Bundeskanzler Karl Nehammer (Bild) und Österreich müssen sich energiepolitisch umorientieren.

Bundeskanzler Karl Nehammer (Bild) und Österreich müssen sich energiepolitisch umorientieren.

Bild: © Alexander Zemlianichenko/AP/dpa

Als Europas Gasmärkte vergangene Woche nach oben schnellten, schauten viele Händler vor allem auf ein Land: Österreich. Dessen größter Energiekonzern, die teilverstaatliche OMV, hatte am Dienstag gemeldet, dass es künftig zu Gaslieferunterbrechungen durch die russische Gazprom Export kommen könne.

Die Nachricht hatte Händler auch deshalb verunsichert, weil die Alpenrepublik noch immer einen Großteil ihres Gases aus Russland bezieht. Im Februar waren es nach Regierungsangaben 87 Prozent, im März sogar 93 Prozent.

E-Control-Chef beschwichtigt

Die österreichische Regulierungsbehörde E-Control versuchte noch am gleichen Tag zu beschwichtigen. "Ein derartiges Szenario ist in entsprechenden Berechnungen zur Versorgungslage der E-Control bereits enthalten", schrieb sie. "Ergebnis dieser Berechnungen ist dabei, dass die Versorgung mit Gas des österreichischen Marktes im kommenden Winter gesichert ist."

Am Wochenende legte die die E-Control nach. In einem großen Interview mit der renommierten österreichischen Wochenzeitung "Profil" sagte Behördenchef Wolfgang Urbantschitsch, dass Österreich auch bei einem Ausbleiben russischer Gaslieferungen "gut durch den kommenden Winter" kommen würde. Würden die Gasspeicher im Frühjahr danach ebenfalls gut gefüllt werden, "sollte die Versorgung auch für den Winter 2025/26 sichergestellt werden".

OMV-Liefervertrag bis 2040

Urbantschitsch zitierte zudem aus einer E-Control-Umfrage unter österreichischen Gasversorgern, wonach circa 56 Prozent der bis Ende Januar und für das Lieferjahr 2024 beschafften Mengen auf der Basis von bilateralen Verträgen beschafft worden seien. Die Vertragspartner seien "nationale und internationale Erdgashändler". Und: "Von staatlicher Seite gibt es die strategische Gasreserve, die etwa 20 Prozent des heimischen Bedarfs entspricht." Tenor: kein Grund zur Beunruhigung. Alles gut.

Tatsächlich tut sich Österreich bislang deutlich schwerer als andere EU-Länder, sich vom russischen Gas zu lösen. Als kleines Land ohne Küste ist es auf Pipelinelieferungen angewiesen. Zudem war die Bindung des Landes zu Russlands traditionell eng, was sich auch im Gasgeschäft niederschlug. Der üppige OMV-Liefervertrag mit Gazprom läuft bis 2040.

Internationale Gasdrehscheibe

Noch immer gilt der Netzknotenpunkt Baumgarten in Niederösterreich als internationale Gasdrehscheibe. Von dort fließt durch die Ukraine und die Slowakei geleitetes russisches Gas weiter Richtung österreichisches Inland, Italien, Slowenien, Kroatien und Ungarn.

Weil die Ukraine aber ab 2025 keine Transitroute für russisches Gas mehr sein will, debattiert die Alpenrepublik seit Monaten, wie es weitergeht. Die österreichische Umweltministerin und Grünen-Politikerin Leonore Gewessler drohte bereits, österreichische Energieunternehmen gesetzlich dazu zu verpflichten, ihre Gasimporte zu diversifizieren, um sich aus der russischen Abhängigkeit zu lösen. (Die ZfK berichtete.)

Gas am Österreich-Handelspunkt teurer

Preislich lohnte sich die Ostbindung zuletzt ohnehin nicht. Gas am österreichischen Handelspunkt CEGH war deutlich teurer als an westeuropäischen Konkurrenzplätzen. Am Montagnachmittag notierte der Day-Ahead bei 37 Euro pro Megawattstunde (MWh). Das vergleichbare Produkt am deutschen Handelspunkt THE war zwei Euro günstiger. (aba)

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