Die Energie- und Wärmewende klappt nicht ohne genügend Fachhandwerker.

Die Energie- und Wärmewende klappt nicht ohne genügend Fachhandwerker.

Bild: © Reinhard Tiburzy/AdobeStock

Die Nachfrage nach Handwerksfachkräften ist bundesweit hoch. Von 2012 bis 2018 ist die Zahl der offenen Stellen im Handwerk durchgängig gestiegen. Seit 2015 gibt es damit mehr offene Stellen in handwerklichen Berufen als arbeitslose Handwerkerinnen und Handwerker, wie eine aktuelle Studie des Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (Kofa) zeigt.

Demnach konnten ab 2015 rein rechnerisch nicht alle offenen Stellen im Handwerk besetzt werden. Durch den konjunkturellen Abschwung im Jahr 2019 und die Corona-Pandemie im Jahr 2020 ging die Nachfrage nach Handwerksfachkräften zurück. Die Zahl der offenen Stellen blieb dennoch weiterhin höher als die der arbeitslosen Handwerkerinnen und Handwerker. Nachdem sich die Nachfrage im Jahr 2021 bereits wieder erhöht hat, gab es zu diesem Zeitpunkt bundesweit gut 200.000 offene Stellen im Handwerk.

Jede zweite Meisterstelle nicht besetzt

87.485 offene Stellen konnten rechnerisch im Jahr 2021 in Handwerksberufen nicht besetzt werden, weil es bundesweit keine passend qualifizierten Arbeitslosen in den jeweiligen Berufen gab (Fachkräftelücke). Davon fehlten bei Betrachtung der nötigen Qualifikation etwa 75.000 Gesellinnen und Gesellen mit Berufsausbildung, 7200 Meisterinnen und Meister und fast 5000 Fortbildungsabsolventinnen und Fortbildungsabsolventen.

Obwohl Gesellinnen und Gesellen zahlenmäßig am meisten fehlten, waren Fachkräfte mit Meisterabschluss am schwersten zu finden, heißt es weiter. Betrachtet man den Anteil der offenen Stellen im Handwerk für die es bundesweit keinen passend qualifizierten Arbeitslosen gibt (Stellenüberhangsquote), dann konnte gut jede zweite Meisterstelle rechnerisch nicht besetzt werden.

20 Arbeitslose auf 100 Stellen

Bei Betrachtung der Einzelberufe im Handwerk fehlten, gemessen an der Fachkräftelücke, am meisten Gesellinnen und Gesellen der Bauelektrik. Dazu waren Berufe der Sanitär-, Heizungs-, und Klimatechnik sowohl für Gesellinnen und Gesellen als auch für Meisterinnen und Meister in besonders hohem Maße von Engpässen betroffen.

In diesen drei Berufen gab es für 100 offene Stellen bundesweit nur etwas über 20 passend qualifizierte Arbeitslose. Damit konnten in diesen Berufen unter Berücksichtigung der beruflichen Qualifikation nur zwei von zehn offenen Stellen im Jahr 2021 rechnerisch besetzt werden.

20.000 unbesetzte Ausbildungsplätze

Die duale Ausbildung bleibe im Handwerk der wichtigste Weg der Fachkräftesicherung, so die Kofa-Untersuchung. Das Ausbildungsangebot in handwerklichen Berufen nahm eine ähnliche Entwicklung wie in allen dualen Ausbildungsberufen insgesamt: Das Angebot sank zwischen 2011 und 2013 und stieg anschließend bis 2018 an. Nach einem leichten konjunkturbedingten Rückgang 2019 sank das Ausbildungsplatzangebot durch die Corona-Pandemie 2020 deutlicher, erläutert die Studie weiter.

Im Jahr 2021 war das Angebot demnach bereits wieder größer als im Vorjahr, das Vorkrisenniveau ist allerdings noch nicht erreicht. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge war in den vergangenen zehn Jahren leicht rückläufig. Im Jahr 2021 gab es damit gut 20.000 unbesetzte Ausbildungsplätze. Im Vergleich dazu blieben etwa 22.000 Bewerberinnen und Bewerber unversorgt. (jk)

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