"Wir versuchen seit Wochen und Monaten bei Obike jemanden zu erreichen, der sich um die Entfernung der Räder kümmert", beklagt Florian Paul, Radlbeauftragter der Münchner Stadtverwaltung. In der bayerischen Hauptstadt hat die Deutschland-Zentrale von Obike ihren Sitz. Hier überschwemmte das Unternehmen vor gut einem Jahr über Nacht mit 7000 gelben Leihrädern die Stadt. Dieser abrupten Start fiel seinerzeit vor allem durch negative Schlagzeilen auf: Viele Räder wurden zerstört oder beschädigt. Obike versprach anschließend die Anzahl der Räder zu reduzieren.
Weitere Großstädte wie Berlin, Hamburg und Hannover folgten. Insgesamt sollen es 30 000 Fahrräder in Deutschland und den Niederlanden sein. Nutzer zahlen für die Räder eine Kaution von 79 Euro. Nach einem Jahr hat nun das Leihrad-Unternehmen aus Signapur Insolvenz angemeldet. Auf die Geschäfte an anderen Standorten habe dies jedoch keine Auswirkungen, so der Anbieter im Juni. Allerdings erreicht in Deutschlands Städten derzeit niemand die Verantwortlichen.
Verleiher kümmert sich nicht um Räder
In München etwa sind derzeit noch 3000 Räder in der Stadt, vereinbart war, diese auf 1000 Stück zu reduzieren. Oberbürgermeister Dieter Reiter, SPD, sucht derzeit eine Lösung. "Leihräder sind grundsätzlich eine Bereicherung für eine umweltbewusste und platzsparende Mobilität in unserer Stadt, aber nur, wenn die Verleiher sich auch vernünftig um ihre Räder kümmern", so Reiter. Derzeit werde rechtlich geprüft, was man gegen die Räder machen könne. Das Problem ist, dass die Obikes weder herrenlos noch städtisches Eigentum sind, weshalb die Stadt sie nicht einfach selbst wegräumen darf.
Zuständig für das Einsammeln der Räder ist das Schweizer Transportunternehmen "Umzug 24". Laut Angaben des Spiegels hat das Unternehmen mit Obike vereinbart, dass die eingesammelten Fahrräder Umzug24 gehören als Ausgleich für ausstehende Zahlungen. Allerdings funktioniere die App, mit der sich die Räder orten lassen nicht mehr richtig, erklärte ein Mitarbeiter. Zudem habe Umzug24 schriftlich, dass sich Obike definitiv aus Europa zurückziehen wolle.
Überall Probleme mit Obike
Inzwischen meldeten auch andere Städte melden Probleme mit Obike: In Frankfurt habe die Firma immer seltener falsch abgestellte Räder rechtzeitig entfernt und sei dann teils nicht mehr erreichbar gewesen", erklärte ein Sprecher des Verkehrsdezernats. Hier hatte Obike im Juni angekündigt, sich aus der Mainmetropole zurückzuziehen.
In Berlin indes fahren noch Obikes. Wie viele es sind, ist allerdings nicht bekannt. Den letzten Kontakt zu Obike gab es im April. In Rotterdam reduzierte das Unternehmen seine Räder bereits von 2500 auf 700 Stück. In Wien löste das Leihfahrrad-Unternehmen seinen Standort bereits auf, die Räder seien aber noch dort. Und in Italien antwortete Obike auf "dpa"-Nachfrage, man habe nicht vor, sich aus Italien zurückzuziehen. In Zürich aufe die Räumungsaktion indes bislang reibungslos. Obike sei hier seit Ende Juni aus dem Geschäft. Umzug24 hat hier zudem seinen Sitz.
10 000 Räder in einer Lagerhalle
Ein Inhaber einer Lagerhalle in Barsbüttel bei Hamburg will zudem rund 10 000 der Räder loswerden, die bei ihm herumstehen, um seine Halle weiterzuvermieten. Bei Obike habe erbislang niemanden dazu erreichen können. Die Miete sei extrem spät bezahlt worden und später überhaupt nicht mehr, rund 35 000 Euro stehen nach Informationen des Spiegels noch aus. Die gezahlten Kautionen sollen demnach voerst nicht zurückgezahlt werden – genauso wie die aufgeladenen Guthaben. (dpa/sg)

Kein seltener Anblick: Obikes fielen vom Anfang an dem Vandalismus zum Opfer.
Bild: © Peter Kneffel/dpa
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