Ein schwieriges Quartal gab es für die Elektromobilität vor allem in China und den USA.

Ein schwieriges Quartal gab es für die Elektromobilität vor allem in China und den USA.

Bild: © Ralf Geithe/AdobeStock

"Gibt es eine deutschsprachige Expertenblase, die Propaganda gegen Elektrofahrzeuge verbreitet?" – diese Frage stellt sich Auke Hoekstra, Wissenschaftler an der Technischen Universität Eindhoven, in einer Kolumne für das Internet-Portal Innovation Origins.

Grund seines Zorns: Er habe mittlerweile die vierte fehlerhafte deutschsprachige Studie entlarvt – deren Urheber war der Österreichische Automobil-, Motorrad- und Touringclub (ÖAMTC). Die weiteren Studien, die dem kritischen Blick von Hoekstra nicht standhielten, stammten vom ADAC, vom Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme (ISE) sowie von Christoph Buchal, Hans-Dieter Karl und Hans-Werner Sinn vom Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung.

Batterien halten länger

"Der erste Fehler, den diese Studien machen, ist, dass sie davon ausgehen, dass moderne Batterien nach 150.000 km ersetzt werden müssen", so Hoekstra. Dies sei aus mehreren Gründen falsch. Es gebe eine Menge öffentlicher Daten über Tesla-Autos, aus denen hervorgeht, dass Batterien problemlos 500.000 oder sogar 800.000 Kilometer fahren können – und dann immer noch 80 Prozent ihrer Kapazität haben.

Aktive Temperaturregelung verleihe den Batterien eine lange Lebensdauer; außerdem könnten Additive die Lebensdauer der Batterien dramatisch verbessern. "Alle Elektroautos werden in Kürze eine aktive Temperaturregelung haben und alle Batterien werden mindestens 1500 Zyklen lang halten, einige sogar bereits bis zu 10.000 Zyklen", so Hoekstra.

Ohnehin bedeute die Tatsache, dass man in Lade- und Entladezyklen denken muss, dass größere Batterien länger halten als kleinere. Keine der erwähnten deutschen Studien enthalte Faktoren in Bezug auf die Batteriegröße – dies zeige, so der Autor, "dass sie wirklich nicht wissen (wollen), wovon sie in Bezug auf Batterien sprechen". Nach 150.000 km zu ersetzen ist einfach Unsinn.

Ökostrom gegen Kohle-Mix

Schließlich sei es "wirklich bemerkenswert", dass viele deutschsprachige Experten davon ausgehen, dass Wasserstoff für Wasserstoffautos aus dem saubersten Strom hergestellt wird, den es gibt, während Elektroautos die Batterien mit schmutzigem Strom aufladen. Den Vogel schieße dabei die ÖAMTC-Studie ab: Wasserstoff und E-Kraftstoffe stammen dort aus möglichst sauberem Strom, während das batteriebetriebene Elektroauto zwischen dem österreichischen Mix, dem europäischen Mix und dem Kohle-dominierten polnischen Mix wählen kann.

"Wenn Sie aktuelle Daten und faire Vergleiche verwenden, sind Elektrofahrzeuge viel besser für die Umwelt als fossile Brennstoffe und etwas besser als Wasserstoff", lautet Hoekstras Fazit. Da die Entwicklung von Batteriefabriken und elektrischen Antriebssystemen Jahre dauert, hätten hiesige Automobilunternehmen viel früher Gas geben müssen. Die Ablehnung werde dazu führen, dass Hunderttausende von europäischen Arbeitsplätzen verschwinden, während China die Macht übernimmt. (wa)

Link zum Beitrag im Portal Innovation Origins.

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