Eon und die Landwirte: Diese Beziehung ist nicht immer frei von Spannungen. Zwar besteht seit Jahren eine Vertriebskooperation zwischen Deutschlands größtem Stromversorger und Landesorganisationen des mächtigen Bauernverbands; wenn es aber um den Anschluss von Biomethananlagen ans Gasnetz der vielen Eon-Netztöchter geht, kann der Ton auch mal rauer werden.
Dass die Bundespolitik Netzbetreibern eine Anschlusspflicht für Biomethananlagen aufbrummte und zugleich einen Deckel für Netzanschlusskosten einzog, brachte Eon-Chef Leonhard Birnbaum beim "Handelsblatt"-Energiegipfel vor rund zweieinhalb Jahren richtig in Fahrt.
"So ein Anschluss kostet schnell mal fünf Millionen Euro", sagte er. Allein bei den Netztöchtern seines Unternehmens würden so mittlere dreistellige Millionensummen auflaufen, die als Netzentgelte weitergereicht werden müssten. Insgesamt würden durch diese Regelung "Milliarden einfach so zum Fenster rausgeschmissen".
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Bundesnetzagentur gegen Eon-Netztochter
Jetzt hat Birnbaum wieder Grund, sich zu ärgern. Die Bundesnetzagentur wies nämlich die Eon-Netztochter Schleswig-Holstein Netz in die Schranken. Diese hatte dem Landwirtschaftsbetrieb und Biogasanlagenbetreiber More Flex den von ihm gewünschten Netzanschluss verweigert. Sie führte dafür wirtschaftliche und technische Gründe an. Stattdessen bot Schleswig-Holstein Netz einen Netzanschluss an, der für den Landwirtschaftsbetrieb "mit erheblichen wirtschaftlichen Nachteilen" verbunden gewesen sei.
Nach Auffassung der Regulierungsbehörde versäumte die Eon-Tochter dabei aber, "jede vernünftigerweise in Betracht kommende Anschlussvariante (...) vollständig zu überprüfen". Also verpflichtete die Bundesnetzagentur das Unternehmen dazu, "unverzüglich" ein Angebot für den ursprünglich gewünschten Netzanschluss vorzulegen. Andernfalls drohe eine Strafe in Höhe von 100.000 Euro.
Eon-Chef: Grüngasquote "regulatorisch erzeugter Umweg"
Birnbaum äußerte sich dazu auf Linkedin nicht. Dafür wandte er sich zu Wochenbeginn gegen einen Vorschlag, der den Anschluss von Biogasanlagen ans Gasnetz noch attraktiver machen könnte: die Grüngasquote.
Birnbaum nannte die Grüngasquote eine "Pseudolösung". Sie erhöhe Kosten, verschärfe Verteilungsfragen und setze Anreize, Gasnetze länger zu betreiben als klima- und energiepolitisch sinnvoll. Das sei "ein regulatorisch erzeugter Umweg".
Gasag-Chef: Grüngasquote kann "gute Impulse" setzen
Die Grüngasquote ist ein Kernbestandteil des schwarz-roten Wärmepakets. Sie soll dazu führen, dass Gasversorger ihr Portfolio schrittweise vergrünen. Beginnen soll die Quote im Jahr 2028 mit einem Anteil von "bis zu einem Prozent", hielten Union und SPD im Februar fest. Eckpunkte zur konkreten Umsetzung wollte die Koalition "bis zum Sommer 2026" vorstellen.
In der Energiebranche ist die Grüngasquote umstritten. Gasag-Chef Georg Friedrichs etwa fand in einem ZFK-Interview Ende Mai, dass eine Grüngasquote "sehr wohl ein Anschub sein und einige gute Impulse setzen" könne.
VKU: Grüngasquote droht "Mogelpackung zu werden"
Gegen eine pauschale Grüngasquote sprach sich der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) aus. Diese drohe "zur Mogelpackung zu werden, die Verbraucher erst in trügerischer Sicherheit wiegt und sie dann teuer zu stehen kommt", urteilte er im Februar.
So klar positionierte sich der BDEW, Deutschlands größter Energieverband, bislang nicht. Zu Wochenbeginn war ihm allerdings ein kritischer Linkedin-Beitrag zur Grüngasquote, veröffentlicht von seinem Präsidenten Stefan Dohler, ein nach oben gestreckter Daumen wert.
Eine breite Quote führe zu Fehlanreizen, warnte Dohler. "Sie verteuert die Wärmewende, bindet knappe Ressourcen im Massensegment, erhöht langfristig Infrastruktur- und Netzkosten und kann notwendige Investitionen in Effizienz, Wärmepumpen und Wärmenetze verzögern."
Dohler ist vor allem auch Chef des Energiekonzerns EWE und damit für den zweitgrößten deutschen Verteilnetzbetreiber EWE Netz verantwortlich. Was Dohlers EWE und Birnbaums Eon gemeinsam haben: viele Landwirte im Netzgebiet – und viele Biogasanlagen, die künftig ins Gasnetz einspeisen könnten.







