Von Julian Korb
Die Hälfte ist geschafft. Etwa 107,5 Gigawatt (GW) an Solarleistung sind in Deutschland installiert. Bis 2030 sollen es 215 GW werden – so sieht es das Erneuerbare-Energien-Gesetz vor. Der Solarverband BSW-Solar mahnt nun, dass die zweite Hälfte des Zubaus kein Selbstläufer wird. Ob der Boom anhält, ist völlig offen.
Denn der Wert des Solarstroms sinkt. Vor allem tagsüber im Sommer erzeugen die Anlagen zu viel Strom, der abgeregelt oder zu Nullpreisen ins Ausland exportiert wird. Der Solarverband setzt deshalb auf den Ausbau von Speichern, "um das volle Photovoltaik-Potenzial systemdienlich zu entfalten", wie BSW-Solar-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig betont.
Hoffnungen auf Batteriespeicher
Doch ob der Speicherzubau ausreicht, darf bezweifelt werden. Derzeit sind nach Verbandsangaben in Deutschland rund zwei Millionen Batteriespeicher mit einer Gesamtkapazität von rund 20 Gigawattstunden (GWh) in Betrieb. Bis 2030 bräuchte es jedoch eine Speicherkapazität von rund 100 bis 150 Gigawattstunden. Um hier voranzukommen, müsse die im Koalitionsvertrag vorgesehene baurechtliche Privilegierung von Batterienspeichern schnell kommen, so Körnig weiter.
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Ausbau nicht drosseln
Keine Zweifel hat der Verbandschef jedoch daran, dass weiterhin ein massiver Solarzubau notwendig ist. "Der Strombedarf wächst und die Solarisierung von Dächern, Fassaden und Freiflächen darf nicht nachlassen." An einem stärkeren Ausbau von Photovoltaik und Speichern führe kein Weg vorbei. "Die aktuelle Hitzewelle und zunehmende Klimafolgeschäden verdeutlichen dies schmerzhaft."
Der Anteil der Solarenergie am deutschen Strommix war zuletzt weiter angewachsen. Im Jahr 2024 speisten alle Photovoltaik (PV)-Anlagen laut dem Statistischen Bundesamt knapp 60 Millionen Megawattstunden (MWh) Strom ins Netz ein, was knapp 14 Prozent der gesamten inländischen Stromproduktion ausmachte. Im Vorjahr hatte der Anteil noch bei 12 Prozent gelegen.
Verbandschef Körnig warnte davor, den Ausbau der Solarenergie weiter zu drosseln. Dieser hatte sich zuletzt ohnehin verlangsamt. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte kürzlich mit der Bemerkung für Aufsehen gesorgt, der Erneuerbarenzubau müssen sich künftig am Netzausbau orientieren. Auch Stimmen aus der Energiewirtschaft fordern Anpassungen, um die Solarenergie besser ins Energiesystem zu integrieren.
EEG-Förderung absenken
So hat etwa die Stiftung Klimaneutralität aktuell ein 10-Punkte-Papier vorgelegt, um den Ausbau der Solarenergie kosteneffizienter, sozial gerechter und netzdienlicher zu steuern. Darin schlägt die Stiftung einen stärkeren Fokus auf Freiflächenanlagen vor. Diese sollen zudem Anreize erhalten, sich an den Netzzustand vor Ort anzupassen.
Gleichzeitig soll die staatlich garantierte Einspeisevergütung für PV kurzfristig auf 10 Cent pro Kilowattstunde (kWh) gedeckelt und bis 2030 gestuft auf 7 Cent sinken. Kostengünstige Anlagen seien so weiterhin "auskömmlich", heißt es in dem Papier. Die Bundesregierung hatte bereits angekündigt, die Erneuerbaren-Förderung reformieren zu wollen.
Auch sollen nach Vorschlag der Stiftung künftig kleine Anlagen ab zwei Kilowatt (kW) Leistung in die Direktvermarktung gehen und damit Preissignalen an der Strombörse ausgesetzt sein. Derzeit gilt dies erst ab 100 kW. Die alte Bundesregierung hatte über eine Absenkung der Schwelle im Rahmen der Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) nachgedacht, sich aber schließlich dagegen entschieden.
Weitere Vorschläge in dem Papier sind zeitvariable Netzentgelte, feste Fristen für den Smart-Meter-Rollout und höhere Vorgaben für die Steuerbarkeit von PV-Anlagen an die Netzbetreiber. Auch soll der Ausbau von Großbatteriespeichern maximal beschleunigt werden.
Großteil Dachanlagen
Freiflächenanlagen gelten wirtschaftlich als effizienter, bislang dominieren in Deutschland jedoch private Dach-PV-Anlagen. Laut Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur fällt der Großteil der Anlagen und auch der installierten Solarleistung in Deutschland in den Bereich bauliche Anlagen auf oder an Dächern, Gebäuden und Fassaden. Hier sind 4,2 Millionen Anlagen mit rund 71 Gigawatt als in Betrieb gemeldet.
Dahinter folgen – nach Leistung bemessen – Freiflächenanlagen. Von ihnen gibt es zwar nur knapp 20.000, sie kommen aber auf fast 33 GW Leistung. Die bei Verbrauchern immer beliebteren Balkonkraftwerke sind mit gut einer Million zwar sehr viel häufiger, weil sie aber sehr viel schwächer sind, kommen sie aufsummiert nur auf eine Leistung von knapp einem Gigawatt. Insgesamt sind aktuell rund 5,3 Millionen PV-Anlagen installiert. (Mit Material der Deutschen Presse-Agentur)
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