Vielseitige Lösung: Mit der neuen CBTC-Leittechnik lassen sich auch Bahnsteigtüren realisieren.

Vielseitige Lösung: Mit der neuen CBTC-Leittechnik lassen sich auch Bahnsteigtüren realisieren.

Visualisierung: © SWM/MVG

CBTC steht für „Communication Based Train Control“. Diese digitale Leittechnik, ist in ähnlicher Form zum Beispiel auf der ICE-Schnellfahrstrecke zwischen Nürnberg und Leipzig/Halle unter dem Namen ETCS im Einsatz.

Sie löst das bisherige Sicherungssystem (LZB) ab, teilten die SWM und MVG auf einer Pressekonferenz mit. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um parallel zu den Gleisen verlegte Kabel, die Fahraufträge, Höchstgeschwindigkeit und Bremsweg an die Fahrzeuge übermitteln. Dieses System entspricht laut Mutter- und Tochtergesellschaft nicht mehr dem Stand der Technik und wird herstellerseitig nicht mehr weiterentwickelt.

Bahnsteigtüren als Option

MVG-Chef Ingo Wortmann: „Das bestehende Zugsicherungssystem hat keine Zukunft mehr. Wir müssen es schon aus Altersgründen ersetzen. Mit der neuen Leittechnik machen wir die U-Bahn aber auch zuverlässiger und leistungsfähig auch für weiter steigende Fahrgastzahlen. Die damit verbundene Digitalisierung ermöglicht darüber hinaus Bahnsteigtüren. Deren Einbau erwägen wir mittelfristig zumindest an hoch frequentierten Stationen, um die Sicherheit weiter zu erhöhen und den Betrieb noch stabiler abwickeln zu können.“

CBTC ermöglicht exakteres Halten

Denn CBTC bildet auch die Grundlage für den etwaigen Einbau solcher Bahnsteigtüren. Diese grenzen den Bahnsteig gegenüber dem Gleisraum ab und öffnen sich nur, wenn ein Zug im Bahnhof steht, um den Fahrgastwechsel zu ermöglichen. Sie können damit die Sicherheit in der U-Bahn weiter erhöhen und einen Beitrag zur Stabilisierung des Betriebsablaufs leisten, erklärten die Stadtwerke.

Ihr Einbau setzt allerdings voraus, dass die U-Bahnzüge sehr genau halten. Das geplante CBTC-System ermöglicht laut den SWM ein exakteres Halten als andere Systeme. Ebenso baue es eine sichere Kommunikation zwischen den Bahnsteigtüren und den Türen der Züge auf.

Test im U3-Bahnhof Olympiazentrum

Derzeit bereiten die MVG ein Pilotprojekt im U-Bahnhof Olympiazentrum vor. Dort soll eine von vier Bahnsteigkanten testweise mit verglasten, fahrzeughohen Türen ausgestattet und das System voraussichtlich von 2023 an unter realen Bedingungen erprobt werden. Ein Vollausbau unter laufendem Betrieb wird bis Ende der 20er-Jahre angestrebt. SWM/MVG gehen für CBTC von Investitionskosten in Höhe eines dreistelligen Millionenbetrags aus.

Zuvor sei aber noch Planung und Detailabstimmung mit der Technischen Aufsichtsbehörde sowie das Planfeststellungsverfahren nötig. Auf Grundlage der im Pilotprojekt gewonnenen Erfahrungen soll zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden, ob und in welchem Umgang weitere Bahnhöfe mit Bahnsteigtüren ausgerüstet werden.

Machbarkeitsuntersuchung ergibt gute Chancen

Eine im Auftrag von SWM/MVG durchgeführte Machbarkeitsuntersuchung hat ergeben, dass Bahnsteigtüren in der Münchner U-Bahn grundsätzlich nachgerüstet werden können. Die Ausstattung des kompletten U-Bahnsystems dauere viele Jahre und würde in Kombination mit weiteren Ausbau- und Sanierungsmaßnahmen in die anstehende Grunderneuerung des Netzes integriert werden.

SWM/MVG hatten in den vergangenen Jahren bereits drei andere Systeme zur Gleisraumüberwachung erprobt (Detektion von Fremdkörpern durch Video, Radar und Laser). Sie erwiesen sich aber als nicht geeignet für den Einsatz in der Münchner U-Bahn. (sg)

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