Blick auf ein Hochspannungsmast der Mitnetz Strom, Tochter des ostdeutschen Energieunternehmens EnviaM.

Blick auf ein Hochspannungsmast der Mitnetz Strom, Tochter des ostdeutschen Energieunternehmens EnviaM.

Bild: © Jan Woitas/dpa

Die Bundesnetzagentur startete den Januar mit frischen Zahlen zu den deutschen Gasnetzbetreibern. Diese bildeten die Basis für ein ZFK-Ranking zu den größten Gasverteilnetzbetreibern des Landes.

Nun schob die Regulierungsbehörde umfangreiche Daten zu den mehr als 800 Stromnetzbetreibern der Bundesrepublik nach. Grund dafür ist die laufende Diskussion um die neue Qualitätsregulierung für Stromnetzbetreiber, die die Bundesnetzagentur bis Mitte des Jahres finalisieren will. Genau genommen geht es in der Datensammlung um Stromverteilnetzbetreiber, also jene Unternehmen, die für Spannungsebenen unterhalb der Höchstspannung zuständig sind und Strom zu den allermeisten Kunden transportieren.

Westnetz vor Stromnetz Berlin

Und was zeigen die Zahlen, die sich auf das Jahr 2024 beziehen? Zum Beispiel, welcher Verteilnetzbetreiber die meisten Letztverbraucher oder Entnahmestellen aufweist.

Ganz vorn liegt die Eon-Tochter Westnetz. Sie zählt fast vier Millionen Letztverbraucher. Dahinter ordnet sich Stromnetz Berlin knapp vor der zweiten großen Eon-Netztochter, Bayernwerk Netz, ein. Insgesamt schaffen es vier Eon-Netztöchter in die Top 10 und sieben in die Top 15.

Dazwischen mischen sich neben Netze BW, der Netztochter des Energiekonzerns EnBW, große kommunale Netzbetreiber. Zu nennen sind etwa der Flächennetzbetreiber EWE Netz, der insbesondere in Niedersachsen und Brandenburg Netze betreibt, aber auch die großstädtischen Netzbetreiber Rheinnetz (Köln), Hamburger Energienetze und SWM Infrastruktur (München).

In der Spitzengruppe befinden sich zudem die EAM Netz, ein Unternehmen der rekommunalisierten EAM-Unternehmensgruppe mit Sitz in Kassel, sowie die Nürnberger N-Ergie Netz. Die größten kommunalen Netzbetreiber Ostdeutschlands sind die Thüringer Energienetze, eine Tochter der Teag, Netz Leipzig und die Sachsennetze HS/DS.

Etwas anders sortieren sich die großen Stromnetzbetreiber ein, wenn man die Stromkreislänge als Maßstab nimmt. Die Bundesnetzagentur fragt beispielsweise die Stromkreislänge in der Niederspannung in Kilometern ab.

Demnach liegen die Eon-Töchter Westnetz und Bayernwerk Netz mit jeweils rund 111.000 und 104.000 Kilometern nahe beieinander. Danach kommt lange nichts und danach Netze BW. Insgesamt finden sich sieben Eon-Töchter unter den Top 10 wieder.

Der kommunale Netzbetreiber mit der größten Stromkreislänge in der Niederspannung ist die Kasseler EAM Netz. Es folgen Stromnetz Berlin und EWE Netz. Fast gleichauf liegen der städtische Netzbetreiber Hamburger Energienetze und der Flächennetzbetreiber Westfalen Weser Netz mit Sitz in Paderborn.

Einspeisepunkte: Bayernwerk mit Abstand vorn

Kommen wir zu den Einspeisepunkten, einem Thema, das in den vergangenen Jahren an Brisanz gewonnen hat. Gemeint sind bei Einspeisepunkten überwiegend Erneuerbare-Energien-Anlagen wie Solar- oder Windkraftanlagen. Diese erzeugen klimaneutralen Strom, stellen wegen ihrer wetterabhängigen Einspeisung aber Netzbetreiber vor Herausforderungen.

Die mit Abstand meisten Einspeisepunkte meldet Bayernwerk Netz. Fast 630.000 waren es im Jahr 2024. Auch hier dominieren die Eon-Töchter. Sieben von ihnen befinden sich in den Top 10. Es handelt sich ausschließlich um Flächennetzbetreiber.

Bei den kommunalen Stromverteilnetzbetreibern mit den meisten Einspeisepunkten liegen ebenfalls erwartungsgemäß Flächennetzbetreiber wie EWE Netz und die Kasseler EAM Netz vorn. Stromnetz Berlin befindet sich hier auf Platz sieben.

Anschlussdauer bei Niederspannung: Im Mittel 51 Tage

Die Bundesnetzagentur hat zudem abgefragt, wie lange es im Mittel dauert, bis erneuerbare Energien ans Netz angeschlossen werden. In den folgenden Grafiken werden zwei Teilprozesse unterschieden: Wie viele Tage Netzbetreiber im Mittel benötigen, um einem vollständigen Anschlussbegehren eine Zusage zu erteilen. Und wie viele Tage sie brauchen, bis die Anlage in Betrieb gehen kann.

Die Grafiken beschränken sich auf die Ebenen Niederspannung und Mittelspannung/Niederspannung. Netzbetreiber, die insgesamt eine Bearbeitungszeit von null Tagen angaben oder gar keine Angaben machten, wurden nicht berücksichtigt.

Im Mittel benötigten Netzbetreiber im Jahr 2024 demnach rund 15 Tage für den ersten Vorgang und 36 Tage für den zweiten Prozess. Die Stadtwerke Bad Dürkheim (Rheinland-Pfalz) meldeten eine Bearbeitungszeit von mehr als einem Jahr, während die Freiberger Stromversorgung in Sachsen angab, von Erhalt des Anschlussbegehrens bis Inbetriebnahme der Anlage im Mittel lediglich einen Tag zu benötigen.

Der größte Netzbetreiber Westenergie brauchte nach eigenen Angaben im Mittel 42 Tage für den gesamten Prozess. Bei Stromnetz Berlin waren es 71 Tage.

Hinweis: In einer früheren Fassung wurde anstelle der Stromkreislänge die versorgte Fläche gezeigt. Zudem wurden in einer früheren Fassung Grafiken zu allen Stromverteilnetzbetreibern bei Letztverbrauchern und Anschlussdauer gezeigt. Da die verwendeten Rohdaten der Bundesnetzagentur bei einzelnen Stromverteilnetzbetreibern allerdings nicht vollständig waren, haben wir uns entschieden, die entsprechenden Grafiken nicht weiter zu zeigen. Beispielsweise haben die Stadtwerke Waldkirch – anders als in den Daten dargestellt – nicht nur 35 Letztverbraucher, sondern mehr als 13.000.

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