"Ich hätte mir niemals träumen lassen, dass das so gut ankommt", räumte Sigrid Evelyn Nikutta, BVG-Vorstandsvorsitzende am Donnerstag zum Abschluss der „Smart Country Convention“ in Berlin ein. Nutzten doch bereits in der ersten Nacht des zweiten Septemberwochenendes gut 1000 Fahrgäste den Berlkönig, das neue Ride-Sharing der BVG, berichtete sie.
Eine umsteigefreie Fahrt mit einem der poppig gemalten Dieselvans, die derzeit im östlichen Innenstadtbereich unterwegs sind, kann nur via Smartphone-App gebucht werden. Bis zu sechs Fahrgäste können sich eine Fahrt teilen, ein Computer koordiniert die Wünsche und stellt die Routen der Berlkönige zusammen. Zusteigen und aussteigen können die Fahrgäste an 5000 Haltepunkten, BVG-Haltestellen und "virtuellen" Stopps wie Straßenkreuzungen. Kooperationspartner ist "ViaVan", ein Joint Venture von Mercedes-Benz Vans und dem Technologieunternehmen Via.
Auch Umland über Mobilitätshubs einbinden
Aufgrund der hohen Nachfrage möchte die BVG das neue Rufbusangebot ausweiten: Die Zahl der Berlkönige soll von 50 auf 300 anwachsen und künftig auch den Außenbereich und das Berliner Umland bedienen. Bereits seit Mitte Oktober fahren die Berlkönige täglich rund um die Uhr, statt wie in der Startphase nur abends und nachts am Wochenende. Sie sollen künftig auch in Mobilitätshubs an Endhaltestellen von U- und S-Bahnen eingebunden werden und für ÖPNV-Fahrgäste die "letzte Meile" bis zum Fahrtziel abdecken.
Kombiniert werden soll dies unter anderem mit Carsharing- und E-Roller-Sharing-Angeboten und künftig eventuell sogar mit Flugtaxen, welche die Flachdächer der Hubs als Start- und Landefläche nutzen könnten, so Nikutta. "Intensiv diskutiert" werde derzeit auch über eine "Kombination der Lieferlogistik mit dem öffentlichen Verkehr", so über eine Bedienung und Belieferung von geplanten Logistikhubs in der Innenstadt, sagte die BVG-Chefin.
Angebote digital bündeln – Herausforderung Bezahlfunktion
"Traditionsunternehmen und Smart City passen sehr gut zusammen", unterstrich Nikutta, die eine Lanze für die Zusammenarbeit mit Start-ups brach, um neue "coole Ideen" aufzugreifen und zu erproben. "Unser Ziel ist es, Mobilität aus einer Hand anzubieten", unterstrich sie und erinnerte an die Gründungsidee der BVG Ende der 1920er Jahre. Ziel sei, den Individualverkehr, der derzeit rund ein Drittel aller Fahrten in der Hauptstadt ausmacht, weiter zu reduzieren und so die urbane Lebensqualität zu steigern.
Als eine wichtige Herausforderung bei der Vernetzung der Mobilitätsangebote in Berlin und dem Umland (inklusive Leihfahrräder und Taxen) über digitale Plattformen und Apps sieht Nikutta die Integration der Bezahlfunktion. (hcn)
