In einer neuen Studie hielt sich die Mehrzahl der Befragten im Homeoffice für produktiver als beim Arbeiten im Büro. (Symbolbild)

In einer neuen Studie hielt sich die Mehrzahl der Befragten im Homeoffice für produktiver als beim Arbeiten im Büro. (Symbolbild)

Bild: © standsome worklifestyle/Unsplash

Der Großteil der Studentinnen und Studenten in Deutschland geht davon aus, nach dem Abschluss schnell einen passenden Job zu finden. Jeweils 44 Prozent der Befragten sagen, dass sie dies sicher glauben, beziehungsweise dies eher glauben, wie eine Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY ermittelt hat.

Nur etwas mehr als jeder Zehnte (zwölf Prozent) fürchtet demnach keine Stelle zu finden, die die eigenen Erwartungen erfüllt und zu den erlernten Qualifikationen passt. Dennoch nehmen bei Berufseinsteigern die Sorgen wegen internationaler Krisen und Ressourcenverknappung zu.

Aussichten leicht verbessert

Zwar haben sich die Aussichten auf einen Berufseinstieg innerhalb der vergangenen zwölf Monate bei fast der Hälfte der Befragten entweder deutlich (14 Prozent) oder zumindest etwas verbessert (32 Prozent). 40 Prozent sagen, dass sie gleichgeblieben sind. Nur 14 Prozent der Studentinnen und Studenten gaben an, dass sich die Aussichten in ihren Augen verschlechtert haben.

Jedoch ist aktuell nur knapp jede oder jeder Fünfte (19 Prozent) sehr zufrieden mit der persönlichen Situation. Bei den Studentinnen sind es mit 17 Prozent etwas weniger als bei den Studenten mit 21 Prozent. Im Jahr 2018 – also vor der Pandemie – war noch jeder dritte Studierende uneingeschränkt zufrieden.

Zufriedenheit hat gelitten

Gleichzeitig nahm der Anteil der Studierenden, die unzufrieden mit ihrer persönlichen Situation sind, zu – von 12 Prozent im Jahr 2018 auf 21 Prozent im Jahr 2020. In diesem Jahr ist er ebenso hoch. Studentinnen sagten dies häufiger (20 Prozent) als ihre männlichen Kommilitonen (16 Prozent).

"Die Zufriedenheit vieler Studierender mit ihrem Leben hat unter der Pandemie gelitten", sagt Jan-Rainer Hinz, Mitglied der Geschäftsführung, Leiter Personal und Arbeitsdirektor bei EY. "Sie hat sich offensichtlich auf einem Level eingepegelt, das spürbar niedriger ist als vor der Pandemie."

Gehaltserwartungen steigen

Immerhin habe der Optimismus in Bezug auf den Arbeitsmarkt unter der zunehmenden Krisenstimmung offenbar nicht gelitten. "Denn auf dem Arbeitsmarkt sind die Chancen für qualifizierte und motivierte Berufseinsteiger tatsächlich so gut wie lange nicht mehr – und das in fast jeder Branche", so Hinz weiter.

Vor allem die Gehaltserwartungen sind dabei hochgegangen. "Die Studierenden stehen vor dem Eintritt in einen Arbeitsmarkt, der zum Teil händeringend nach Fachkräften sucht, und rechnen sich daher gute Chancen für den Berufseinstieg aus", erläutert Arbeitsdirektor Hinz. "Sie kennen ihren Wert und schrauben ihre Erwartungen entsprechend hoch."

Work-Life-Balance für jeden Zweiten wichtig

So überrascht es kaum, dass das künftige Gehalt eine anhaltend große Rolle für Studierende spielt – für 53 Prozent ist es einer der fünf wichtigsten Faktoren bei der Arbeitgeberwahl. Gleichzeitig verliert der Faktor Jobsicherheit an Bedeutung (52 Prozent gegenüber 67 Prozent im Jahr 2020).

Anders sieht es bei der Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben aus: Vor zwei Jahren nannten noch 39 Prozent der Befragten die Work-Life-Balance als einen der fünf wichtigsten Faktoren; in diesem Jahr sind es 51 Prozent. Letzteres ist allerdings vor allem Studentinnen wichtig: 63 Prozent der befragten Frauen gab dies an, bei den Männern waren es dagegen nur 39 Prozent.

Internationale Krisen gewinnen an Bedeutung

Die wichtigsten Themen für Studierende sind weiter Umweltschutz (85 Prozent, minus 2 Punkte im Vergleich zu 2020), Menschenrechte (89 Prozent, minus 4 Punkte). Einen besonders starken Bedeutungsschub erfuhren aber die Themen internationale Krisen und Kriege (87 Prozent, plus 9 Punkte) und Ressourcenverknappung (84 Prozent, plus 16 Punkte).

"Studierende befinden sich in einer entscheidenden, aber auch schwierigen Phase der Emanzipation", so Hinz. "Für viele bedeutet der Schritt ins Studium eine Loslösung vom Elternhaus, die Überprüfung der eigenen Werte und damit verbunden auch die Loslösung von Altem durch neue Ideen."

Welt- und Werteordnung "nicht mehr so klar"

Zugleich gebe es außerhalb dieses sicheren Bereichs globale Ereignisse, Konflikte und Probleme, deren Lösung nicht einfach sei – und zwar in steigender Zahl und Abfolge. Die Bewältigung der Folgen des Klimawandels, der Umgang mit der Coronapandemie oder die plötzlich durch den Ukrainekrieg nicht mehr so klar bestehende Welt- und Werteordnung mit freiem Handel, Demokratie und Diplomatie, beschäftige Studierende enorm.

"Unsere aktuelle Befragung zeigt aber, dass die Mehrheit der Studierenden dieser so genannten 'Quarterlife Crisis' immer bewusster und mit Optimismus begegnet", resümiert der EY-Experte. (jk)

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