Sie leiten seit Anfang Februar die Stadtwerke Gengenbach im Schwarzwald: Michael Totzke (links) und Tom Gißler.

Sie leiten seit Anfang Februar die Stadtwerke Gengenbach im Schwarzwald: Michael Totzke (links) und Tom Gißler.

Bild: © Stadt Gengenbach

Ist es eine Lehre aus der Energiekrise, eine Folge wachsender Energiewende-Aufgaben oder doch eher Zufall? In den vergangenen Monaten entschieden sich jedenfalls gehäuft kleine Kommunen dazu, ihre Stadtwerke nicht mehr nur von einer Person leiten zu lassen, sondern von zwei.

Das jüngste Beispiel sind die Stadtwerke in Gengenbach, einer 11.000-Einwohner-Kommune im Schwarzwald. Jahrelang war hier Jochen Brosi Werkleiter. Eines seiner Leuchtturmprojekte: der Bau eines Windparks mit immerhin vier Anlagen und einer Gesamtleistung von zwölf Megawatt (MW)zusammen mit dem Windkraftanlagenhersteller und Projektentwickler Enercon.

Mehr dazu hier: Dieses kleine Stadtwerk setzte früh auf eigene Windenergie – das zahlt sich jetzt aus

Totzke und Gißler übernehmen in Gengenbach

Im Herbst wurde bekannt, dass Brosi sein Amt niederlegen würde. Nach fast 26 Jahren im Unternehmen wolle er sich beruflich neuen Herausforderungen stellen, hieß es.

Inzwischen steht die Nachfolge fest. Michael Totzke und Tom Gißler, die zuvor schon für die Stadtwerke in Führungspositionen arbeiteten, teilen sich Brosis Job auf. Totzke ist seit Anfang Februar kaufmännischer und Gißler technischer Werkleiter. Die Stadt Gengenbach erklärte diesen Schritt so. Die Anforderungen an die Energiewitschaft seien komplexer geworden. Deshalb sei eine Aufteilung sinnvoll.

"Bei Wissen und Erfahrung breiter aufgestellt"

Vergleichbar vorgegangen waren im vergangenen Jahr die Stadtwerke Neuburg in Oberbayern, 31.000 Einwohner. Nach fast zehn Jahren an der Spitze, die meiste Zeit davon ohne gleichberechtigten Amtskollegen, verabschiedete sich der damalige Chef Richard Kuttenreich. (Die ZfK berichtete.) In der Folge wurden aus einem Werkleiter wieder zwei. Ernst Reng ist seit 1. Juni 2023 für den technischen und Florian Frank für den kaufmännischen Bereich zuständig.

Im Interview mit der Lokalzeitung "Neuburger Rundschau" gab Reng an, dass er die Rückkehr zur Doppelspitze positiv sehe. "Wir sind breiter aufgestellt, was Wissen und Erfahrung angeht", sagte er. Sein Amtskollege Frank antwortete, dass man sich durch dieses Modell "ein Stück weit Solidität und Verlässlichkeit" eingekauft habe.

Bad Kissingen mit Doppelspitze

Gegen ein Solo und für ein Duo sprach sich auch die Kurstadt Bad Kissingen im bayerischen Unterfranken aus. Einwohnerzahl hier: 25.000.

Jahrelang hatte Manfred Zimmer die örtlichen Stadtwerke geleitet. Dann musste er jedoch aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten. Seine Nachfolger wurden im Oktober 2023 Anja Binder und Ralf Merkl. (Die ZfK berichtete.)

Arnsberg erweitert Geschäftsführung

Die 80.000-Einwohner-Stadt Arnsberg im Sauerland entschied sich im vergangenen Jahr ebenfalls für eine Doppelspitze. Neu hinzugeholt wurde Oliver Vogel, der zuvor unter anderem bei den Stadtwerken Soest Führungserfahrung gesammelt hatte.

Der Vertrag des bisherigen Geschäftsführers Jörg Freitag wiederum wurde bis Ende 2025 verlängert. Er hatte die Führung des Unternehmens im Oktober 2022 übernommen. (Die ZfK berichtete.)

Bad Belziger Solopartie endete in Insolvenz

Gelinde gesagt keine guten Erfahrungen machten die Stadtwerke Bad Belzig in Brandenburg mit einem Solospieler an der Spitze. Der damalige Geschäftsführer Hüseyin Evelek setzte dem Vernehmen nach im Alleingang auf hochriskante Stromgeschäfte. Als diese schief gingen, musste das Kommunalunternehmen Insolvenz anmelden. (Die ZfK berichtete.)

Dass eine Doppelspitze "eine durchaus attraktive Option" darstellen würde, hatte der mittlerweile abgewählte Bürgermeister Roland Leisegang schon früh durchblicken lassen. So ist es dann auch gekommen. Inzwischen haben die Stadtwerke Bad Belzig mit Thomas Tanneberg und Jan Dworacek übrigens nicht nur zwei Geschäftsführer, sondern mit der Kommune und dem Entsorgungsriesen Remondis auch über eine Dachgesellschaft indirekt zwei Eigentümer. (aba)

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