Die autonom fahrende Welt könnte Tücken aufweisen.

Die autonom fahrende Welt könnte Tücken aufweisen.

Bild: © scgharfsinn86/AdobeStock

Automatisierte und vernetzte Fahrzeuge sind Hoffnungsträger für Politik und Wirtschaft: Sie sollen den Verkehr in Zukunft sicherer und effizienter machen und so einen Beitrag zur Verkehrswende leisten. Diese Hoffnung trifft allerdings nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen zu, wie eine umfangreiche Studie der Technischen Universität Wien beim Projekt "AVENUE21" zeigt. Nämlich dann, wenn automatisierte Fahrzeuge als Erweiterung des bestehenden öffentlichen Verkehrs eingesetzt werden. Wenn also Fahrzeuge und Fahrten geteilt werden, kommt es zu einer Reduktion des Verkehrs. Andernfalls nimmt das Verkehrsaufkommen zu – und zwar erheblich, wie die Daimler-Benz-Stiftung als Förderer mitteilt.

Das Wissenschaftler-Team der TU Wien ist der Meinung, dass in den kommenden Jahrzehnten die technologischen Einschränkungen automatisierter Fahrzeuge zu mehr Ungleichheit führen würden. Diese entsteht durch die Heterogenität und oftmals hohe Komplexität des Straßennetzes in europäischen Städten.

Ein abweichendes Ergebnis zu vielen anderen Studien

"Es klingt paradox, aber unser Buch ist die erste Studie, die umfangreich Wirkungen und Potenziale von automatisierten und vernetzten Fahrzeugen untersucht und dabei die Straße nicht allein als Verkehrsraum, sondern auch als Lebensraum betrachtet. Deswegen kommen wir auch vielfach zu anderen Ergebnissen als Studien, die die Straße allein auf ihre Transportfunktion reduziert haben", so Mitherausgeber Rudolf Scheuvens, Dekan der Fakultät Architektur und Raumplanung.

Autobahnen, Industrie- oder Gewerbestraßen könnten relativ schnell automatisiert befahren werden. Aber Straßen, die durch Gastgärten, anliegende Parks oder Schulen belebt sind, werden, langfristig nicht automatisiert befahren werden können. Automatisierte Services würden deswegen sowohl im Güter- als auch im Personenverkehr nur für ausgewählte Personen und Betriebe zur Verfügung stehen, ist die Quintessenz.

Gegensteuern gefordert

Dieser Zustand müsse seitens Politik und Planung anerkannt und bestehende Hoffnungen müssen relativiert werden, sind sich die Forscher sicher. Die meisten negativen Effekte von automatisierten Fahrzeugen würden nur dann vermieden, wenn ausschließlich bestimmte Straßenzüge für deren Einsatz geöffnet würden. Diese und weitere Weichenstellungen verlangen ein gezieltes Handeln.

"Es ist dringend notwendig, dass sich alle, die an der Entwicklung europäischer Städte beteiligt sind, mit dem Thema ‚Automatisierte Fahrsysteme‘ auseinandersetzen", so Scheuvens. Angesichts der globalen Klimakrise und des Ziels, lebenswerte Städte zu schaffen, könne es sich unsere Gesellschaft schlichtweg nicht leisten, eine Technologie zuzulassen, die zusätzliches Verkehrsaufkommen generiere. Es gebe zahlreiche verkehrs- und siedlungspolitische Probleme, die angesprochen werden müssten, um eine gezielte und menschengerechte Stadtentwicklung zu ermöglichen.

Die Studie, die sich mit dieser Fragestellung aus interdisziplinärer Perspektive befasst, ist soeben als Buch "AVENUE21. Automatisierter und vernetzter Verkehr: Entwicklungen des urbanen Europa" im Verlag Springer Vieweg als Open-Access-Publikation erschienen und kann hier heruntergeladen werden. (gun)

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