bundesregierung haben großes Potenzial. Zugleich hängt der Erfolg der Umsetzung aber stark von Faktoren wie dem Aufbau der notwendigen Infra- und Marktstrukturen für Wasserstoff ab. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Management- und Technologieberatung BearingPoint und des Handelsblatt Research Institutes. Diese beleuchtet die Herausforderungen, Risiken und Chancen der ambitionierten Wasserstoff-Pläne der Bundesregierung.

Die Autoren sehen eine große Chance für Deutschland, mit Wasserstoff die eigenen Klimaziele zu erreichen und weltweit zur Nummer 1 im Ausrüstungsgeschäft mit Wasserstofftechnologien zu werden. In ihrer Studie bewerten sie die Wasserstoffstrategie der Bundesregierung daher insgesamt positiv, sehen aber wichtige Bereiche zur Umsetzung der darin formulierten Ziele kritisch - vor allem, wenn es um den gesamten Bereich der Marktbedingungen für Wasserstoff geht.

Umfangreiche Anpassungen nötig

Denn um Unternehmen einen passenden Handlungsrahmen für Investitionen zu geben, bräuchte es, so die Studie, vor allem Anpassungen im regulatorischen und rechtlichen Bereich - beispielsweise hinsichtlich der Bundesnetzagentur, des Energiewirtschaftsgesetzes und des Netzentwicklungsplans. Nur damit könnten Unternehmen ihre Geschäftsmodelle rund um das Thema Wasserstoff auch marktfähig entwickeln, heißt es in der Studie.

Die Anwendungsgebiete für Wasserstoff seien vielfältig und umfassten alle Sektoren, in denen fossile Brennstoffe genutzt werden. Zu den relevantesten Branchen gehören laut der Analyse dabei die Energiewirtschaft und die Automobilindustrie.

Henne-Ei-Problem

Marion Schulte, Partner im Segment Utilities bei BearingPoint, sieht bei dem Zukunftsthema auch den Staat in der Pflicht.: Die größte Hürde beim Wasserstoff sei der Ausbau der Infrastruktur sowohl für den Transport als auch die Distribution an den Endverbraucher. „Einerseits zögern die Fahrzeughersteller in die Herstellung von Brennstoffzellenfahrzeugen zu investieren, ohne dass eine ausreichende Anzahl an Wasserstofftankstellen existiert. Auf der anderen Seite sind Energie- und Industriegasunternehmen nicht bereit, die notwendige Infrastruktur für Wasserstoff aufzubauen, bevor Brennstoffzellenfahrzeuge kommerziell genutzt werden. Diesen Teufelskreis kann nur der Staat mit entsprechenden Initiativen durchbrechen.“ Wichtig sei daher die Entwicklung und Umsetzung neuer Mobilitätskonzepte und Geschäftsmodelle." Hierbei komme es auch darauf an, die Auswirkungen eines Wasserstoffmarktes auf die Strategie der Elektromobilität zu beachten und diese in Einklang zu bringen.

Förderung aufstocken

Die Studie betont darüber hinaus, dass für die Entstehung eines Wasserstoffmarktes die finanziellen Förderungen des Bundes für die Forschung im Bereich Wasserstofftechnologie alleine nicht ausreichen würden. Zwei oft übersehene Herausforderungen seien die Infrastrukturkosten und das Bezugsquellenrisiko. So sei beispielsweise das bestehende Gasnetz in Deutschland gar nicht für den Transport von Wasserstoff ausgelegt.

Ein großes Problem stellt laut BearingPoint und Handelsblatt Research Institute auch der Wirkungsgrad von grünem Wasserstoff dar. Der liege aktuell gerade einmal bei 30 Prozent. "Das ist nicht wirtschaftlich und selbst, wenn man dies tun möchte, würde selbst eine Verdoppelung der erneuerbaren Energien nach aktuellem Stand dafür nicht ausreichen", betont Sven Jung, Head of Economic Intelligence beim Handelsblatt Research Institute. Vor dem Hintergrund fehlender Flächen für einen derartigen EE-Ausbau und steigender Bürgerproteste sei dies ein eher unrealistisches Szenario. (amo)

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