Die Unternehmensberatung PWC warnt in einer neuen Studie vor den Auswirkungen des Fachkräftemangels. (Symbolbild)

Die Unternehmensberatung PWC warnt in einer neuen Studie vor den Auswirkungen des Fachkräftemangels. (Symbolbild)

Bild: © Gina Sanders/AdobeStock

Immer mehr Branchen und Regionen sind vom Fachkräftemangel betroffen. Ein vielversprechender Ansatz um dem entgegen zu wirken, scheinen die sogenannten Teilqualifikationen (TQs) zu sein. Dies geht aus der Analyse des Jobmonitors der Bertelsmann Stiftung hervor. Die Auswertung von 4,3 Mio. Online-Jobanzeigen für Hilfs- und Fachkräfte aus dem Jahr 2022 zeigt: Oft würden schon zwei bis vier von maximal sieben Teilqualifikationen eines Berufs ausreichen, um den Großteil der freien Stellen zu besetzen. Diese würden sich laut der Stiftungs-Publikation in mehrwöchigen Qualifizierungen erlernen lassen. Verantwortlicher Autor der Studie "Mehr Fachkräfte in jeder Region" ist Martin Noack, Senior Expert Betriebliche Bildung und Weiterbildung.

Alle 157 untersuchten Teilqualifikationen aus 27 verschiedenen Berufen würden laut den Analysten tatsächlich am Arbeitsmarkt nachgefragt. Damit bestätigt die Studie Erkenntnisse aus Befragungen von Arbeitgeber:innen. In 82,5 Prozent aller einschlägigen Fachkraftstellen werde ferner nicht das jeweilige berufliche Vollprofil gesucht. Im Durchschnitt seien es pro Fachkraftstelle 3,3 von fünf bis sieben möglichen Teilqualifikationen, bei entsprechenden Hilfskraftstellen 1,4 TQ, die die Arbeitgeber:innen explizit als Anforderung in ihren Online-Jobanzeigen aufführen, heißt es seitens des Autors.

"Flexibler und schneller Weg" um die Fachkräfte zu qualifizieren

Zum einen böten laut dem Autor die TQs einen "flexiblen und schnellen Weg", um die notwendigen Fachkräfte zum Beispiel für die Energiewende zu qualifizieren. Die Auswertung zeichnet zum anderen auch einen Aufstiegspfad für Millionen von Geringqualifizierten in Deutschland: "Durch Teilqualifizierungen können sich Menschen ohne Berufsabschluss Schritt für Schritt erst Hilfskraft- und dann Fachkraftstellen erschließen, bis ihnen schließlich beim Nachholen des vollwertigen Berufsabschlusses alle angebotenen Stellen eines Berufs zur Verfügung stehen", sagt Studienautor Noack.

Die Analysen der Jobmonitor-Daten zeigen, dass es in jedem Berufsbild einige TQs gibt, die am Arbeitsmarkt „deutlich häufiger nachgefragt“ werden als andere. Beim Beruf "Elektroniker/-in Energie- & Gebäudetechnik" sind das beispielsweise "Elektroinstallationen vor- und nachbereiten", "Elektrische Betriebsmittel montieren und installieren" und "Elektrische Anlagen in Betrieb nehmen und instandhalten". Alle drei werden jeweils in rund zwei Drittel aller für das Berufsmodell relevanten Stellen gesucht. 

Regionale Unterschiede decken lokale Weiterbildungsbedarfe auf

Die Bedeutung einzelner TQs innerhalb eines Berufs würden sich laut Noack dabei von Region zu Region unterscheiden. Bei den Fachkraftstellen im Büromanagement zum Beispiel spiele in den östlichen Bundesländern die Teilqualifikation "Assistenz- und Sekretariatsaufgaben erledigen" eine größere Rolle als im Rest der Republik. "Einkaufsprozesse planen und durchführen" sei laut der Studie hingegen bei Bürokaufleuten im Westen und Süden wichtiger. Diese lokal spezifische Nachfrage der Betriebe nach TQs sollte die  zuständige Qualifizierungspolitik im Blick haben. "Die Studie zeigt damit das große Potenzial von Teilqualifikationen, mit deren Hilfe sich der jeweilige Fachkräftebedarf vor Ort schneller decken lassen kann", sagt Noack.

Die Publikation "Fachkräfte in jeder Region" können Sie hier herunterladen. (gun)

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