V.l.: Peter Rüth (CFO, Amprion), Markus Krebber (CEO, RWE), Torben Schuster (Head of Energy Transition & Utilities, Capgemini Invent) und Anne Bendzulla (COO, Enertrag).

V.l.: Peter Rüth (CFO, Amprion), Markus Krebber (CEO, RWE), Torben Schuster (Head of Energy Transition & Utilities, Capgemini Invent) und Anne Bendzulla (COO, Enertrag).

Bild: © ZFK/dz

Ein Kapazitätsmarkt soll ab 2032 die Energieversorgung Deutschlands absichern. Unklar ist noch, wie genau. Dass es aber einen Mechanismus geben wird, begrüßte die Branche beim 15. "Führungstreffen Energie" im Vorfeld der Messe "E-World" in Essen.

Für Verunsicherung unter den Vertreterinnen und Vertretern aus Energiewirtschaft, Industrie, Politik und Wissenschaft sorgte am 9. Februar 2026 dagegen ein kurz zuvor geleakter Gesetzentwurf zum Netzanschluss von erneuerbaren Energien.

Kapazitätsmarkt zügig ausgestalten

RWE-Chef Markus Krebber sei froh, "dass wir einen Kapazitätsmarkt bekommen". Der Vorstandsvorsitzende warb dafür, diesen nun zügig auszugestalten. Hier hat sich das Bundeswirtschaftsministerium noch nicht festgelegt.

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, hat kürzlich angedeutet, dass es auf einen zentralen Kapazitätsmarkt nach dem Vorbild Belgiens hinauslaufen könnte.

Neue Gaskraftwerke bis 2030 "realistisch"

Krebber hält es darüber hinaus für sicher, dass erste neu zu errichtende Gaskraftwerke vorher, das heißt bis 2030, ans Netz gehen. "Ja, ich glaube das ist realistisch", so der RWE-Chef. Dass es neue Kraftwerke geben werde, sei länger bekannt. Entsprechend liefen bereits interne Planungen.

Als Sicherheitsreserve könnten theoretisch auch Kohlekraftwerke infrage kommen. Dies sei eine Abwägungsfrage, sagte er. Eine andere, wie wahrscheinlich ein solches Szenario überhaupt sei.

Rolle von Wasserstoff schrumpft

Die Bundesregierung möchte noch dieses Jahr im Rahmen der sogenannten Kraftwerksstrategie neue Gaskraftwerke ausschreiben. Nach derzeitigen Plänen sollen insgesamt zwölf Gigawatt Leistung ausgeschrieben werden.

Die ursprüngliche Vorgabe, dass die meisten davon in Zukunft noch vor 2045 mit Wasserstoff betrieben werden sollen, hat der Bund nun deutlich abgeschwächt.

Netzanschlüsse: "Thema der Zukunft"

Aus Krebbers Sicht wird "das Thema der Zukunft" ohnehin der Netzausbau sein. Dabei verwies er auf die aktuell vielen anhängigen Anträge auf Netzanschluss, zum Beispiel für Batteriespeicher.

Ein Thema, das auch der geleakte Gesetzentwurf mit dem Titel "Netzanschlusspaket" adressiert. Dieser zielt im Kern darauf ab, dass der Erneuerbarenausbau künftig dem Netzausbau folgen soll. Einige Akteure sehen darin einen Vorstoß, die Energiewende auszubremsen.

Was soll ein Behördenleiter dazu sagen? Es ist Aufgabe der Politik, ein Gesetz zu beschließen. Wir als Behörde haben den Auftrag, dieses dann umzusetzen.

Darauf angesprochen, blieb Bundesnetzagentur-Chef Müller schmallippig: "Was soll ein Behördenleiter dazu sagen? Es ist Aufgabe der Politik, ein Gesetz zu beschließen. Wir als Behörde haben den Auftrag, dieses dann umzusetzen", sagte Müller.

Zugleich arbeitet die Bundesnetzagentur derzeit an einer Reform der Netzentgelte, durch die insbesondere die Kosten, wie es heißt, gerechter verteilt werden sollen – der "Allgemeinen Netzentgeltsystematik Strom" (Agnes).

Unter anderem sollen sogenannte Prosumer sowie die steigende Zahl an Batteriespeichern "angemessen beteiligt" werden, bekräftigte der Behördenchef in Essen. Dafür erntete er bereits Kritik seitens der Branche.

Agnes-Abschluss "bis Ende des Jahres"

Dennoch hoffe er auf eine "gute Konsultation", um den Prozess "bis Ende dieses Jahres" zu beenden, so Müller. Dass hier und bei dem Netzausbau-Leak das letzte Wort noch nicht gesprochen ist, dürfte klar sein.

Auch BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae kündigte an, notfalls "auf die Barrikaden" zu gehen. Allein schon deshalb, weil das geleakte Papier nicht ausreichend Konsultationszeit vorsehe – laut Andreae nur vier Tage. "Es ist nicht das erste Mal, dass wir Gesetzentwürfe freitagabends in der Inbox haben und Montagmorgen unsere Antwort vorliegen muss."

Regierung gibt schlechtes Bild ab

Dies sei nicht nur kaum zu schaffen, sondern gebe auch ein schlechtes Bild der Regierung ab. Denn durch die kurze Frist höre diese nicht, was die Bandbreite der Branche möchte, kritisiert die BDEW-Chefin.

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