Solaranlage auf einem Dach: Die EEG-Föderung unterstützt die Energiewende. (Symbolbild)

Solaranlage auf einem Dach: Die EEG-Föderung unterstützt die Energiewende. (Symbolbild)

Bild: © Monika Skolimowska/dpa

Von Andreas Baumer

Sie waren Mangelware in diesem Winter, doch jetzt, da der Himmel blau ist und die Sonne über Deutschland strahlt, kommen sie wieder zurück: die Stunden mit negativen Börsenstrompreisen.

Dabei bewegten sich die Preise zur Stromlieferung für den Folgetag (Day-Ahead) acht Kalenderwochen am Stück, jede einzelne Stunde über der Null-Euro-Schwelle. Anstelle von negativen Preisen bestimmten Dunkelflauten die Schlagzeilen. In der ersten vollen Märzwoche wurde die Serie gebrochen. Am Mittwoch ging es an drei Stunden in den Negativbereich. Am Samstag kamen zwei weitere Stunden dazu.

4,28 Euro pro Megawattstunde im Minus

Dabei fiel auch der bisherige Rekord in diesem Jahr. Am Mittwoch zwischen 13 und 14 Uhr erhielten Händler an der Kurzfristbörse Epex Spot 4,28 Euro, wenn sie eine Megawattstunde (MWh) Strom abnahmen.

An diesem Tag speisten Solaranlagen in der Spitze 39 Gigawatt (GW) ins Netz ein. Weil gleichzeitig noch ordentlich Windstrom (15 GW zur Mittagszeit) im Netz war sowie Braunkohle-, Erdgas- und Biomassekraftwerke nennenswert Strom produzierten, überstieg die Erzeugung den Verbrauch kräftig. Die Werte stammen von der Datenplattform Smard.

Insgesamt meldete Epex Spot auf ZfK-Nachfrage bis einschließlich Samstag 19 Negativstunden. Zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum waren es 20 und im Vergleichszeitraum 2023 14 Negativstunden gewesen.

Schwacher Windstrom bremst Preisverfall

Angesichts eines rasanten Solarzubaus rechnet etwa der Direktvermarkter Quadra Energy damit, dass die Zahl der negativen Strompreise über das Gesamtjahr den Rekordwert aus dem Vorjahr übertreffen wird. Auf 457 Stunden mit negativen Preisen kam Deutschland im vergangenen Jahr. Im Jahr 2023 waren es 301 Stunden gewesen und im Jahr 2022 nur 69 Stunden.

In der ersten vollen Märzwoche verhinderten überschaubare Windstrommengen, dass die Preise nicht noch weiter nach unten rauschten und sich so in den Mittagsstunden nahe der Null-Euro-Schwelle bewegten. So wurden am Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag gar keine negativen Strompreise in der Day-Ahead-Auktion bezuschlagt.

Extreme Preisschwankungen

Die Mittagstiefs trugen dazu bei, dass sich die Day-Ahead-Tageswerte vom Februarhoch erholten und unter die 100-Euro-Marke sanken. Am Donnerstag meldete Epex Spot einen Tageswert von 90 Euro pro MWh. Am Samstag waren es 91 Euro pro MWh.

Dies zeigt, dass die Strompreise tagsüber noch extrem schwanken. Beispiel Samstag: Zwischen 12 und 13 Uhr bekamen Händler 34 Cent pro MWh, wenn sie Strom abnahmen. Zwischen 18 und 19 Uhr mussten sie dann wieder 174 Euro pro MWh zahlen.

Ein Grund dafür ist, dass gerade am Morgen und am Abend, wenn der Stromverbrauch hoch ist, die Sonne aber nicht scheint, Kohle- und Gaskraftwerke die Lücke füllen. Die im Vergleich zu früher noch immer hohen Gaspreise treiben dann auch den Strompreis.

Deutschland ist dabei keine Ausnahme in Europa. Am Samstag wiesen etwa Dänemark und Polen vergleichbare untertägige Preisspannen in der Day-Ahead-Auktion auf. In Belgien gingen die Preise in einer Stunde sogar bis sechs Euro pro MWh ins Minus. Und in einer der schwedischen Strompreiszonen (SE 2) waren am Samstag sogar 11 von 24 Stunden negativ.

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