Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) kündigt den Verkehrsvertrag für zwei S-Bahn-Linien mit Keolis, der zum 15. Dezember starten sollte. Außerdem werde der VRR-Vorstand veranlassen, dass der derzeitige Betreiber DB Regio über eine Notvergabe die Betriebsleistungen auf diesen beiden S-Bahn-Linien erbringt.
Nur die Hälfte der Planstellen besetzt
Es sei deutlich geworden, dass Keolis – bekannt unter dem Markennamen "Eurobahn" – etwa die Hälfte der notwendigen Planstellen nicht mit Triebfahrzeugführern besetzen könne, teilt der VRR mit. Damit könne das Unternehmen keinen für den Fahrgast zuverlässigen Betrieb der Linien ab Mitte Dezember garantieren. Der Vertrag war 2016 geschlossen worden und sollte bis 2034 gelten. Keolis ist eine Tochter der französischen Staatsbahn SNCF.
Die beiden S-Bahn-Linien S1 zwischen Dortmund und Solingen und die S4 zwischen Dortmund und Unna sollen parallel zur Notvergabe neu ausgeschrieben werden. Sämtliche Beschlüsse und Maßnahmen seien mit dem am Verfahren beteiligten Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) abgestimmt.
"Insbesondere nach der durch NWL und VRR ausgesprochenen Abmahnung von Keolis Ende des letzten Jahres müsste deutlich geworden sein, dass wir durchaus bereit sind, auch konsequente Schritte zu gehen, um die Qualität zu sichern", erklärt VRR-Vorstandssprecher Ronald R. F. Lünser. Fehlende Triebfahrzeugführer seien in der Branche ein bekanntes Problem, das dringend über Ausbildungsprogramme behoben werden müsse. Jedoch könne Keolis realistisch binnen drei Monaten keine 60 bis 80 Mitarbeiter qualifizieren.
Kündigung "den Medien entnommen"
Keolis zeigte sich "zutiefst enttäuscht und schockiert, diese wichtige Information den Medien entnehmen zu müssen". Zurzeit würden alle Hebel in Gang gesetzt, um die Sachlage zu klären. Bis zum jetzigen Zeitpunkt habe das Unternehmen keinerlei Informationen hierzu schriftlich vom VRR erhalten. (wa)
