Das Nahverkehrsunternehmen hat fünf Fahrzeuge dieser Art in Betrieb. Bis Oktober sollen 25 hinzukommen. Über die Auftragsvergabe für 30 weitere Batteriebusse im nächsten Jahr soll in Kürze entschieden werden. Zudem arbeitet das Unternehmen an der Ausschreibung für Gelenkbusse, die 2021 kommen sollen. Einzelheiten sollen nach einer Aufsichtsratssitzung am Mittwoch bekannt geben werden.
Versuche mit alternativen Antrieben macht die Hochbahn seit Jahren. Nicht jeder Prototyp hat sich bewährt. Vier Brennstoffzellen-Hybridbusse hat man im vergangenen Jahr wieder abgestoßen. Seit Ende vergangenen Jahres geht es nun um Fahrzeuge im Regelbetrieb. Dieser ist sehr viel anspruchsvoller als der Probebetrieb. Die Kunden erwarten von der Hochbahn zuverlässige und pünktliche Fahrten, im Winter geheizte und im Sommer klimatisierte Fahrzeuge.
Batteriebusse haben nicht genug Reichweite
Eine Herausforderung ist die Reichweite der Batteriebusse. Die Hersteller garantierten derzeit 150 Kilometer. Die Umläufe auf den Linien – also die Strecke bis zur Endstation und zurück – sind in Hamburg aber bis zu 350 Kilometer lang. Die E-Busse fahren derzeit auf den kürzeren Linien, die ein Viertel aller Strecken ausmachen. Außerdem verfügen sie über eine zusätzliche Heizung, die mit Heizöl betrieben wird.
Es gebe noch eine Lücke bei der Reichweite, räumt der Unternehmenssprecher Christoph Kreienbaum ein. Aber diese könne in den nächsten Jahren geschlossen werden. Nur ganz wenige Umläufe seien 350 Kilometer lang.
Der Hamburger Senat und die Bürgerschaft haben der Hochbahn und den kleineren Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein (VHH) ehrgeizige Vorgaben gemacht: Ab 2030 sollen in der Hansestadt nur noch emissionsfreie Linienbusse unterwegs sein. Vom kommenden Jahr an dürfen keine Dieselfahrzeuge mehr angeschafft werden. Das bedeutet, die beiden Nahverkehrsunternehmen müssen innerhalb eines Jahrzehnts fast 1500 Busse mit alternativem Antrieb auf die Straße bringen. Dafür werden Fahrzeuge gebraucht, die es heute noch gar nicht gibt.
Gelenkbusse erwiesen sich als fehlerhaft
Die VHH haben zwei Gelenkbusse erprobt, die wie Straßenbahnen auf Rädern aussehen. Im Testbetrieb hielten die Busse keine 30 Tage fehlerfrei durch. Über die Ursache sei mit dem Hersteller Stillschweigen vereinbart worden, teilte der Senat auf eine Anfrage der Linksfraktion mit. Die Hochbahn hat sich von reinen Wasserstoffbussen verabschiedet. Jetzt erprobt sie noch zwei Hybrid-Gelenkbusse. Bei diesem Typ soll eine Wasserstoff-Brennstoffzelle die Reichweite des Elektroantriebs vergrößern.
Die fünf im Regelbetrieb befindlichen Solo-Batteriebusse – drei Ecitaro der Daimler-Tochter Evobus und zwei "Urbino 12 electric" des polnisch-spanischen Herstellers Solaris – machten kaum Probleme. Einer der Busse ist sogar schon 240 Kilometer am Tag gefahren. Dafür brauchte das Fahrzeug eine Pause von anderthalb Stunden für eine Schnellladung.
Stromladeinfrastruktur muss ausgebaut werden
Damit die Busse zuverlässig mit Strom betankt werden können, ist eine komplizierte Infrastruktur notwendig. Ende April eröffnete die Hochbahn ihren ersten Betriebshof für Elektrobusse im Stadtteil Alsterdorf. Gebraucht wird auch eine spezielle Software, die den Ladestand der Busse, ihre geplanten Fahrten, die voraussichtliche Ladedauer und viele andere Daten kombinieren muss. Nur so werden eine optimale Einsatzbereitschaft der Fahrzeuge erreicht und Spitzen im Stromverbrauch vermieden. (dpa/bh)



