Die Corona-Pandemie hat die Mobilität nachhaltig verändert: Wer unterwegs ist, nutzt seltener den öffentlichen Verkehr. Die Menschen steigen häufiger ins Auto oder gehen zu Fuß. Mittlerweile verstetigen sich diese Veränderungen. Das sind Ergebnisse einer Befragung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) im November und Dezember.
29 Prozent der Befragten erklärten, dass sie häufiger oder viel häufiger zu Fuß gehen als vor der Pandemie. Jeder fünfte nutzt nach eigener Angabe häufiger oder viel häufiger das Auto. Der Anteil der Personen, die ihre All-tagswege ausschließlich mit dem Auto zurücklegen und im Verlauf einer Woche weder Fahrrad noch öffentliche Verkehrsmittel nutzen, liegt weiterhin neun Prozentpunkte über dem Wert vor Corona. Das DLR untersucht seit Beginn der Pandemie das Alltags- und Reiseverhalten der Menschen in Deutschland. Die aktuelle Erhebung ist die fünfte einer Serie. Dabei sei der positive Saldo bei den Fußgängern im Laufe der Pandemie kontinuierlich angestiegen.
Viele fühlen sich im ÖPNV unwohler als früher
Die öffentlichen Verkehrsmittel sind der Verlierer der Pandemie. Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) hat inzwischen rund zehn Prozent seiner Stammkundschaft verloren. Das Unbehagen in kollektiv genutzten Verkehrsmitteln bleibt bestehen. Im Gesamtbild kam es im Verlauf der fünf Erhebungen nur noch zu geringfügigen Veränderungen.
So war bei den öffentlichen Verkehrsmitteln das Unwohlsein zu Beginn der Pandemie am stärksten ausgeprägt; im Sommer 2020 ging es leicht zurück, um im Herbst 2020 erneut anzusteigen. Seither hat es zwar etwas abgenommen. Als Gesamtfazit lässt sich jedoch verzeichnen: „Die Angst vor Ansteckung und das Unbehagen in kollektiv genutzten Verkehrsmitteln hat sich tief in den Köpfen der Menschen verankert“, sagt Claudia Nobis vom DLR.
Aktuell fühlen sich 53 Prozent der Befragten im ÖPNV unwohler oder deutlich unwohler als vor der Pandemie. Ähnliche Zahlen wurden für die Bahn (51 Prozent) oder das Flugzeug (49 Prozent) ermittelt. Beim Carsharing liegt der Wert bei 33 Prozent.
Die Stammkunden gehen verloren
Die abnehmende Bedeutung öffentlicher Verkehrsmittel im Corona-Alltag zeige sich besonders beim Verlust der Stammkundschaft: 27 Prozent der ehemaligen Zeitkartennutzenden haben ihr Abo inzwischen aufgegeben. 42 Prozent von ihnen nannten Corona als ausschlaggebend für die Kündigung.
Generell abgenommen hat der Anteil der Personen, die im Sinne der Verkehrswende unterschiedliche Verkehrsmittel kombinieren. Vor Corona waren 31 Prozent mit einem Mix aus Auto, Rad und öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Mittlerweile hat sich der Wert bei 25 Prozent eingependelt. (wa)



