Ob im Recruiting, im On- und Offboarding oder in der Administration – viele HR-Prozesse können digitalisiert und damit komplett automatisiert werden.

Ob im Recruiting, im On- und Offboarding oder in der Administration – viele HR-Prozesse können digitalisiert und damit komplett automatisiert werden.

Bild: © Funtap/AdobeStock

Um Fachkräften zu gewinnen, setzen Personalvermittler verstärkt künstliche Intelligenz (KI) ein. Fast die Hälfte nutzt die intelligente Technologie im Recruiting-Prozess – aber nur 20 Prozent der Unternehmen. Vor allem jüngere Kandidaten befürworten es, KI bei virtuellen Auswahlverfahren und Job-Matching-Plattformen einzusetzen. Das hat die Berliner Personalmarktforschung Index Research in ihrer Studie "Barometer Personalvermittlung 2022: Wachstumspotenziale für ein modernes Recruiting" herausgefunden. Der Auftrag kam vom Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP).

"In Zeiten des Fachkräftemangels sind Personalvermittler ein entscheidender Erfolgsfaktor bei der Fachkräftesicherung. Mit modernen KI-Technologien und branchenspezifischen Recruiting-Erfahrungen führen sie Unternehmen und Fachkräfte bestmöglich zusammen", so Jürgen Grenz, Leiter von Index Research.

Unternehmen hinken hinterher

Demnach setzen die Hälfte der insgesamt 608 befragten Personalvermittler die Technologie bereits ein. 25 Prozent davon nutzen KI-basierte Software als Matching-Tool zwischen Kundenunternehmen und Fachkräften. Sie sehen diese Technologien künftig sogar stärker im Fokus als klassische Jobbörsen.

Mehr als die Hälfte der Unternehmen stimmt dieser These ebenfalls zu. Trotzdem nutzen Unternehmen KI kaum: 80 Prozent von 879 Befragten geben an, keine KI-Tools im Recruiting-Prozess zu verwenden. 13 Prozent der Personalvermittler analysieren mithilfe der intelligenten Technologie Bewerbungsunterlagen, um im ersten Schritt des Prozesses wertvolle Zeit zu gewinnen.

Bei Vorstellungsgesprächen noch wenig verbreitet

Als weitere unterstützende Funktion wird KI zur Optimierung der Stellenanzeigen (12 Prozent) oder als Chat-Bots (10 Prozent) auf der eigenen Karriere-Website genutzt. Verschwindend gering hingegen war die Anzahl der Personalvermittler und Unternehmen, die auf selbstentscheidende KI im Assessment-Center oder zur Analyse von Vorstellungsgesprächen setzen (unter 5 Prozent).

Obwohl die Kandidaten bisher wenig Erfahrung mit KI im Recruiting-Prozess gesammelt haben oder diese nicht bewusst wahrgenommen haben, stehen sie der Nutzung bei künftigen Bewerbungsprozessen offen gegenüber. 65 Prozent würden in Zukunft KI-basierte Job-Matching-Plattformen und Online-Tests nutzen.

Jüngere sind sehr aufgeschlossen

Chatbots auf Karrierewebsites stehen 52 Prozent offen gegenüber. Auffällig dabei: Explizit die jüngere Zielgruppe bis 35 Jahre (74 Prozent) spricht sich für einen KI-gestütztes Recruiting-Verfahren aus. Vorbehalte gegenüber der Technologie gibt es insgesamt nur vereinzelt. Fast 63 Prozent der Kandidaten halten KI im Auswahlverfahren für vorurteilsfrei.

Fast 52 Prozent der Personalvermittlungen glauben, dass in den nächsten fünf Jahren KI im Recruiting einen sehr wichtigen Stellenwert einnehmen wird. Trotzdem soll nach mehrheitlicher Meinung der Personalvermittler der persönliche Kontakt auch weiterhin im Vordergrund stehen.

Personalvermittler sind Vorreiter

"Personalvermittler sind Vorreiter beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Recruiting", meint Heinz Ostermann, Vorsitzender des Verbandsbereichs Personalvermittlung, BAP. "KI erleichtert, beschleunigt und optimiert den Bewerbungsprozess ungemein. Dennoch ist auch im digitalen Zeitalter die menschliche Komponente sehr wichtig, um Kandidaten Vertrauen und Wertschätzung entgegenzubringen."

Für die Studie hat Index Research von Mai bis Juni 2022 insgesamt 1000 Fachkräfte, fast 900 Unternehmen und rund 600 Personalvermittler online befragt. Die Studie wurde bereits zum dritten Mal durchgeführt. (jk)

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