Das Deutschlandticket hat die Nachfrage im Nahverkehr angekurbelt; nun müsse auch das Angebot ausgebaut werden, heißt es beim Deutschen Städtetag.

Das Deutschlandticket hat die Nachfrage im Nahverkehr angekurbelt; nun müsse auch das Angebot ausgebaut werden, heißt es beim Deutschen Städtetag.

Bild: © Deutsche Bahn AG / Dominic Dupont

Die erste große Verkaufswelle beim Deutschlandticket ist vorbei, heißt es beim Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Das sei zu erwarten gewesen, denn viele Kunden haben das Ticket gekauft und lassen es einfach weiterlaufen. Dennoch sieht der Verband noch einiges an Potenzial für weitere Fahrgastzuwächse.

In erster Linie seien die drei Millionen Studierenden zu nennen. Für die gebe es nach wie vor keine politische Lösung für ein bundesweit einheitliches Ticket. Zudem sei die Nachfrage nach Jobtickets in den Unternehmen zwar anfänglich sehr hoch gewesen. Sie ließ aber über die Urlaubszeit entsprechend nach. Hier geht der VDV ab September von einem Anstieg an Neuabschlüssen und Umstellungen aus.

Unklare Finanzierung

Laut VDV-Zahlen sind Deutschlandticket-Käufer zu 42 Prozent Personen, die schon vorher ein ÖPNV-Abo hatten. 47 Prozent sind neue Abonnenten, die zwar vorher auch Bus und Bahn genutzt haben, aber nun erstmals ein Abo abgeschlossen haben. 8 Prozent sind Neukundinnen  und –kunden die den ÖPNV vorher nicht genutzt haben. 3 Prozent machten keine Angaben.

„Wir rechnen damit, dass vor allem Fahrgäste, die heute noch ein anderes ÖPNV-Abo besitzen und erstmal die Entwicklung beim Deutschlandticket abwarten wollen, nach der Urlaubszeit sukzessive wechseln werden“, erklärt VDV-Präsident Ingo Wortmann. Dafür sei aber eine möglichst zeitnahe Einigung von Bund und Ländern über die Anschlussfinanzierung des Tickets in den kommenden Jahren dringend geboten. „Denn solange nicht klar ist, dass die Finanzierung und damit der Fortbestand des Deutschlandtickets gesichert sind, zögern viele Kundinnen und Kunden noch“, so Wortmann.

Das Ticket weiterentwickeln

Außerdem seien für die Stammkunden offenbar die bestehenden Zusatznutzen ihrer jetzigen Abos, wie etwa Übertragbarkeit und Mitnahmeregelung ein entscheidender Punkt, um nicht zum Deutschlandticket zu wechseln. „Dafür müssen wir als Branche gemeinsam mit der Politik eine Lösung finden, also ein um entsprechende Zusatznutzen weiterentwickeltes Deutschlandticket“, so Wortmann.

Laut VDV wären etwa 5 Prozent aller Fahrten ohne das Ticket mit dem Auto unternommen worden. Inzwischen liegen auch für die unterschiedlichen Besitzquoten in Stadtregionen und ländlichen Räumen erste valide Erkenntnisse vor. In Großstädten besitzen 20 – 30 Prozent der Befragten ein Deutschlandticket. In Kleinstädten und im dörflichen Raum sind es dagegen gerade einmal 6 Prozent der Befragten. „Das zeigt einmal mehr, dass ein günstiges ÖPNV-Ticket alleine nicht ausreicht, um die Menschen zum Kauf und damit zum Umstieg auf Bus und Bahn zu bewegen. Das gelingt nur, wenn das Angebot vor Ort attraktiv genug ist. Deshalb muss nach dem Deutschlandticket nun auch zeitnah das Deutschland-Angebot für den ÖPNV folgen“, so Wortmann. (wa)

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