Wer wird die Verkehrswende voranbringen? Ist es der Hipster, der sich mit seinem Elektro-SUV einen Latte Macchiato im Café abholt? Oder sind es die Eigenheimbesitzer im ländlichen Raum, die genug Platz haben, um sich eine Ladesäule in den eigenen Hof zu stellen? Eine Antwort darauf, wie die Verkehrswende in der Stadt und auf dem Land gelingen kann, suchten Teilnehmer einer Videokonferenz, die vom Forum für Zukunftsenergien veranstaltet wurde.
Um Klimaneutralität zu erreichen, sind für den Verkehrssektor Konzepte erforderlich, durch die eine Reduktion der CO2-Emissionen erreicht wird. Dabei sind die unterschiedlichen Gegebenheiten in den Städten und auf dem Land zu beachten. Dies jedoch unterbleibt häufig, beklagt sich der Veranstalter. Gestritten werde lediglich über Einzelmaßnahmen zur Emissionsreduktion; ganzheitliche Ansätze seien rar.
Unterschiedliche Herausforderungen
Weitgehende Einigkeit unter den Referenten herrschte darüber, dass die Verkehrswende in Stadt und Land funktionieren kann. Die Herausforderungen dafür sind aber sehr unterschiedlich.
Nötig für die Verkehrswende sei eine engere Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Kommunen, betonte Ulrike Beuck vom Bundesverkehrsministerium. „Wir brauchen die Verlagerung und müssen die Abhängigkeit vom eigenen Auto reduzieren“, so Beuck. Eine bloße Verteuerung, etwa durch die CO2-Bepreisung, sei aber nicht zielführend. Parallel müssten Alternativangebote geschafffen werden, etwa auch durch Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs in dünn besiedelten Regionen.
"Breiter Instrumentenkoffer" des Ministeriums
Dabei gebe es schon viele positive Tendenzen hin zu Elektromobilität, Rad- und Fußverkehr oder neuen Angeboten wie Ridepooling. Beuck nutzte die Gelegenheit, den „breiten Instrumentenkoffer“ des Ministeriums zur Verkehrswende vorzustellen – Fördermaßnahmen, Modellprojekte oder gesetzliche Maßnahmen.
Barbara Lenz, Leiterin des Instituts für Verkehrsforschung beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) konstatierte, dass der funktionale Zusammenhang zwischen Mobilität und Aktivität in der Corona-Zeit abnimmt. Menschen arbeiten häufiger im Homeoffice; selbst zum Einkaufen fahren sie nicht mehr zwingend in die Läden, sondern bestellen online. Dennoch hat die Gesamtmobilität auch in der Corona-Zeit nur um sieben Prozent abgenommen. Die Bedeutung individueller Mobilität nimmt zu, Auto und Fahrrad sind gefragt, aber der öffentliche Nahverkehr leidet.
Auf diesen Aspekt wies auch Anne Klein-Hitpaß vom Thinktank Agora Energiewende hin. „Die Erfolge werden durch Corona aufgezehrt“, beklagte sie. Die Verkehrsleistung steigt, und davon profitiert vor allem das Auto.
"Lächerliche Parkplatzpreise"
Nötig für die Verkehrswende seien „Push und Pull“, also Autofahren teurer und die umweltverträglichen Formen günstiger und attraktiver zu machen. „Die Parkplatzpreise sind lächerlich“, betonte Klein-Hitpaß. Preise für Mobilität seien an politische Ziele anzupassen; Parkraummanagement funktioniere auch am Land. Gleichzeitig müssten auch die Nahverkehrsnetze attraktiver werden. (wa)

