Das 9-Euro-Ticket hat den Zugang zum Verkehrssystem für Menschen mit geringen Einkommen wesentlich verbessert. Damit stiegen auch deren Möglichkeiten zur sozialen Teilhabe. Das zeigt eine Studie der Fachhochschule Erfurt. Im Rahmen einer Haushaltsbefragung in sechs ausgewählten Erfurter Stadtteilen wurden 6000 Fragebögen verteilt, von denen 1157 zurückgesendet und ausgewertet wurden.
Das Ticket ermöglichte für die Befragten mehr Sozialkontakte, mehr Aktivitäten außer Haus und eine verbesserte Erreichbarkeit von Angeboten der Daseinsvorsorge. Es führte damit insgesamt zu mehr Lebensqualität für einkommensschwache Menschen.
Vor allem untere Einkommensgruppen waren häufiger unterwegs
Für viele Befragte ermöglicht das Ticket einen Zugang zu Mobilitätsangeboten, die sie vorher nicht oder nur sehr eingeschränkt nutzen konnten. Ein Großteil der Befragten war während des Ticketbesitzes häufiger unterwegs. Dieser Effekt ist insbesondere in den unteren Einkommensschichten sichtbar und nimmt mit zunehmendem Einkommen der Befragten mit einem 9-Euro-Ticket signifikant ab.
Die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel erhöhte sich bei den Befragten unabhängig vom Einkommen deutlich. Gleichzeitig waren sie vor allem weniger mit dem Pkw unterwegs. Aber auch Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad wurden seltener angetreten.
Gesteigerte Lebenszufriedenheit
In der Summe hat der verbesserte Zugang zu Mobilität auch zu besseren Möglichkeiten für die soziale Teilhabe geführt. Dies zeigt sich zum einen in der statistischen Analyse vor allem für die unteren Einkommensgruppen in einem höheren Maß an Freizeitaktivitäten. Zum anderen zeigt eine inhaltsanalytische Auswertung auch eine gesteigerte Lebenszufriedenheit. Gründe sind mehr Sozialkontakte, außerhäusige Aktivitäten und die verbesserte Erreichbarkeit von Angeboten der Daseinsvorsorge.
Die große Mehrheit der Befragten wünscht sich ein Nachfolgeangebot zum 9-Euro-Ticket. Die Zahlungsbereitschaft der Befragten liege hier im Mittel bei 25 Euro pro Monat.
Kontaktpflege dürfe sich nicht am Ticketpreis entscheiden
Claudia Hille, die die Studie leitete, erklärt dazu: „Wenn der Fahrschein für den Weg zum Facharzt zum unüberwindbaren Hindernis wird oder Menschen einsam sind, weil die Pflege von persönlichen Kontakten sich am Ticketpreis entscheidet, dann zeigt das einen eklatanten gesellschaftlichen Missstand. Die Diskussion um ein Nachfolgeticket wird so auch zur Frage, wie gerecht wir unser Verkehrssystem gestalten wollen. Mit Blick auf die Studienergebnisse sollte eine Nachfolgeregelung sich auch an den Bedürfnissen der unteren Einkommensgruppen orientieren, denn für diese hat das Ticket einen echten Zugewinn in Sachen Lebensqualität gebracht.“ (wa)



