Der öffentliche Nahverkehr ist bereit für Veränderung in Sachen Ticket-Vertrieb. Das will eine Studie des Technologie-Unternehmens Vesputi herausgefunden haben. Zu den Partnern der Studie gehörten etwa das Kooperationsnetzwerk Delfi (Durchgängige Elektronische Fahrgast-Information), die Stadtwerke Halle und das House of Logistics & Mobility (Holm) in Frankfurt.
Für die Untersuchung wurden 40 Verkehrsunternehmen unterschiedlicher Größe aus Städten und ländlichem Raum qualitativ befragt. Ziel war, den Status Quo des digitalen Vertriebs zu ermitteln. Kernfrage: Wie groß ist die Bereitschaft für die Entwicklung einer standardisierten Ticket-Schnittstelle, um den ÖPNV in die Anwendungen von externen Unternehmen zu integrieren.
Digitale Tickets fast nur im Gelegenheitsverkehr
Im ÖPNV werden aktuell 26 Prozent aller Tickets digital verkauft. Das betrifft hauptsächlich den Gelegenheitsverkehr, also Einzel- und Tagestickets. Hingegen werden nur fünf Prozent der Abos online gekauft. Die Tendenz in Richtung digitales Ticketing steigt aber aufgrund von externen Einflüssen wie Corona, dem Ukrainekrieg, der Energiekrise sowie durch Maßnahmen, um den Zugang zum ÖPNV zu vereinfachen – Stichwort Deutschlandticket. Bundesverkehrsminister Volker Wissing fordert hier eine vollständig digitale Umsetzung.
Was die Zukunft des digitalen Vertriebs betrifft, planen die deutschen Verkehrsunternehmen, mit Drittanbietern zusammenzuarbeiten. So würden knapp 83 Prozent der teilnehmenden Verkehrsbetriebe ihre Tickets auf den Plattformen von Eventveranstaltern verkaufen. Weitere Wunschpartner sind Fluggesellschaften, Hotels, Reiseveranstalter und Anbieter betrieblicher Mobilität. Weniger spannend für Kooperationen sind den Ergebnissen zufolge Mikromobilitätsanbieter sowie Banken und Finanzdienstleister.
Offen für Zusammenarbeit mit Start-ups
Die Herausforderung ist, die technische Schnittstelle zwischen Verkehrsunternehmen und Drittanbietern universell und standardisiert zu gestalten. Drittanbieter wie Hotels sollen sich nicht mit den Komplexitäten des ÖPNVs auseinandersetzen müssen. Die Studienteilnehmer geben hier an, offen für Innovation und die Zusammenarbeit mit Start-ups zu sein, die dies technologisch umsetzen können.
Das bestätigt auch Walter Reinarz, Geschäftsführer der Rhein-Erft-Verkehrsgesellschaft: „Durch externe Kooperationen können wir neue Ansätze schneller testen. Diese müssen nicht vollständig definiert sein, sondern können agil pilotiert werden. Wir müssen neuen Ideen eine Chance geben, um den ÖPNV für die Zukunft wappnen zu können.“
„Die Studie zeigt deutlich, dass die Entscheiderinnen und Entscheider der Verkehrsunternehmen bereit für einen Wandel in der Branche sind. Der ÖPNV muss Nutzern zukünftig überall dort angeboten werden, wo sie ihn gerade benötigen. Nicht erst am zwei Kilometer entfernten Fahrkartenautomat“, ergänzt Ben Gallmeister, Leiter für strategische Partnerschaften bei Vesputi und Verantwortlicher der Studie. (wa)



