Naturstrom-Vorstandsvorsitzender Thomas Banning

Naturstrom-Vorstandsvorsitzender Thomas Banning

Bild: © Naturstrom

Er war jahrelang das Gesicht des Ökoenergieanbieters Naturstrom, galt als wortgewaltig und durchaus streitbar.

Doch jetzt, nach mehr als 20 Jahren an der Spitze, ist für Thomas Banning Schluss. Ende September legt der nunmehr 66-Jährige das Amt des Vorstandsvorsitzenden nieder. In den Ruhestand geht er damit aber noch nicht. Doch dazu später mehr.

Verstärkung aus Potsdam

Mitten in der Energiekrise sortiert sich die Naturstrom-Spitze neu und vollzieht damit auch einen Generationenwechsel. An der Spitze steht vom 1. Oktober an Oliver Hummel (50), ein langjähriger Wegbegleiter Bannings und erfahrener Handelsexperte, der seit 2012 zudem im Vorstand des Düsseldorfer Stromanbieters sitzt.

Den neuen Vorstand komplettieren Kirsten Nölke (48), die seit mehreren Jahren mit Hummel den Geschäftsbereich Energiebelieferung leitet und dem Gremium seit 2021 angehört, sowie Sophiea Eltrop, die von den Potsdamern Stadtwerken kommt und ab Oktober das Ressort Finanzen, Personal und IT leiten wird.

Mehrere Rollen bei Naturstrom

Banning lernte Naturstrom nach eigener Aussage kurz nach der Gründung 1998 kennen. Zuerst beriet er das Unternehmen, dann beteiligte er sich als Aktionär, überwachte es in der Folge als Aufsichtsratsvorsitzender und übernahm im April 2002 schließlich selbst die Führung.

Inzwischen beliefert Naturstrom nach eigenen Angaben 330.000 Haushalte, Industrien und Institutionen mit Strom, Biogas und nachhaltiger Wärme. Der Konzernumsatz betrug im vergangenen Jahr 451 Mio. Euro, der Gewinn 1,3 Mio. Euro.

Klage gegen Eon/RWE-Deal

Schlagzeilen machte Bannings Naturstrom auch anderweitig. Zusammen mit zehn Kommunalversorgern klagte er gegen den Eon-RWE-Deal. Als das Bundeskartellamt im Frühjahr dem Stromriesen RWE eine marktbeherrschende Stellung zugewiesen hatte, fühlte sich der Manager bestätigt.

Dass sich dies nun mitten in einer Energiepreiskrise manifestierte, "muss als ein Schlag ins Gesicht aller Verbraucher und ein erheblicher Rückschlag für die liberalisierten Energiemärkte gewertet werden", kritisierte er. Die Klage gegen Eon und RWE liegt derzeit vor dem Europäischen Gericht.

Auch Aufsichtsratschef geht

Änderungen gibt es auch im Naturstrom-Aufsichtsrat. Hermann Falk hat das Amt des Vorsitzenden abgegeben. Der promovierte Jurist hatte den Posten vor mehr als 20 Jahren von Banning übernommen.

Falks Nachfolger ist Martin Riedel, der die in der Energiebranche führende Kanzlei Becker Büttner Held (BBH) mit aufgebaut hat und dem Naturstrom-Aufsichtsrat seit 2021 angehört. Neu in den Aufsichtsrat wurde Sandra Wehrmann gewählt, die Vorstandsmitglied des Berliner Wohnungsunternehmens Degewo ist und ihre Expertise in der Immobilienwirtschaft in das Gremium einbringen soll.

Herausforderung Erzeugungstochter

Sowohl Falk als auch Banning bleiben der Unternehmensgruppe aber treu. Banning wird nämlich Chef der vor fast zwei Jahren gegründeten Erzeugungstochter Natur Energy. Falk übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz.

Ziel ist es dabei, den Geschäftsbereich der Energieerzeugung aus dem Konzern herauszulösen und für Beteiligungen und Investoren zu öffnen. Geplant sind in den nächsten acht bis zehn Jahren massive Investitionen in Solar- und Windparks sowie perspektivisch auch in Speicherlösungen und Wasserstoff.

"Dann ist es aber auch gut"

"Wir erwarten, dass die Zahl der Aktionäre deutlich größer wird, als es bei der Naturstrom AG der Fall ist", sagte Banning. Es könne sein, dass man sich dann einem Börsengang nicht mehr verschließe.

Bis wann er selbst noch mit an Bord ist, ließ Banning offen. Er halte es aber für eher unrealistisch, die Erzeugungstochter fünf Jahre zu leiten, sagte er. "Ich sehe es eher so, dass ich mich die nächsten zwei, drei Jahre darum kümmern werde. Dann ist es aber auch gut." (aba)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper