Mitarbeitende, die von einer demütigen Führungskraft angeleitet werden, arbeiten insgesamt besser. Diese These vertrat Franziska Frank, Visiting Lecturer an der European School of Management and Technology Berlin (ESMT) bei der Handelsblatt-Tagung "Future Workplace & Office".
Die Forscherin hat Ergebnisse aus über 200 Studien mit über 35.000 Teilnehmenden ausgewertet. Führungskräfte mit einer demutsvollen Einstellung hatten demnach einen erheblichen Einfluss darauf, wie ihre Mitarbeitenden arbeiten.
Weniger verlorene Investitionen
"Mitarbeitende von demutsvollen Führungskräften leisten mehr und sehen ihre Arbeit als sinnhafter an", sagte Frank. "Außerdem arbeiten sie motivierter und haben ihre Emotionen besser im Griff."
Für Organisation bedeutet dies bessere Ergebnisse, eine bessere Fehlerkultur und weniger Investitionen in sogenannte sunk costs. Denn die demutsvolle Führungsweise sorge dafür, dass Mitarbeitende mehr Eigenverantwortung übernähmen und seltener ihre Position wechselten.
Mehr Lernbereitschaft
Demutsvoll sei der Forscherin zufolge, wer die eigenen Stärken und Schwächen erkenne. Mehr Demut führe auch dazu, dass die jeweilige Person die Stärken anderer mehr wertschätzen könne.
"Mehr Demut bedeutet auch mehr Offenheit und Lernbereitschaft", so Frank weiter. Außerdem führe mehr Demut zu dem Verständnis, dass er oder sie nur ein Teil eines großen Ganzen sei.
Demut ist angesagt
Wie die Forscherin weiter ausführte, zeigten sich hinsichtlich einer demutsvollen Einstellung große Unterschiede zwischen der Eigen- sowie der Fremdwahrnehmung. Deutschlandweit sprachen sich 97 Prozent der Führungskräfte und der Mitarbeitenden für mehr Demut aus.
Etwa 80 Prozent der Führungskräfte gaben an, demutsvoll zu sein, aber nur 36 Prozent der Mitarbeitenden teilten diese Einschätzung. 86 Prozent der Mitarbeitenden schätzen sich selbst als demutsvoll ein, während nur 43 Prozent der Führungskräfte dem zustimmten.
Fehler offen zugeben
Ein Beispiel für demütiges Führen sei die Fehlerkultur. "Im Schnitt können 50 Prozent der Menschen ihre Fehler offen zugeben", ordnete Frank die Studienergebnisse ein. Dabei sei die Angst, wegen dieser Offenheit kritisiert zu werden, oft unbegründet.
"Wir unterschätzen, wie gut es ankommt, wenn wir anderen gegenüber Schwächen zugeben", sagte die Vortragende. Dabei wirke das Eingeständnis, einen Fehler gemacht zu haben, auf andere oft sympathisch.
Weg zu mehr Demut
Der Weg zu mehr Demut sei dabei durchaus anspruchsvoll. "Dazu gehört zum Beispiel, aktiv nach Feedback zu suchen, selbst wenn dieses kritisch ausfallen könnte", erläuterte Frank.
Auch offen für den Rat und die Ideen anderer zu sein und die Stärken der anderen zur Kenntnis zu nehmen, sei entscheidend. (jk)



