Angesichts steigender Gas- und Strompreise hat die NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) beim „Deutschen Energierechtstag“ die Chefs der Stadtwerke zu einer freiwilligen Gehaltsreduzierung aufgefordert. Sie glaube, dass es „eine kluge Entscheidung“ sei, wenn die Stadtwerke-Manager ihrem Aufsichtsrat mit Blick auf den Bonus sagten: „Ich würde darauf im nächsten Jahr gerne verzichten.“
Darüber berichten übereinstimmend die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) und die Westfälische Rundschau (WR). Bei den Vertragskonstruktionen vieler Stadtwerke seien Bonuszahlungen für die kommunalen Manager an den Umsatz gekoppelt, sagte Neubaur, die seit einigen Wochen in der NRW-Landesregierung das Wirtschaftsressort führt und stellvertretende Ministerpräsidentin ist.
Bonus ist abhängig vom Ertrag
Nach den Erfahrungen von Arne Sievert, Senior Manager bei Kienbaum, ist das in der Regel nicht der Fall. „Es kommt sehr selten vor, dass die Bonuszahlung rein an den Umsatz geknüpft ist“, stellt Sievert fest. Das könne beispielsweise bei neuen Geschäftsfeldern der Fall sein, um einen Wachstumspfad zu beschreiten. „Bei etablierten Geschäftsfeldern bzw. Aktivitäten im Commodity-Geschäft werden die Bonuszahlungen weit überwiegend an die Entwicklung des Ertrags geknüpft.“
Während die Umsätze der Versorger durch die stark steigenden Gas- und Strompreise derzeit bei vielen Versorgern zunehmen, müssen die Unternehmen beim Ertrag – nicht nur wegen der Gaskrise, sondern auch wegen Corona – Einbußen hinnehmen. Darüber hinaus berichten viele Stadtwerke-Manager:innen gerade in diesen Tagen über besondere Belastungen durch die herausfordernde Situation in der Branche. Die Rede ist von unzähligen internen Krisenmeetings bis zu Urlaubsverzicht.
Mehr Geld in der Privatwirtschaft
Ohnehin verdienen Stadtwerke-Manager weniger als ihre Kollegen in der Privatwirtschaft. Während die Vergütungen bei Geschäftsführern in der Ver- und Entsorgungswirtschaft zwischen 111.000 und 318.000 Euro liegen, reicht die Spanne bei Geschäftsführern von Industrie-/Handelsunternehmen in der Privatwirtschaft von 250.000 Euro bei Firmen mit bis zu 50 Beschäftigten bis zu 530.000 Euro bei Firmen mit über 1000 Beschäftigten. Das hat Kienbaum im Rahmen von Befragungen für die „Vergütungsbenchmark Energie + Wasser + Entsorgung 2021“ festgestellt, die die Personal- und Unternehmensberatung jährlich gemeinsam mit dem Verband kommunaler Unternehmen (VKU) durchführt.
Auch bei der Zusammensetzung der Bezüge gibt es Unterschiede: Der variable Anteil an den Gesamtbezügen liegt in der Privatwirtschaft bei rund 31 Prozent, während er in der Kommunalwirtschaft durchschnittlich 17 Prozent beträgt. Auf eine variable Vergütung haben beispielsweise in Industrie und Handel 93 Prozent der Topmanager Anspruch, in den Unternehmen der Ver- und Entsorgungswirtschaft lediglich 73 Prozent. (hp)



