Eine Tram (Straßenbahn) der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), einer Tochter der Stadtwerke München (SWM)

Eine Tram (Straßenbahn) der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), einer Tochter der Stadtwerke München (SWM)

Bild: © MVG

In Deutschlands Einpendler-Hauptstadt München fahren am Dienstag bis circa 14.30 Uhr voraussichtlich nur S-Bahnen, zwei der zehn Tramlinien und die Hälfte der Busse. Die U-Bahn bleibt bis dahin wohl komplett in den Betriebshöfen. Grund: Die Gewerkschaft Verdi hat alle Mitarbeiter im Fahrdienst der Stadtwerke-Tochter MVG zum Warnstreik von Betriebsbeginn bis 14.30 Uhr aufgerufen. Auch danach dauere es noch "einige Stunden", bis wieder normaler Betrieb herrsche, so die MVG auf ihrer Website. Fahrer müssten erst zu ihren Verkehrsmitteln kommen, von der Leitstelle nacheinander in den Takt eingeschleift werden und dürften, soweit es um U-Bahn und Tram geht, wegen der zu großen plötzlichen Last fürs Fahrstromnetz nicht alle gleichzeitig losfahren.

Verdi will mit dem Warnstreik offenbar Druck gegen den Arbeitgeber aufbauen. Der verhandelt mit ihr gerade über eine Neuauflage des (Haus-)"Tarifvertrags MVG". Diesem unterliege, so die Münchner Verkehrsgesellschaft, mehr als die Hälfte der Mitarbeiter im Fahrdienst. Die anderen, dienstälteren sind dem Tarifvertrag Nahverkehr (TV-N) Bayern zugeordnet. Bei ihm herrscht zwar tarifpolitisch ebenso Ruhe wie bei der Hälfte der Buslinien, die von privaten Subunternehmern bedient werden, und bei der Münchner S-Bahn, die von der Deutsche-Bahn-Gruppe betrieben wird. Es sind auch nur jene Beschäftigten am Lenkrad zum Ausstand aufgerufen, die dem Haustarifvertrag unterstehen.

Verdi will 200 Euro mehr

Verdi fordert von der MVG 200 Euro monatlich mehr für die Haustarifvertrags-Beschäftigten. Sie verdienen seit 2011 weniger als die Dienstälteren, die nicht bei der MVG angestellt sind, sondern bei der Holding SWM GmbH. "Anders ausgedrückt, Busfahrer in Bamberg verdienen mehr als MVG-Fahrer im teuren München. Deshalb ist es wahrlich nicht zu viel verlangt, wenn wir jetzt 200 Euro mehr Lohn fordern", erklärte Verdi-Verhandlungsführer Franz Schütz am Montag. Die MVG wolle keine "deutliche" Lohnerhöhung gewähren.

Auch wenn einige Münchner Nahverkehrsmittel weiter fahren, ist am Dienstag mit einem Verkehrsinfarkt zu rechnen: Die bayerische Landeshauptstadt, drittgrößte Millionenmetropole Deutschlands, ist von 2018 an die Einpendler-Hauptstadt Deutschlands: Allein 383.000 oder 45 Prozent der 850.000 in Münchnen Beschäftigten fahren täglich aus den Landkreisen zur Arbeit in die Stadt, so die Arbeitsagentur für 2018. Das ist knapp ein Viertel mehr als im Jahr 2000. Hinzu kommen die innermünchnerischen Berufspendler.

Bieberbach in der ZfK zu Investitionsstau und Kapazitätsgrenzen

In der am Montag erschienenen gedruckten Ausgabe der ZfK (nur im Abo erhältlich: hier) äußert sich der Chef der Stadtwerke München, Florian Bieberbach, auf Seite 6 auch zur Strategie, wie er mit seinen Kollegen – ganz abseits von dem Warnstreik – dem drohenden allgemeinen Zusammenbruch des Verkehrs in der Landeshauptstadt entgegenwirken will – auch finanziell. (geo)

Diese Meldung wurde am 8. Juli 2019 mit den Streikzielen von Verdi aktualisiert. (geo)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper